Ludwigshafen Mit 77 Jahren noch topfit

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Schifferstadt. Horst Schlindweins Leben ist Sport und Sport ist sein Leben. Der Limburgerhofer ist 77 Jahre alt – und trotzdem noch selbst sportlich aktiv und zudem Turntrainer in Schifferstadt, Limburgerhof und Neuhofen.

Wenn Horst Schlindwein morgens aufsteht, macht er erst einmal Gymnastik. Er trainiert mit Bändern, mit Hanteln, mit seinem Körpergewicht. Jeden morgen 30 Minuten. Fast jeden Nachmittag schnappt er sich dann sein Trekkingbike und fährt Rad. 50, 60 Kilometer, manchmal radelt er auch in den Pfälzerwald, dann kommen schon mal 100 Kilometer zusammen. Man muss wissen: Horst Schlindwein ist mittlerweile 77 Jahre alt. „77 einhalb, wenn man es ganz genau nimmt.“ Sportlich aktiv ist der Limburgerhofer seit 69 Jahren. Seit dem Tag, an dem er im Alter von acht Jahren erstmals in einer Turnhalle stand. „Vielleicht kann ich deshalb noch alles machen, weil ich nie wirklich hart trainieren und nie wirklich hart arbeiten musste“, sagt Schlindwein. Sein kleiner Traum von einer großen Karriere als Turner endete im Alter von 15 Jahren. Da begann er auf Drängen seiner Eltern eine Ausbildung bei der BASF als Chemie-Laborant. Mehr Zeit für den Sport hatte er von da an nicht. Horst Schlindwein kann noch immer einen Salto auf dem Trampolin, eine Kippe, eine Felge am Reck. Wenn man ihn sieht, ihm zusieht, hat man nicht das Gefühl, einen 77-Jährigen vor sich zu haben. Dazu wirkt er noch zu aktiv, zu fit, zu durchtrainiert. Den Nachwuchsgruppen, die er in Schifferstadt, in Limburgerhof und in Neuhofen trainiert, turnt er noch immer vor. Es ist sein großes Glück, dass er das noch alles kann. „Sport ist mein Leben. Ein Leben ohne Sport wäre furchtbar“, sagt Schlindwein. Der Sport spielte immer eine dominante Rolle in seinem Leben: Schlindwein war mehrmals Pfalzmeister im Geräteturnen, belegte bei den nationalen Meisterschaften im deutschen Zehnkampf, der aus turnerischen und leichtathletischen Disziplinen besteht, als Jugendlicher stets einen Rang im vorderen Drittel, begann mit 24 Jahren mit dem Trampolinturnen, wurde zweimal Deutscher Mannschaftsmeister. 1966 riss er sich bei einem Show-Auftritt in Wachenheim unter anderem das Kreuzband und musste ein Jahr pausieren. Es folgte der Übergang vom Sportler Horst Schlindwein zum Trainer Horst Schlindwein – auch wenn er noch immer bei Wettkämpfen startet, und diese in seiner Altersklasse meistens gewinnt. 2017 will der Limburgerhofer, der trotz seines Alters noch Ski fährt, das 16. Mal an einem Deutschen Turnfest teilnehmen. Sich mit Horst Schlindwein zu unterhalten, ist wie eine Geschichtsstunde. Nicht nur eine sportliche. Vor allem auch eine gesellschaftliche. Wenn er aus seiner Kindheit und Jugendzeit im Nachkriegs-Deutschland berichtet, ist manches aus heutiger Sicht nur schwer vorstellbar. Etwa wenn er erzählt, dass er anfangs zum Training von Limburgerhof nach Schifferstadt gelaufen ist, beziehungsweise oftmals gerannt, „denn ich hatte ganz alleine Angst“. Oder, dass er sein erstes Fahrrad erst im Alter von 15 Jahren bekam – sein damaliger Trainer Eugen Kamm hatte es ihm zusammengebaut. Etwa wenn er erzählt, dass man das zuvor durch Gießen in der Nachbarschaft verdiente Geld vor dem Kinobesuch zusammenlegte, damit alle die Vorstellung sehen konnten. „Wir hatten nicht so viel, also haben wir zusammengehalten“, sagt Schlindwein. Er beschwert sich nicht direkt über die heutige Gesellschaft, aber seine Aussagen lassen schon durchblicken, dass er manchmal ein bisschen mehr Demut, ein bisschen weniger Konsum gutheißen würde. „Die Leute wissen doch gar nicht, wie gut es ihnen heute geht“, sagt der 77-Jährige. Wenn er von früheren Zeiten berichte, habe er oftmals das Gefühl, die Leute begreifen nicht, oder wollen nicht begreifen, was damals war. Wie hart das Leben damals war. Wobei Schlindwein sich jetzt nicht als Asketen bezeichnen würde – auch nicht bei der Ernährung. „Ich lasse nichts aus, aber es bleibt alles im Rahmen“, sagt er. Sein Großvater Josef ist übrigens 98 Jahre alt geworden. Der habe sich, so erzählt Schlindwein, mit Sport bis zu seinem Tod fitgehalten. Also macht der 77-Jährige weiterhin fleißig Gymnastik, radelt und turnt.

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