Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Mit 80 ist noch lange nicht Schluss

Willi Neunzling aus Maxdorf war bei gerade einmal zwei Vereinen in seiner langen Laufbahn.
Willi Neunzling aus Maxdorf war bei gerade einmal zwei Vereinen in seiner langen Laufbahn.

Willi Neunzling wird heute 80 Jahre alt. Er ist damit der älteste Schiedsrichter im Pfälzer Handballverband. Seit nunmehr 36 Jahren ist der Maxdorfer Unparteiischer. Bei seinen Anfängen steckte er in einer Zwickmühle. Er pfiff und ließ damit seine Damenmannschaft als Trainer „im Stich“. Neunzling hat aber noch eine andere Leidenschaft – zum Leidwesen seiner Frau.

Als er am vergangenen Samstagabend von der ersten Spielabsage in Eisenberg erfuhr, war er schon etwas enttäuscht. Als dann am Sonntag auch noch die Partie in Neuhofen ausfiel, machte Willi Neunzling aus der Not eine Tugend. Er wechselte an diesem Abend sein Hobby. Statt als Schiedsrichter des Pfälzer Handball-Verbandes unterwegs zu sein, ging er mit seiner Frau essen. Neunzling, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, ist ein Feinschmecker. Und so kredenzte er gemütlich im Restaurant Dolomiti in seiner Nachbarschaft, anstatt durch eine miefende Halle zu rennen und Fouls zu ahnden.

Willi Neunzling ist nicht nur ein Feinschmecker, ein Genießer. Er genießt es auch, selbst zu kochen – ganz zum Leidwesen seiner Frau. Sogar heute an seinem 80. Geburtstag kann er es nicht sein lassen. Er möchte die vielen Gäste mit einem leckeren Braten verwöhnen. Bei seiner Feier wird dann etwas im Mittelpunkt stehen, das ihm auch beim Sport so gefällt: die Geselligkeit. „Ich freue mich immer wieder, wenn ich vom Schiedsrichter-Einteiler zum Pfeifen eingeteilt werde“, sagt Neunzling.

Seit 1985 ist er als Unparteiischer unterwegs und leitet an den Wochenenden meist zwei bis drei Partien. „Ich mache es heute noch so gerne, wie damals. Man trifft immer wieder viele Bekannte und Freunde, da wird auch nach dem Spiel noch ein wenig erzählt, und man sitzt zusammen“, erzählt Neunzling. „Gerade in den Klassen, die ich pfeife, sind sehr viele ältere Spieler. Da geht es nicht so hitzig zu wie in den oberen Klassen“, sagt der Maxdorfer.

Nun Waisenknaben sind die Handballer aber auch nicht. „Es ist manchmal erstaunlich, wenn jemand ein Trikot anhat. Da sind es dann ganz andere Menschen“, sagt Neunzling: „Man darf aber auch nicht alles auf die Goldwaage legen.“ Allerdings gibt es Grenzen für Willi Neunzling. So gibt es einen Verein in der Region, dem er mitgeteilt habe, dass er dort nicht mehr pfeifen werde. „Diesen Verein gibt es nicht mehr. Der hat sich abgemeldet“, sagt Neunzling.

Manchmal Schiri statt Trainer

Solche Zwischenfälle sind aber eher selten. „Zum Glück passiert das heute kaum noch. Man kennt mich, ich kenne die Vereine, man kann miteinander reden“, sagt Neunzling. Er sieht sich als Brückenbauer – also mit- statt gegeneinander.

Willi Neunzling wurde zufällig Schiedsrichter. „Ich habe oft bei Spielen meiner Damen-Mannschaft erlebt, dass kein Schiedsrichter da war. Zum einen, weil niemand vom Verband eingeteilt wurde, andererseits weil die gastgebende Mannschaft niemand zum Pfeifen gefunden hatte“, erzählt Neunzling: „Bevor mir jemand ein Spiel kaputt pfeift, habe ich es selbst in die Hand genommen.“ Seine Hilfsbereitschaft hatte einen Haken. Seine Damenmannschaft stand in fremder Halle ohne Trainer da. Der pfiff nämlich. Verrückte Zeiten. Willi Neunzling ließ „seine“ Damen aber nicht im Stich. Ihm lag es am Herzen, ein gutes Verhältnis zur Mannschaft zu haben. Geselligkeit eben. „Es gab Spielerinnen, die waren während meiner gesamten Zeit als Trainer beim ASV Maxdorf“, berichtet er. Das waren immerhin 22 Jahre. „Das war und bleibt die einzige Mannschaft und der einzige Verein, wo ich gerne Trainer war“, betont Neunzling.

Neunzling ist ein treuer Mensch. 22 Jahre war er beim ASV Maxdorf Trainer. Selbst aktiv war er auch nur bei einem Verein, nämlich dem SV 05 Meckenheim. Der rüstige Pensionär, der als Schmied-Schweißer in der BASF tätig war, kam – wie schon als Trainer zum ASV Maxdorf – zufällig zum Handball. „Mich hat damals ein Arbeitskollege als Zuschauer zum Handball auf dem Großfeld zum SV 05 Meckenheim mitgenommen. Da hat man zu mir gesagt, Du könntest auch Handball spielen“, erinnert sich Neunzling an seine Geburtsstunde. Das war genau vor 55 Jahren, unmittelbar nach seiner Zeit bei der Bundeswehr. Knapp neun Jahre blieb er in Meckenheim. „Ich hatte davor mit Sport nichts am Hut“, meint Neunzling. Heute kann er sich ein Leben ohne sportliche Betätigung nicht mehr vorstellen. Täglich bewegt er sich am frühen Morgen mindestens 35 Minuten auf dem Stepper und gelegentlich geht er auch noch eine Runde joggen. „Ich fühle mich gesundheitlich noch fit. Ich habe keine Probleme. Es gibt Kollegen, die pfeifen noch Spiele, obwohl sie Probleme mit der Hüfte oder den Beinen habe. Das kenne ich Gott sei Dank nicht.“ Deshalb denkt auch der älteste aktive Schiedsrichter im Pfälzischen Handballverband nicht ans Aufhören.

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