Ludwigshafen
Menschen aus Ludwigshafen: Primož Lorenčak aus der Pfingstweide ist an vielen Stellen engagiert
Durch die BASF habe es ihn in die Pfingstweide verschlagen, erzählt der in Celje in Slowenien geborene Primož Lorenčak. In seiner Heimat hat er Chemie bis zum Diplom studiert, anschließend in Marburg promoviert. Zwei Jahre war er dann in den USA und hat sich von dort aus bei namhaften Chemieunternehmen wie Hoechst, Bayer und BASF beworben. „Ich habe Glück gehabt“, sagt der Chemiker, die BASF nahm ihn. Zunächst sei er mit seiner Frau Lenore und Sohn Izidor in einer Rückkehrer- und Urlauberwohnung des Chemiekonzerns untergekommen. Der zweite Sohn des Ehepaars Lorenčak wurde dann in Frankenthal geboren.
Engagierter Katholik
Für ein ausgefülltes Leben sorgten neben Arbeit und Familie schon immer seine ausgeprägten Hobbys. „An erster Stelle steht da das Pilgern“, verrät der praktizierende und engagierte Katholik, der in St. Albert in der Pfingstweide viele Jahre Vorsitzender des Pfarrgemeinderats war. Das habe er zwar erst nach seiner Pensionierung im Jahr 2016 entdeckt, es sei ihm aber das Wichtigste.
Die fünf Wochen Resturlaub, die er vor seiner Pensionierung nahm, nutzte er für eine Pilgerwanderung nach Santiago de Compostela. „Das hat mich gepackt“, erzählt er. Die lange Trennung von der Familie sei ihm aber doch schwer gefallen. Dashalb sei er später immer nur zwei Wochen unterwegs gewesen. So pilgerte er 2017 von Assisi nach Rom, dann von Porto in Portugal nach Santiago und im letzten Jahr von Florenz nach Assisi. „Beim Pilgern hat man Zeit nachzudenken über Gott und die Welt“, sagt er, und er sei immer alleine gelaufen.
Bis nach Glasgow laufen
Anders sei es beim Klimapilgern, an dem er sich seit 2018 regelmäßig beteilige. Vor zwei Jahren war er beim „Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ in der Lausitz dabei, im letzten Jahr ist er von Dortmund nach Bonn mitgelaufen. Bei dem Klimagipfel 2015 in Paris habe sich diese Bewegung gebildet. Auf ihren Pilgerwegen für Klimagerechtigkeit möchte sie auf die globalen Dimensionen des Klimawandels aufmerksam machen und zum Diskurs über Verteilungsgerechtigkeit und Lastenausgleich beitragen. In diesem Jahr werde die ökumenische Initiative vom Braunkohlerevier in der Lausitz durch Deutschland, die Niederlande und Großbritannien bis nach Glasgow, dem Austragungsort der UN-Klimakonferenz 2020, laufen.
Beim Bistum Speyer hat er die Ausbildung zum Multiplikator Globale Verantwortung gemacht. In dieser Funktion werde er von Gemeinden zu Vorträgen eingeladen. In der Pfingstweide spricht er am 15. März zur ökologisch-sozialen Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus. Da gehe es darum, dass wir Menschen unverantwortlich handeln und viele Probleme auf der Erde bereiten. Klimawandel, Vermüllung, Artensterben seien dazu die Stichworte. Und Primož Lorenčak bringt es auf den Punkt, wenn er die Bibelstelle mit dem „die Erde untertan machen“ nicht als einen Freibrief zur hemmungslosen, zerstörerischen Ausbeutung sondern eher als Aufforderung zur Hege und Pflege der Schöpfung betrachtet. Die Enzyklika von Papst Franziskus fordere von den entwickelten Ländern, dass sie Verzicht übten, damit sich auch andere entwickeln können.
Sprachbegabt ist er auch noch
Neben dem spirituellen wie ökologischen Engagement liebt Primož Lorenčak den Chorgesang. Er singt im Gemischten wie im Männerchor. „Von Madrigalen über Musicals, Klassik, Volkslieder, wir singen alles“, erzählt er. Und dann beschäftigt ihn auch sein drittes Hobby: das Sprachenlernen. „Wir Slowenen sind ein so kleines Volk“ erläutert er. Slowenien habe gerade mal etwas über zwei Millionen Einwohner. Diese Sprache erlerne niemand. „Da bleibt uns gar nichts anderes übrig, als Fremdsprachen zu lernen“, ist sein Fazit. So spreche er mittlerweile fließend Slowenisch, Deutsch und Englisch, auch einigermaßen Serbokroatisch. In der Schule hat er Französisch gelernt. Russisch kann er lesen und verstehen, aber mit dem Sprechen hapere es. Seine Leidenschaft fürs Pilgern gab ihm einen weiteren Ansporn, sich mit der italienischen und spanischen Sprache zu beschäftigen und jetzt auch mit Portugiesisch.