Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Marode Pilzhochstraße: Ab 17. August wird das größte Bauwerk abgerissen

Die Bagger arbeiten die Schuttberge ab, der Asphalt auf dem Bauwerk 167 ist bereits abgefräst. Es wird ab 17. August abgerissen.
Die Bagger arbeiten die Schuttberge ab, der Asphalt auf dem Bauwerk 167 ist bereits abgefräst. Es wird ab 17. August abgerissen.

Fast die Hälfte der 500 Meter langen Pilzhochstraße ist mittlerweile aus dem Stadtbild verschwunden. Am 14. September sollen Straßenbahnen wieder den Berliner Platz anfahren können. Das kündigten Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und Tiefbauamtsleiter Björn Berlenbach am Dienstag an. Die Weiße Hochstraße muss nicht abgerissen werden, aber ihre Sanierung wird wohl sehr teuer.

Weil das Gleisbett durch die bisherigen Abrissarbeiten stärker als erwartet in Mitleidenschaft gezogen und beschädigt worden ist, sei ein früherer Termin für den Start des Straßenbahnverkehrs nicht möglich, erklärten Steinruck und Berlenbach die etwa zweiwöchige Verzögerung. Ein paar Tage vor den Bahnen sollen Autos und Busse den monatelang gesperrten Innenstadtbereich zwischen Mundenheimer Straße und Berliner Platz passieren können. Für Fußgänger ist er seit 8. Juli wieder geöffnet. Die Tiefbauabteilung der Stadt habe bereits Verkehrsampeln montiert. Die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) werde die Oberleitungen für die Bahnen installieren, sobald die Gleisschäden behoben sind. Wie lange dies dauere, hänge davon ab, wie aufwendig die Reparaturen seien. Durch die Last der tonnenschweren Baumaschinen und des Schutts hätten sich die Gleise etwas gesetzt. In diesem Zustand könnten die Bahnen aus Sicherheitsgründen nur im Schritttempo darauf fahren. .

Stütztürme werden verschoben

„Es tut sich einiges, es geht gut voran, die Brücke wird zusehends kleiner“, sagte OB Steinruck bei der Videokonferenz, die auch der neue Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) an seinem 53. Geburtstag verfolgte. Nachdem das 90 Meter lange Bauwerk 168 in Höhe des Platanenhains seit Freitag abgetragen ist, werden die mächtigen Stütztürme unter die nächsten Bauwerke in westlicher Richtung zur Berliner Straße hin verschoben. Wenn der jetzt angefallene Schutt getrennt und entsorgt ist, wird mit dem Bauwerk 167 das größte Trassenstück in Angriff genommen. Es befindet sich in Höhe des Q-Park-Parkhauses und des Aldi-Markts und ist ebenfalls 90 Meter lang, aber wegen der dazugehörigen Abfahrtsspuren breiter als alle anderen der insgesamt zehn Bauwerke. Die Abrissarbeiten für diesen Abschnitt sollen Berlenbach zufolge am 17. August starten.

Damit die Abrissarbeiten nicht mit dem Neubau einer Kita auf einem ehemaligen Spielplatz direkt neben der Pilzhochstraße (Ecke Wörth- und Berliner Straße) kollidieren, soll das Kita-Außengelände mit Klettergerüsten und Rutschen erst im Oktober angelegt werden. Spätestens Ende des Jahres werde die dreistöckige Einrichtung aber fertig sein, versicherte Berlenbach.

Abfahrt des Schutts dauert eine Woche

Mit Elektromagneten ausgestattete Bagger trennen derzeit in den Schuttbergen, die beim Abriss der 168er-Bauwerks entstanden sind, Metallschrott von Beton. Das Abfahren des Materials werde etwa eine Woche in Anspruch nehmen. Danach werde der Abriss des 167er-Bauwerks vorbereitet. Erste Arbeiten seien schon erledigt worden. So sei der Asphalt bereits abgefräst. Jetzt müsse noch das Granulat von dem Trassenstück entfernt werden. „Die Arbeiten laufen reibungslos“, so Berlenbach. „Das wird jetzt in den nächsten Wochen alles ein bisschen unspektakulärer“, ergänzte Steinruck. Die Abrissfirma Moß habe ihren Rhythmus gefunden.

„Geordnete Generalsanierung“

Nicht abgerissen werden muss die wegen ihrer Farbgebung so genannte Weiße Hochstraße. Sie ist 950 Meter lang und verbindet die marode und seit 22. November als einsturzgefährdet klassifizierte Pilzhochstraße mit der Pylonbrücke. Berlenbach sprach von einer den üblichen Standards entsprechenden „geordneten Generalsanierung“, für die laut Steinruck allerdings „eine größere Summe im Raum“ stehe. „Das sind sicher mehr als zwei Euro“, meinte die OB scherzhaft. Der Sanierungsbedarf sei den ersten Ergebnissen der Nachberechnungen zufolge höher als angenommen, aber eben nicht so gravierend, dass dieser Brückenabschnitt komplett zurückgebaut werden müsse.

Sondersitzung des Stadtrats

Details zum Schadensbild sowie zu den Kosten will die Stadtspitze bei einer Sondersitzung des Stadtrats am 21. September verkünden. „Wir müssen die Weiße Hochstraße fitmachen für die Zukunft“, sagte Berlenbach. „Wir versuchen natürlich, den Sanierungsaufwand weiter zu reduzieren“, sagte er zu den Untersuchungen. Die Arbeiten sollen möglichst „in einem Aufwasch“ mit dem am 11. Juni begonnenen Teilabriss der Hochstraße Süd erledigt werden. Letzterer soll – wie geplant – im Oktober abgeschlossen sein. „Wir sind optimistisch, dass das funktioniert“, sagte Berlenbach.

Der reine Abriss der Pilzhochstraße kostet 15 Millionen Euro, für den Ersatzneubau, der 2025/26 stehen soll, ist ein dreistelliger Millionenbetrag veranschlagt.

Einwurf: Der nächste Brocken

Die Sondersitzung des Stadtrats am 21. September dürfte brisant werden. Denn dann soll endlich auf den Tisch gelegt werden, wie umfangreich die Sanierung der Weißen Hochstraße wird – und vor allem: was sie kostet. Die Andeutung der OB, dass es sich um eine größere Summe handelt, lässt darauf schließen, dass die Stadt auch dafür einige Millionen Euro in die Hand nehmen muss. Weil’s beim Teilabriss der Südtrasse aktuell ziemlich reibungslos läuft, ist die Frage nach der Finanzierung und die Debatte darüber etwas in den Hintergrund geraten. Sie dürfte wieder aufflammen, wenn klar ist, wie hoch der Aufwand tatsächlich ist. Sehr hoch, ist zu befürchten.

Auch ein Sanierungsfall: die Weiße Hochstraße. Sie verbindet die Pilzhochstraße mit der Pylonbrücke.
Auch ein Sanierungsfall: die Weiße Hochstraße. Sie verbindet die Pilzhochstraße mit der Pylonbrücke.
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