Ludwigshafen „Meine Frau wartet schon auf die Wurst“

91-72891029.jpg

„Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche in der Stadt unterwegs auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Gestern haben wir in Maudach Arno Walter (84) getroffen. Der Ex-Polizist ist gebürtiger Rheingönheimer, wohnt aber seit 57 Jahren im Sauerland.

Entschuldigung, aber was für ein Kennzeichen ist denn „HSK“?

HSK steht für den Hochsauerlandkreis. Da komme ich her. Und Sie sind extra für die Maudacher Kerwe hierher gekommen? Nein, natürlich nicht. Ich komme etwa fünfmal im Jahr nach Ludwigshafen und in die Vorderpfalz, um Pfälzer Wein und Wurst zu kaufen. So etwas gibt es nämlich im Sauerland nicht. Ich komme praktisch immer, wenn Wein und Dosenwurst leer sind. Da geht nix über die Pfalz! Aber gerade in Sachen Wurst kann doch auch das Sauerland mithalten. Nein. In der Pfalz gibt es einfach Spezialitäten, die sie dort oben gar nicht kennen. „Quellmänner und Hausmacher“ zum Beispiel, oder auch „Dampfnudeln mit Quetschekuche“, oder auch Kartoffelsuppe – das ess’ ich für mein Leben gerne und meine Frau mittlerweile auch, wenn ich für sie koche. Wie hat es Sie denn ins Sauerland verschlagen? Ich bin durch den Polizeidienst nach Nordrhein-Westfalen gekommen. Ich wurde noch 1945 in Rheingönheim konfirmiert, und kurz danach hatte ich meinen polizeilichen Eignungstest in Neustadt. Der ging über drei Tage, aber ich habe mich offensichtlich so gut angestellt, dass sie mich genommen haben. Von dort ging es an die Polizeischule in Münster, wo wir wirklich geschliffen wurden. Das war eine harte, aber auch eine schöne Zeit. Und dann war ich zunächst bei der Autobahnpolizei in Köln, ehe ich 1958 ins Hochsauerland versetzt wurde. Und gerade, als ich mich wieder zurück nach Rheinland-Pfalz versetzen lassen wollte, und auch schon Kontakt mit dem Innenministerium hatte, habe ich meine Frau kennengelernt und bin dort geblieben. Und trotzdem zieht es Sie immer wieder in die Pfalz zurück? Selbstverständlich! Allerdings hat sich die Pfalz ganz schön gemausert, seit ich von hier weg bin. Damals war das schon ziemlich hinterwäldlerisch. Aber heute ist es keine Übertreibung, wenn ich die Pfalz als die Toskana Deutschlands bezeichne. Das bestätigen mir auch meine Kollegen und Bekannte aus dem Sauerland, denen ich immer wieder empfehle, die Pfalz zu besuchen. Die kommen alle begeistert zurück. Haben Sie noch Verbindungen nach Ludwigshafen? Aber ja. Wir haben in Rheingönheim noch einen Stammtisch mit den Schulkameraden. Außerdem habe ich damals auch bei der Arminia gespielt und kenne auch noch Leute von dort, mit denen ich mich treffe. Außerdem ist es schön, wenn man weiß, dass man auch nach dieser langen Zeit nicht vergessen ist. Und welche Kontakte pflegen Sie heute noch? Keinen mehr. Von hier geht es direkt auf die Autobahn. Das sind einfach 280 Kilometer, also gut drei Stunden Fahrtzeit. Und meine Frau wartet zu Hause schon auf die Wurst.

x