Ludwigshafen
Menschen aus der Stadt: Warum Mladen Svoboda an Wunder glaubt
Die Svobodas haben schon außerordentliche Dinge erlebt, die sie nicht mit dem Begriff Zufall erklären wollen. Da war einmal der Abendspaziergang, bei dem beide gleichzeitig die Überlegung äußerten, dass Mladen Svoboda doch neben dem Beruf noch Theologie studieren könnte. Damals war der 1951 im kroatischen Nova Gradiska geborene Svoboda schon ein gestandener Familienvater mit einer Lebensstellung bei der BASF. Doch gesagt, getan. 1994 wurde er nach einem sechsjährigen Fernstudium als Diakon geweiht und ist seitdem als ebensolcher im Nebenamt tätig.
Noch eindrucksvoller war das „Schokoladenwunder“. Es begann auf dem Weg zur Ehrung von Svobodas Cousin, der sich als Künstler und Diplomat um seine Heimat verdient gemacht hatte. Zu Beginn der Reise hatte das Ehepaar Geschenke gekauft. Er einige Flaschen Wein, sie Schokolade. Dabei hatte sie intuitiv kräftig zugegriffen. „Der ganze Boden vom Einkaufswagen war mit Schokoladentafeln bedeckt“, erinnert sie sich. Dann in Kroatien, nach dem missglückten Besuch bei gerade verreisten Verwandten: Wohin mit der Schokolade? Per Google war schnell ein Kinderheim ausgemacht, das die Eheleute damit beglücken wollten. Dort angekommen, erzählte man Elfriede und Mladen Svoboda eine erstaunliche Geschichte.
25 Straßenkinder, 25 Tafeln Schokolade
Am Morgen hätten die Schwestern darüber geklagt, dass sie zum eben an diesem Tage gefeierten Namenstag der Schutzpatronin ihres Hauses keine Geschenke für die Kinder hätten. Es waren 25 Kinder, die ohne eine kleine Liebesgabe das Fest hätten feiern müssen. Und es waren 25 Tafeln Schokolade, die Elfriede Svoboda drei Tage zuvor in Deutschland in ihrem Kaufrausch eingeladen hatte. „Das ist kein Zufall“, findet sie, sondern ein Fingerzeig Gottes. Und so entstand eine innige Verbindung zwischen ihnen und dem Heim für die Straßenkinder, die mittlerweile die gesamte kroatischen Gemeinde in der Metropolregion mitträgt.
Er habe schon immer in katholischer Tradition gelebt, erzählt der Diakon. Allerdings, früher, im kommunistischen Kroatien, war seinen Eltern – beide waren Lehrer im öffentlichen Dienst – das Bekenntnis zur Religion unmöglich. 1971 kam es in Jugoslawien zu Unruhen, die der Staat mit harter Repression beantwortete. In dieser Situation entschlossen sich die Eltern, nach Deutschland zu flüchten. So kamen sie nach Frankenthal und wurden als politische Flüchtlinge anerkannt.
Musikstudium an den Nagel gehängt
Zuvor hatte Mladen Svoboda in Zagreb noch sein Abitur gemacht und ein Musikstudium begonnen. Das Abitur musste er nun in Deutschland mit wenigen Sprachkenntnissen wiederholen. Ein Musikstudium stand nun nicht mehr zur Debatte. Nun musste was Handfestes erlernt werden. So begann er in Mainz ein Chemiestudium. Damit konnte er später in der BASF Fuß fassen und bis zu seiner Pensionierung dort zu arbeiten.
„Ich bin schnell ein Deutscher geworden“, erzählt er. Meine Urgroßeltern sind aus der Slowakei nach Kroatien gekommen und gute Kroaten geworden. „Ich bin nach Deutschland gekommen, um ein guter Deutscher zu werden.“ Auch versuche er seit 50 Jahren, ein guter Pfälzer zu werden, doch der Dialekt macht ihm immer noch zu schaffen.
300 Gläubige besuchen die Gottesdienste
Der gelebte Glaube spielte immer eine wichtige Rolle in Svobodas Leben. 23 Jahre war er in Frankenthal aktiv, meist in St. Jakobus. Pfarrgemeinderat, Kolpingfamilie und Kirchenmusik waren seine Domäne. Sogar eine kroatische Messe hat er komponiert.
Nun liegt sein Schwerpunkt seit drei Jahren in der Gartenstadt. Als Diakon in der Kroatischen Mission betreut er von St. Hedwig in der Ernst-Reuter-Siedlung ein Gebiet das sich bis nach Kaiserslautern und Homburg erstreckt. „Zu den Gottesdiensten kommen gut 300 Gläubige“, freut sich der Diakon, der sich gemeinsam mit Pater Slavko Antunovic um die Gläubigen kümmert.
Spenden sammeln für das Kinderheim
Nach dem schweren Erdbeben, das am 22. März Zagreb erschütterte, wurde das Hauptgebäude beschädigt und dort verbauter Asbest freigesetzt. Die Kinder mussten notdürftig in einem Nebengebäude untergebracht werden. Die Schwestern stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Knapp 80.000 Euro sind für die dringendsten Arbeiten nötig. Diese Summe übersteigt jedoch die Möglichkeiten der Kroatischen Mission. Daher will Diakon Svoboda nun Spenden sammeln. Damit das Haus bis zum Wintereinbruch saniert werden kann. Vielleicht hilft ihm auch dabei wieder ein kleines Wunder.