Ludwigshafen Mehr Zeit, weniger Bürokratie

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Hinter der Abkürzung Balu verbirgt sich seit 2008 der Bund ambulanter Pflegedienste in Ludwigshafen. Damals haben sich private und städtische Pflegedienste zusammengeschlossen, um gemeinsam Lösungen zum Beispiel für den Fachkräftemangel oder die steigende Anzahl von Pflegebedürftigen zu erarbeiten. Das Modell hat sich nach Ansicht der neun beteiligten Betriebe inzwischen bewährt.

Ludwigshafener Pflegedienste, die im Balu per Kooperationsvertrag verbunden sind, haben ein gemeinsames Ziel: „Wir wollen die Bürger mit hochwertiger Pflege versorgen“, sagt die Vorsitzende Sabine Pfirrmann, die auch die Ökumenische Sozialstation Ludwigshafen mit über 200 Mitarbeitern und täglich 900 Patienten leitet. So gesehen ist die Mitgliedschaft eines Pflegedienstes in dem Bund auch ein Qualitätsmerkmal für die Kunden und kann dabei helfen, den am besten passenden Pflegedienst für die Versorgung eines Partners oder Familienmitglieds in den eigenen vier Wänden zu finden. Mit im Boot sind große Dienste wie die Ökumenische Sozialstation oder auch die DRK Altenhilfe Vorderpfalz, sowie Cura Beierlein, einer der ältesten privaten Pflegedienste in Ludwigshafen, Meine Hilfe oder auch Malu. Alle vier bis sechs Wochen treffen sich die Pflegedienstleitungen oder Geschäftsführer, um die aktuellen Probleme im Pflegesystem zu besprechen. Einmal jährlich findet zudem eine Klausurtagung statt. Das sei einmalig in Rheinland-Pfalz, sagt Sabine Pfirrmann. Für Astrid Beierlein, Geschäftsführerin von Cura Beierlein in Oppau, ist „Pflege ein ganz zentrales Problem in der Gesellschaft“. Die ambulanten Dienste müssten sich gut mit Ärzten vernetzen und Qualitätsrichtlinien erarbeiten. Außerdem gehe es darum, politisch wahrgenommen zu werden, um die Interessen der Patienten, aber auch der Pflegedienste und ihrer Mitarbeiter etwa mit Blick auf Gesetzgebungsverfahren zu vertreten, betont Beierlein. Neue Pflegedienste in der Stadt können dem Bund nicht einfach beitreten. Vielmehr müssen diese Unternehmen zunächst verschiedene Qualitätskriterien bei ihrer Arbeit erfüllen und beweisen, dass die aktiv bei Balu mitarbeiten wollen. „Schließlich wollen wir für die gute Pflege in Ludwigshafen geradestehen“, sagt die Vorsitzende Pfirrmann. Das drängendste Problem ist für alle Pflegedienste derzeit der Fachkräftemangel bei den Pflegekräften. Nur über die Ausbildung sei der Personalbedarf längst nicht mehr zu decken, beklagen alle Führungskräfte. Damit es nicht zu größeren Engpässen in der Versorgung der Patienten kommt, sind die Betriebe im Balu im guten Kontakt mit den niedergelassenen Ärzten und den Krankenkassen. Trotzdem gebe es punktuelle Lücken, räumen die Führungskräfte ein. 90 bis 95 Prozent der Patienten seien derzeit versorgt, schätzen sie. Grundsätzlich fordern alle Pflegedienste mehr Zeit für den einzelnen Patienten, mehr Kompetenzen für ihre hoch qualifizierten Mitarbeiter und weniger Bürokratie. Die Gesellschaft ist ständig im Wandel, stellen die Fachkräfte bei ihrer täglichen Arbeit fest. Heute gibt es deutlich mehr alleinlebende Menschen, mehr psychisch Kranke, auch infolge von langjährigem Drogenkonsum, oder mehr ältere Menschen mit starkem Übergewicht. Auch darauf müssen sich die Pflegedienste einstellen und die speziellen Interessen dieser Randgruppen gegenüber Institutionen und Geldgebern vertreten. Für die Balu-Vorsitzende Pfirrmann ist klar: „Die Kooperation im Balu stärkt die Pflegedienste nach innen und nach außen.“

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