Ludwigshafen Mehr Fälle von psychisch Kranken

Zwei KVD-Mitarbeiter auf Streife in der Innenstadt. Ihre Uniformen ähneln denen der Polizei
Zwei KVD-Mitarbeiter auf Streife in der Innenstadt. Ihre Uniformen ähneln denen der Polizei
Was sind die häufigsten Einsätze?

Im vergangenen Jahr sind die Mitarbeiter des Vollzugdiensts 11.250 Mal im Einsatz gewesen. Das sind im Schnitt rund 31 Einsätze pro Tag. Dies geht aus der nun von der Stadtverwaltung vorgelegten Einsatzstatistik hervor. Der KVD griff 2650 Mal ein, wenn gegen Verordnungen für den öffentlichen Raum verstoßen wurde. Dazu zählen etwa Verstöße gegen das Alkohol- oder Glasflaschenverbot auf dem Berliner Platz, gegen das Rauchverbot auf Grünflächen oder Spielplätzen sowie gegen die Anleinpflicht für Hunde. Auf Platz zwei der Einsatzstatistik liegen Beschwerden wegen Lärms (1300 Fälle). Auf Rang drei liegen Einsätze wegen psychisch Kranken, von denen eine Gefahr für sich oder Dritte ausgeht, und die in Kliniken eingewiesen werden. Die KVDler müssen die Transporte übernehmen. Das war im vergangenen Jahr in 1061 Fällen notwendig. Bei 670 Kontrollen leistete der KVD Amtshilfe, wenn Polizei und Gewerbeaufsicht Gaststätten kontrollierten. 185 Mal registrierten die Streifen illegale Müllablagerungen. Was hat sich geändert? Vor allem die Einsätze wegen Menschen in psychischen Ausnahmesituationen steigen von Jahr zu Jahr. Waren es 2005 noch 180 solcher Fälle, ist im vergangenen Jahr die Marke von 1000 Einsätzen geknackt worden. Die Gründe sind Alkohol- und Drogenmissbrauch, aber auch viele Fälle von Schizophrenie, einer psychischen Erkrankung, die unter anderem zu Wahnvorstellungen und Störungen des Denkens und Fühlens führt, wie Martin Graf, Bereichsleiter Öffentliche Ordnung, erläutert. Das Problem: Die Einsätze sind sehr zeitaufwendig, dauern mehrere Stunden und binden viel Personal, das dann an anderer Stelle fehlt, sagt KVD-Chef Peter Sebastian. Hinzu komme, dass die Einsätze sehr belastend seien. Reicht das Personal aus? Der KVD hat vor 20 Jahren mit 23 Stellen angefangen. Das Personal ist 2018 auf 40 Stellen aufgestockt worden, von denen bis jetzt 33 besetzt worden sind. Bis Jahresende soll die volle Stärke erreicht werden. Die Besetzung erfolgt schrittweise, weil umfangreiche Schulungen nötig sind, sagt der fürs Ordnungsamt zuständige Dezernent Andreas Schwarz (SPD). „Wir können die Einsätze bewältigen“, sagt Bereichsleiter Graf. Es seien immer Zweier-Teams auf der Straße. Zwei Streifen decken das Stadtgebiet ab. Die Einsätze erhalten eine Priorität nach Gefährdungsgrad, das heißt konkret: Psychisch Kranke haben Vorrang vor Lärmbelästigungen. Ist die Ausrüstung ausreichend? Die KVDler verfügen über Schutzwesten, Pfefferschaum, Handfesseln und Schlagstöcke. In manchen Fällen hätten die Beamten auch gerne eine Elektroschockpistole, um einen Tobenden ausschalten zu können. Das darf jedoch nur die Polizei. Das Land hat bisher keine Taser-Erlaubnis für die Kommunen gegeben. „Dabei haben wir das gleiche Klientel wie die Polizei“, sagt Bereichsleiter Graf. Ebenfalls versagt wurden dem KVD Blaulicht und Sirene für die Einsatzfahrzeuge. Wo sind die häufigsten Einsätze? In der Innenstadt – in Mitte/Süd sowie Nord/Hemshof und West. Dort fallen mit rund 6000 Einsätzen mehr als die Hälfte des Jahresaufkommens an. Grund: Dort leben die meisten jungen Menschen, die Kneipendichte ist höher und es gibt ein Nachtleben. Die wenigsten Einsätze (175) gab es in Ruchheim. Termin Der KVD informiert am Donnerstag, 13. Juni, 15 bis 17 Uhr, an einem Stand auf dem Berliner Platz über seine Arbeit.

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