Gewichtheben
Mit Blackout aus dem Aufwärmraum
Den 779,5:737,2 (3:0) Heimerfolg über den starken KSV Grünstadt musste sich die Staffel des AC 1892 Mutterstadt hart erarbeiten. Damit war die Revanche für die letztjährige Niederlage im Derby geglückt und die AC-Staffel baute ihre Führung in der Gewichtheber-Bundesliga auf 13:2 Zähler aus.
Die Gastgeber machten keinen Hehl daraus, dass sie von dem „Blackout“ der Grünstadterin Lisa Karp im Reißen letztendlich entscheidend profitierten. Im Aufwärmraum meisterte Karp noch locker 64 Kilogramm. Auf der Bühne patzte die KSV-Heberin drei Mal beim Anfangsgewicht von 65 Kilogramm. Damit fehlten dem noch sieglosen Schlusslicht in der Endabrechnung mindestens 37,5 Kilopunkte, die wenigstens zu einem Punkt im Reißen gereicht hätten.
„Das hätte ins Auge gehen können“
„70 Kilogramm von Lisa waren eingeplant. Das ist megaärgerlich in unserer Situation. Wir hatten uns diesmal wieder was ausgerechnet gegen Mutterstadt. Normalerweise hat man gegen so eine Mannschaft mit überdurchschnittlichen ausländischen Hebern keine Chance. Wir versuchen trotz aller Widrigkeiten die Klasse zu halten“, sagte ein enttäuschter Gästetrainer John Attilo.
Für den Mutterstadter Sportchef und stimmungsvollen Hallensprecher Stefan Mohr waren die starken Darbietungen der Gäste aus Grünstadt keine Überraschung. Mohr: „Wie im Vorfeld von mir angekündigt, hätte eine gute aufgestellte KSV-Staffel das Reißen gewinnen könne. Die waren fast alle bei 100 Prozent, während unsere Nationalheber nach der deutschen Meisterschaft und Winterpause erst wieder in Form kommen müssen. Da hatten wir etwas Glück, das hätte aus ins Auge gehen können. Unser Ziel war eine 3:0 Sieg im Hinblick auf das schwere Restprogramm.“
Nina Schroths vorletzter Heimkampf
Für die vielen Fans hatte das Derby am Samstagabend besten Unterhaltungswert. In der ersten Reihe hinter dem souveränen Kampfrichter Hans Fouquet genoss der rheinland-pfälzische Gewichtheber-Präsident Patrick Fassott das Heberduell. „Es war ein spannender Wettkampf, den man sich als Zuschauer wünscht. Grünstadt nach dem Loch im Reißen noch einmal sehr gut dagegengehalten. Ich bin überzeugt, dass die Attilo-Mannschaft die Klasse hält und Mutterstadt den Finaleinzug packt“, drückt Fassott beiden Teams die Daumen.
Nur noch bei einen Heimkampf in einer überaus erfolgreichen Heberkarriere wird Nina Schroth vor ihren Fans an das Eisen gehen. Bei ihrem vorletzten Heimauftritt erfüllte die pfälzische Heberlegende die sportlichen Erwartungen. 120 Relativpunkte waren ein gutes Ergebnis für die 34-jährige Lachen-Speyerdorferin. „Die Revanche nach der letzten Niederlage gegen Grünstadt ist geglückt. Viel wichtiger war aber das 3:0. Wir versuchen, unbedingt zu den Finals nach Hannover zu kommen. Wenn Yekta Jamali endlich ihren deutschen Pass bekommt, dann steigen unsere Chancen“, hofft am Ende ihrer Karriere auf den Finaleinzug.
Familie und Freunde im Publikum
Der Routinier sagt aber auch, dass gegen Speyer, Obrigheim und Chemnitz alle Staffelkollegen noch eine Schippe drauflegen müssten. Das gilt auch für die ausländischen Heber wie Hristo Hristov (168 Kp) und Piotr Kudlaszyk (154 Kp). Die jungen Nationalheberinnen Marie Scherer (109 Kp) und Jacky Nygaard (119 Kp) brachten diesmal alle ihre Versuche sicher durch. Für die 21-jährige Saarländerin Marie Scherer ist es immer ein besonderes Erlebnis auf die Mutterstadter Heberbühne zu gehen: „Ich bin beim Heimkampf immer besonders motiviert, weil Familie und Freunde im Publikum sitzen. Für mich ist es als junge Athletin eine großartige Geschichte, für den AC Mutterstadt heben zu dürfen. Fürs Erreichen des Finales gebe ich alles.“
Steigerungen für die entscheidende Wettkämpfe hat auch der bulgarische Topheber Hristo Hristov angekündigt. Die 210 Kilogramm waren diesmal zu schwer. In Speyer am 7. Februar wird seine Staffel diese Last gut gebrauchen können. „Ich weiß, dass an dem Abend noch mehr von mir kommen muss. Ich glaube, das kriege ich hin. Schließlich will ich auch ins Finale und irgendwann mit Mutterstadt mal deutscher Meister werden“, schaut der Mann aus Varna optimistisch in die Zukunft.