Ludwigshafen
Menschen aus Ludwigshafen: Dagmar Roth ist Fasnachterin aus Leidenschaft
Dagmar Roth organisiert und moderiert seit 22 Jahren die Damensitzung des Karnevalvereins Hans Warsch. Zuvor war sie 24 Jahre Gardemitglied, Stadtkommandeuse der Garden des Großen Rates und Ehrenstadtkommandeuse. Für ihr Engagement hat sie eine besondere Auszeichnung bekommen.
Dagmar Roth ist Fasnachterin aus Leidenschaft. Und das seit mehr als vier Jahrzehnten. Dafür wurde sie mit dem Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval in Gold, dem Goldenen Löwen mit Brillanten und dem Goldenen Anker des Großen Rates geehrt. „Meine große Leidenschaft für die Fasnacht ist erblich bedingt“, verrät die Oggersheimerin. Sie habe das Faschingsgen im Blut.
Der Ahnherr dieser Veranlagung sei ihr Opa Hans Mösler, der aus Köln stamme und vor dem Krieg dort bei den „Altstädter Köln“ aktiv war. „Wir sind mit der Kölschen Fasnacht und dem Millowitsch-Theater groß geworden“, erzählt Roth. Opa Hans hatte es nach Ludwigshafen verschlagen, wo er zuerst bei der Rheingönheimer Klotzgrumbeer und dann beim Oggersheimer KV Hans Warsch karnevalistisch aktiv war. Ihr Urgroßvater Lorenz Scheuermann saß 1925 – im Gründungsjahr des Vereins – im Elferrat. Und Papa Werner Roth war dort 30 Jahre lang Kassierer. 1974 wurde auch Dagmar Roth Mitglied. Die Neunjährige tanzte zunächst in der Kindergarde, danach in der Jugend- und Prinzengarde. Elf Jahre lang war sie Tanzmariechen.
Ausbildung zur Bankkauffrau
Im außerfasnachtlichen Leben ist Dagmar Roth seit 1985 – seit ihrer Ausbildungszeit als Bankkauffrau – ununterbrochen in der Geschäftsstelle der R&V Bank Rhein-Neckar in Maudach beschäftigt. „Das Bankgeschäft ist nicht so lustig wie die Fasnacht“, findet sie, doch auch die Fasnacht könne eine ernste Sache sein. Besonders wenn man sie in verantwortlicher Position betreibe. Das alles zu organisieren erfordere viel Einsatz.
Und diesen leistet sie seit 22 Jahren für die Damensitzung, die seit 43 Jahren alljährlich am Freitag vor dem Totensonntag in der Oggersheimer Festhalle stattfindet. „Schon ab September telefoniere ich alle letztjährigen Kartenbestellerinnen ab und frage ob sie wieder dabei sein wollten, oder ob es bei ihrer Kartenbestellung bleibt“, berichtet die Fasnachterin. Die Frage, ob das üblich sei, in der Zeit der Totenfeiertage so ausgelassen zu feiern beantwortet Roth mit dem Hinweis auf den 11.11. „Da beginnt für uns die Fasnacht“, erläutert sie.
Hütchen oder Federboa
„Bei unserer Damensitzung ist es schon immer so, dass im Publikum keine Männer sitzen dürfen“, verrät Roth. In der Küche, beim Ausschank, der Technik dagegen, da sei ihre Präsenz erlaubt und erwünscht. Die Damen sind auch nicht maskiert, sondern in angemessen festlicher Kleidung, trügen vielleicht ein originelles Hütchen oder eine Federboa. „Unsere Sitzung bleibt auch sauber“, betont Dagmar Roth. Man habe keine Stripper auf der Bühne, auch keine primitiv sexistischen Anzüglichkeiten bei den Vorträgen.
Im Gegensatz zu ihrer Schwester Sabine, die seit 32 Jahren das Amt der Schriftführerin des KV Hans Warsch bekleidet hat Dagmar Roth kein offizielles Amt mehr. „Ich habe so exzessiv Fasnacht gemacht, dass ich mir gesagt habe, ich ziehe mich davon zurück“. Allerdings ist sie Revisor, hält ihrer Schwester Sabine in ihrem Amt den Rücken frei, hilft auch gerne in der Küche. Auch moderiert sie den Fasnachtsempfang der VR Bank Rhein-Neckar für die Ludwigshafener Karnevalvereine.
Vater-Tochter-Zeit beim Straßekehren
Neben all dem nimmt sie sich gerne Zeit für Spaziergänge mit ihrem Mann Axel, ist sie in der Wohnanlage in Oggersheim-West ehrenamtliche Verwaltungsbeirätin. „Was mir ganz besonders viel Spaß macht, ist mit meinem 88-jährigen Vater am Samstag die Straße zu kehren und den Garten zu machen“, bekennt die 54-Jährige. „Da haben wir unsere Vater-Tochter-Zeit.“ Der Papa dürfe auf seine Töchter stolz sein, findet Roth. Drei sind es an der Zahl, neben Dagmar und Sabine auch Beate, alle drei Fasnachterinnen, die unter den anderen Narren als die „Rothe Mädle“ aus dem „Dreimädlehaus“ bekannt sind.