Ludwigshafen Mit chirurgischer Präzision

Der SV Waldhof Mannheim hat sich einen komfortablen Vorsprung auf die Konkurrenz erarbeitet.
Der SV Waldhof Mannheim hat sich einen komfortablen Vorsprung auf die Konkurrenz erarbeitet.

«MannheimBernhard Trares ist kein Mann der großen Töne und deshalb blieb sich der gebürtige Bensheimer vor dem Start in die Winterpause treu. Der Trainer des Fußball-Regionalligisten SV Waldhof Mannheim hätte sich selbst, seiner Mannschaft oder dem gesamten Verein verbal auf die Schultern klopfen können, denn es ist aus verschiedenen Gründen beachtlich, was die Mannheimer in den zurückliegenden Monaten sportlich geleistet haben. Trares, dieser angenehm uneitle Fußballlehrer, ließ sich nicht locken. „Wir werden versuchen, im neuen Jahr wieder guten Fußball zu spielen“, sagte er lapidar, als er auf die Chance angesprochen wurde, die Blau-Schwarzen nach vielen bitteren Enttäuschungen in den vergangenen Jahren ins „gelobte Land“ zu führen, die Dritte Liga. Ganz zum Schluss hatten die Mannheimer noch einmal nachdrücklich gezeigt, warum sie beinahe im wöchentlichen Rhythmus von den Trainern der Konkurrenten der Regionalliga Südwest über alle Maße gelobt werden. Mit spielerischer Eleganz und fußballerischer Überlegenheit gewannen die Waldhöfer 3:0 beim SC Hessen Dreieich. „Das war die beste Mannschaft, gegen die wir angetreten sind“, sagte Rudi Bommer nach dem Match. Der Trainer des Aufsteigers hat viel gesehen, war in den 1980er-Jahren Nationalspieler, und doch beeindruckt von den Fertigkeiten der Mannheimer. „Die werden aufsteigen“, erklärte er später im kleinen Kreis. Im Grunde haben Trares und seine Mannschaft in den zurückliegenden Monaten alle Nachweise erbracht, dass am Ende der Saison nur der SV Waldhof an der Tabellenspitze der Regionalliga Südwest stehen kann, aber das Wort „Aufstieg“ steht im Umfeld der Blau-Schwarzen weiterhin auf dem Index der verbotenen Ausdrücke. „Es wäre schön, wenn wir da bleiben können, wo wir jetzt sind“, verklausulierte Markus Scholz die durchaus vorhandenen, aber nicht formulierten Ambitionen der Mannheimer. Torhüter Scholz weiß genau, warum es für den SVW so gefährlich ist, über den Aufstieg zu sprechen, denn in den vergangenen Jahren gab es große und noch größere Tragödien rund um die Blau-Schwarzen. Drei Mal hintereinander qualifizierten sich die Waldhöfer für die Aufstiegsspiele zur Dritten Liga, drei Mal scheiterte der Klub und stellte damit wohl einen Rekord für die Ewigkeit auf. Zwei Mal gehörte Scholz zu den Geschlagenen im Waldhof-Trikot. Es ist umso bemerkenswerter, dass der gesamte Verein nach dem abermaligen Scheitern mit dem Spielabbruch im Aufstiegsrückspiel gegen Uerdingen als negativem Höhepunkt noch einmal gestärkt zurückkam. Im Moment des größtmöglichen Rückschlags fassten die Verantwortlichen Mut für einen neuen Versuch. Daran tragen drei Personen die Hauptverantwortung: Mäzen und Neu-Präsident Bernd Beetz, der Sportliche Leiter Jochen Kientz und eben Trares. Die Voraussetzung für den sportlichen Höhepunkt hatte Beetz schon einen Tag nach dem desaströsen Match gegen den KFC Uerdingen geschaffen. „Ich habe schnell erklärt, dass wir weitermachen“, sagte der Top-Manager, von dessen finanziellen Zuwendungen die Blau-Schwarzen abhängig sind. Mit der Rückendeckung des Unterstützers konnten Kientz und Trares ihren Plan verfolgen, den Kader, der bereits über eine enorme Qualität für die Regionalliga verfügte, weiter zu verbessern. Mit chirurgischer Präzision beseitigten Sportchef und Trainer die Schwachstellen im Kader der Waldhöfer und hoben das Team anschließend mit konzentrierter und unaufgeregter Arbeit noch einmal auf ein höheres Niveau. Selbst einen drohenden Drei-Punkte-Abzug – wegen des Spielabbruchs im Aufstiegsspiel zur Dritten Liga vorige Saison gegen den KFC Uerdingen – eingerechnet, haben sich die Mannheimer bereits fünf Punkte von den härtesten Rivalen Steinbach und Saarbrücken abgesetzt und in der zweiten Saisonhälfte in Heimspielen gegen die direkten Konkurrenten die Chance, den Vorsprung weiter auszubauen. Es ist wahrscheinlich, dass die vielen Fans der Waldhöfer Bernhard Trares im kommenden Mai ein Denkmal bauen, wenn er das lange Warten auf die Rückkehr in den Profifußball beendet. Es ist angesichts der vorhandenen Sehnsüchte kaum vorstellbar, welche Emotionen freigesetzt werden, sollte es im vierten Anlauf hintereinander mit dem Aufstieg klappen. Doch Bernhard Trares möchte sich damit nicht beschäftigen, der Waldhof-Trainer plant derzeit einen Kurzurlaub: Ein will ein paar Tage mit alten Freunden Skifahren gehen.

x