Ludwigshafen
„Metropol“-Baugrube bis Sommer fertig
Noch braucht man viel Fantasie, um sich den bis zu 67 Meter hohen zweiteiligen Hochhauskomplex mitten auf dem Berliner Platz vorstellen zu können. Ein großes Werbeplakat am Rand der Baustelle wirbt um Mieter und zeigt, wie das Gebäude einmal aussehen soll. „Das wird wirklich großstädtisch. Das wird gut!“, sagt Stephan Mertens (59), Geschäftsführer von Timon Bauregie aus Ettlingen bei Karlsruhe. Mertens hat am Donnerstag auf die Baustelle eingeladen, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es vorangeht – und Pleiten, Pech und Pannen bei dem Projekt der Vergangenheit angehören.
Noch immer klafft ein riesiges Loch auf dem Platz. Doch so langsam wird erkennbar, dass hier eine Baugrube entsteht. Ein Teil der seitlichen Stützwände ist bereits fertig. Der in den 1940er-Jahren gebaute Tiefbunker unter dem Platz ist auf dem Bauareal weitgehend rückgebaut worden. Lärm, Dreck und Erschütterungen haben die Anwohner belastet. Bagger haben mit Meißeln und Greifzangen die 2,30 Meter dicke Bunkerdecke zerlegt. Ein sogenannte Brechermaschine zerkleinert den Schutt in handliche Brocken. In der Baugrube türmen sich diese Brocken zu Bergen. Das Material wird benutzt, um unterirdische Hohlräume der weitverzweigten Bunkeranlage zu verfüllen und dient später außerdem als Grundlage fürs Fundament.
Arbeiten im Untergrund
„Von außen ist für die Passanten noch nicht viel zu sehen, aber wird sind hier unten schon gut vorangekommen“, sagt Manfred Wendig. Der 58-Jährige ist Projektleiter beim Bauunternehmen Hochtief, das von Timon mit den Bauarbeiten fürs „Metropol“ beauftragt wurde. Er und sein Team haben Erfahrung im Hochhausbau. „Wir haben den Marienturm in Frankfurt gebaut“, erzählt Wendig. Das Hochhaus im Bankenviertel der Mainmetropole ist 155 Meter hoch und hat 38 Geschosse. Dagegen ist das „Metropol“ in Ludwigshafen mit knapp 70 Metern Höhe und 19 Geschossen ein deutlich kleineres Gebäude.
Wendig geht davon aus, dass bis August die Bunkerarbeiten abgeschlossen sind. Rund ein Jahr wird es gedauert haben, das Areal unter dem Berliner Platz für den Hochhausbau vorzubereiten. Bis zu 70 Löcher werden dann in den Untergrund gebohrt und mit Beton verfüllt. „Jeder Pfahl ist 20 Meter lang und 1,50 Meter breit“, erläutert Wendig. Auf diesen Pfählen ruht später die Bodenplatte. Das Fundament entsteht im Herbst. 3000 Kubikmeter Beton werden in die Bodenplatte gegossen, damit sie dem Gewicht des Gebäudes standhält.
70 Meter hohe Kräne
Weithin sichtbar wird das Bauprojekt, wenn im Sommer zwei 70 Meter hohe Baukräne aufgestellt werden. Im Herbst sollen die Bäume des angrenzenden Platanenhains vorübergehend umgepflanzt werden, damit dort eine Tiefgarage gebaut wird. Nach deren Fertigstellung sollen die Platanen wieder auf die Decke der Garage zurückkehren. Der „Metropol“-Rohbau soll nach Abschluss der Fundamentarbeiten im kommenden Jahr angegangen werden. Bis Ende 2024 soll der Gebäudekomplex fertig sein. „Wir haben mit Hochtief einen guten, erfahrenen Partner“, sagt Projektentwickler Mertens. Er kennt die Skepsis zum „Metropol“-Projekt in Ludwigshafen und die teils offene Ablehnung. Doch der 59-Jährige ist davon überzeugt, dass der Komplex die Südliche Innenstadt aufwerten und beleben wird.
Hinter dieser Zuversicht steckt auch wirtschaftliches Interesse: Denn Timon Bau ist das Projekt angegangen, um es später an einen Investor weiterzuverkaufen, etwa einen Immobilienfonds. Das ist das übliche Vorgehen in der Branche. Die Gesamtkosten des Projekts wurden zuletzt auf 120 Millionen Euro beziffert. Ob diese Kostenschätzung noch aktuell ist, ließ Mertens ebenso offen, wie die Frage, ob er schon einen Käufer für das „Metropol“ an der Angel hat. „Das Projekt wird aufmerksam verfolgt“, sagt er lediglich.
Hotel als Ankermieter
Letzteres trifft auch auf die Stadtpolitik und die Bevölkerung zu, die bezweifeln, dass sich das „Metropol“ gut vermarkten lässt. Als Mieter sind laut Timon Bauregie im Erdgeschoss Ladengeschäfte und Gastronomie (Pizza- und Pastakette Osteria, Back-Factory) vorgesehen, darüber Büroflächen und ein Hotel. Im kleineren zweiten Turm sind Praxisflächen (unter anderem Zahnarzt Hondralis) geplant. Bekannt ist bisher ein großer Ankermieter: Die britische Hotelkette Premiere Inn wird im großen Turm neun Stockwerke belegen. Der Pachtvertrag für die Hotelflächen mit 200 Zimmern ist nach Angaben der Beteiligten über 25 Jahre geschlossen worden. Zu weiteren Mietern hat sich der Investor bisher ebenso wenig geäußert wie zu den aktuellen Kapitalgebern des Projekts. „Kein Kommentar“, sagt Mertens dazu. Fest steht, dass Timon mit der Vermietung der Flächen ein Karlsruher Immobilienmaklerbüro beauftragt hat. Gespräche liefen, sobald neue Verträge zustande kommen, werde informiert.
Zieht die Stadtverwaltung als Mieter doch noch ins „Metropol“? „Wenn Interesse besteht, kann man gerne auf uns zukommen“, sagt Mertens. Doch die Stadtratsmehrheit hat Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) dafür kein Mandat gegeben. Zu groß war der Frust über den jahrelangen Stillstand auf der Baustelle, wechselnde Finanziers, geänderte Pläne, verschobene Baustarts und das gigantische Loch im Herzen der Stadt. Nun scheint das Projekt nach sieben Jahren Fahrt aufzunehmen. „Wir liegen im Zeitplan. Das klappt!“, versichert Mertens und blickt zufrieden auf die Bagger, die in der Baugrube arbeiten.
Kommentar: Im „Loch“ tut sich etwas
Das „Metropol“-Projekt scheint endlich in Fahrt zu kommen. Ob es ein Erfolg wird, ist aber noch offen.
Wer einen Blick hinter den Bauzaun auf dem Berliner Platz wirft, kann sich davon überzeugen, dass hier eifrig an einer Baugrube gearbeitet wird. Das Areal ist wegen des Tiefbunkers kein einfacher Bauplatz. Umfangreiche zeitaufwendige Vorarbeiten sind nötig, bevor hier ein Fundament für den umstrittenen Hochhauskomplex entstehen kann. Das Unternehmen Hochtief ist bald soweit, dass es mit den eigentlichen Bauarbeiten für das „Metropol“ beginnen kann. Fest steht: Im „Loch“ tut sich etwas. Nach außen sichtbar wird das wohl erst im Herbst oder Winter. Doch bei vielen Bürgern herrscht weiter große Skepsis, ob das Projekt wirklich eine Bereicherung für Ludwigshafen sein wird.