Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Michael Heinz über die BASF und sein Verhältnis zu Ludwigshafen

Stolzer Aniliner: BASF-Vorstandsmitglied Michael Heinz mit seinem ersten Werksausweis aus dem Jahr 1984.
Stolzer Aniliner: BASF-Vorstandsmitglied Michael Heinz mit seinem ersten Werksausweis aus dem Jahr 1984.

Michael Heinz ist nicht nur Teil des BASF-Vorstands, sondern auch Arbeitsdirektor und Standortleiter für Ludwigshafen. Zum 1. Juni wechselt er mit neuer Aufgabe beim Chemiekonzern in die USA. Wir haben vor dem Abschied mit ihm über sein Verhältnis zu Ludwigshafen gesprochen, über Hochstraßen und Krawatten am ersten Arbeitstag.

Herr Heinz, was ist Ihr Lieblingsort in Ludwigshafen?
Das ist zum einen die „Eberthölle“. Ich bin absoluter Sportfan und fiebere mit den Eulen mit. Dann ist es die Umgebung der BASF, etwa mit unserem Kellereifest, wo Sie mit Kollegen und Nachbarn auf die BASF anstoßen, aber auch über Probleme sprechen können. Außerdem liegen mir die Parkinsel und das Filmfestival sehr am Herzen.

Sie sind gebürtiger Mannheimer, sind in Ludwigshafen zur Schule gegangen und haben hier Ihre Ausbildung gemacht. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ludwigshafen?
Ich bin ein Kind der Region. Ab der fünften Klasse war ich im Carl-Bosch-Gymnasium, denn wir haben in Altrip gewohnt. Ich habe dann bei der BASF eine duale Abiturientenausbildung gemacht. Die Anilin, und damit auch Ludwigshafen, ist für mich ein Stück Heimat.

Sie arbeiten seit 1984 bei der BASF. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag?
Ich erinnere mich sehr gerne und habe etwas mitgebracht (greift hinter sich). Das hier ist mein erster BASF-Betriebsausweis. Ich habe auch jeden weiteren Werksausweis aufgehoben. Den musste man eigentlich immer zurückgeben. Aber das habe ich nie gemacht ...

Jetzt kommt’s raus!
... und stattdessen die fünf Mark Strafe fürs Verlieren bezahlt. Mein erster Arbeitstag war der 1. Oktober 1984. Das war wahnsinnig spannend und aufregend. Ich bin, wie alle anderen auch, mit Anzug und Krawatte gekommen und kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mir damals die Krawatte noch nicht selbst binden konnte. Seitdem ist natürlich viel passiert. Heute darf die Krawatte, wie Sie sehen, auch häufiger mal im Schrank bleiben.

Und heute, 37 Jahre später, sind Sie BASF-Vorstand. Hat Karriere damals schon eine Rolle für Sie gespielt?
Ich war als Sportler schon immer unheimlich ambitioniert. Ich wollte immer das Beste leisten, in dem, was ich gerade gemacht habe. Ich hatte keinen strikten Karrierepfad vor Augen, wusste aber: Ich wollte ins Ausland. Und ich hatte den Drang, etwas Neues auszuprobieren.

Sie sind leidenschaftlicher Wasserballer. Was kann man aus einem Wasserball-Match mit in die Vorstandsetage nehmen?
Wahnsinnig viel: Teamgeist, Disziplin. Wenn man glaubt, dass es nicht mehr weitergeht, kann man trotzdem weitermachen. Man lernt, mit Niederlagen umzugehen, auch mit Verletzungen.

Ludwigshafen ist ohne die BASF nicht denkbar und die BASF nicht ohne Ludwigshafen. Wie würden Sie diese Beziehung beschreiben?
Als ich Arbeitsdirektor wurde, hat man immer das Wort „Schicksalsgemeinschaft“ benutzt. Von Anfang an hat mir dieses Wort nicht so richtig gut gefallen. Es bedeutet: Man ergibt sich seinem Schicksal. Und das ist genau das Gegenteil, von dem, was man eigentlich möchte, nämlich: gemeinsam gestalten und anpacken. Insofern habe ich immer von einer „Zukunftsgemeinschaft“ gesprochen.

Was bedeutet das?
Ein ständiger Dialog mit Anwohnern, mit Nachbarn, mit der Politik und mit Menschen, die etwas für Ludwigshafen bewegen wollen. Die BASF trägt in der Stadt dazu bei, dass die Lebensqualität erhalten bleibt oder sich verbessert: Denken Sie an das Engagement für Kunst und Kultur, an den sozialen Bereich, an den Breitensport, an den Bildungsbereich.

Viele Ludwigshafener sind stolz auf „ihre Anilin“. Einige Anwohner ärgern sich. Ein ganz aktuelles Thema, das die Oppauer beschäftigt, sind die Monteursunterkünfte.
Auch wenn es die Aufgabe der Behörden ist, gegen Rechtsverstöße vorzugehen, sehen wir uns in der Verantwortung, zu einem guten Miteinander beizutragen. Wir haben einen Verhaltenskodex, der auch für unsere Kontraktorfirmen gilt. Und wenn sie gegen diese Regeln verstoßen, dann behalten wir uns vor, die Geschäftsbeziehung abzubrechen. Insofern kann es natürlich nicht sein, dass gegen Recht und Ordnung verstoßen wird. Wir wollen uns hier einbringen. Als ersten Schritt stellen wir über unsere Wohnungsbaugesellschaft Wohnraum zur Verfügung.

Das wohl größte Ludwigshafener Thema sind die Hochstraßen. Wie beeinflusst diese Entwicklung die BASF und was ist Ihre persönliche Meinung zu den Plänen der Stadt?
Die Stadtspitze hat hier eine Herkulesaufgabe, um die ich sie nicht beneide. Von Anfang an war es richtig und wichtig, dass sich die Wirtschaft in die Diskussion eingebracht hat. Es geht nicht nur um den Abriss der Hochstraßen, sondern auch darum, wie man Verkehr grenzübergreifend anders gestalten kann? Es gab am Anfang vielleicht ein bisschen Hin und Her, bis man tatsächlich eine gerade Linie verfolgte, die man jetzt aber hat. Insofern bin ich zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Die Stadt wurde in ihrer Geschichte von mehreren BASF-Unglücken geprägt. Das jüngste ereignete sich 2016 im Nordhafen. Wie erinnern Sie sich an diesen Tag?
Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern. Es war der 17. Oktober 2016. Ich saß genau da, wo ich jetzt sitze, im selben BASF-Bürogebäude. Dann hörte ich einen lauten Knall und mein Fenster fing leicht an zu vibrieren. Ich habe es geöffnet, habe rausgeschaut und Richtung Norden eine Rauchwolke gesehen. Ich wusste gleich, dass dort etwas Größeres passiert ist. Der Unfall beschäftigt uns auch im fünften Jahr danach immer noch. Es sind vier Kameraden der Werkfeuerwehr ums Leben gekommen, ein Matrose hat sein Leben verloren. Und es gab unzählige Verletzte, die heute noch unter dem Unglück leiden. Das ist mir damals persönlich nahe gegangen und geht mir immer noch persönlich nahe.

Es war ein prägendes Erlebnis bevor Sie 2017 Standortleiter wurden. Was waren die drei prägendsten Ereignisse in Ihrer Zeit als Standortleiter?
Das eine ist das „Zukunftsbild Werk Ludwigshafen“ mit vielen Initiativen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu erhalten. Das zweite ist die Standortvereinbarung. Und das dritte ist, dass wir seit März 2020 den Standort gut durch die Pandemie geführt haben.

Sie kommen aus der Region, sind aber beruflich auch viele Jahre im Ausland gewesen: in Mexiko, in Ecuador, nun geht es erneut in die USA. Wo sind Sie zu Hause?
Ich bin immer da zu Hause, wo mein Herz ist, und mein Herz ist immer da, wo meine Familie ist, und meine Familie ist und kommt aus der Metropolregion Rhein-Neckar. Insofern schlägt mein Herz für die Metropolregion. Und da bin ich letztendlich auch zu Hause.

Zur Person: Michael Heinz

Der 57-jährige Michael Heinz ist seit 2011 im BASF-Vorstand. Seit 2017 ist er zudem Arbeitsdirektor und Standortleiter für das Werk Ludwigshafen. Auch seine beruflichen Wurzeln liegen in Ludwigshafen: Von 1984 bis 1987 absolvierte er eine duale Abiturientenausbildung zum Industriekaufmann und Wirtschaftsassistenten an der hiesigen Fachhochschule. Seitdem arbeitet er bei der BASF. Zum Standort Ludwigshafen gehören aktuell 39.060 Mitarbeiter, darunter auch die im Agrarzentrum Limburgerhof. Mit seinem Wechsel in die USA ist Heinz als Vorstandsmitglied verantwortlich für das Nord- und Südamerikageschäft der BASF.

Ein Blick auf das Ludwigshafener BASF-Werk.
Ein Blick auf das Ludwigshafener BASF-Werk.
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