Ludwigshafen
Mannheimer Popakademie gastiert mit Musikprojekt an Realschule in Ludwigshafen
Aus der Aula der Adolf-Diesterweg-Realschule plus in Oggersheim dringen einzelne Töne und Tonabfolgen, die unablässig wiederholt werden. Daraus soll später die Band-Begleitung zu dem Max Giesinger-Lotte-Titel „Auf das, was da noch kommt“ entstehen. Doch was ist hier eigentlich los? Popmusik statt Rechenaufgaben? Die Antwort ist schnell gefunden: Das musikpädagogische Förderprogramm der Popakademie „Pop macht Schule“ ist auf Stippvisite.
Für zwei Tage steht Popmusik auf dem Lehrplan einiger ausgesuchter Klassen. Studenten der Popakademie Mannheim schlüpfen dabei in die Rolle von Lehrern. „Bei „Pop macht Schule“ sind es unsere Studenten, die den Schülern die Tür zum Musik-Kosmos aufschließen können“, erklärt Axel Schwarz.
Gymnasien sind nicht mit im Boot
Der Professor ist der künstlerische Leiter des musikpädagogischen Projekts der Popakademie, das im Jahr 2005 in Zusammenarbeit mit der BASF ins Leben gerufen wurde und Maßstäbe auf diesem Gebiet setzte. Wie in den vergangenen Jahren konnten sich bestimmte Schulformen, von Werkrealschulen über sonderpädagogische Einrichtungen bis hin zu berufsbildenden Schulen, bewerben.
„Wir haben festgestellt, dass diese Schultypen mehr profitieren“, informiert Ulrike Sieler, Projektbeauftragte der Popakademie. Gymnasien seien in der Regel musikalisch besser aufgestellt und daher ausgenommen. Mit rund 40 Bewerbungen von Schulen aus der Metropolregion Rhein-Neckar sei das Interesse erneut hoch gewesen. „Wir würden uns über mehr Bewerbungen aus Hessen freuen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind gut etabliert“, sagt Sieler.
Enormes Motivationspotenzial
Christian Roos, Musiklehrer der Adolf Diesterweg-Schule, der „Pop macht Schule“ in diesem Jahr wieder nach Ludwigshafen geholt hat, ist begeisterter Fan des musikpädagogischen Projektes, das im Jahr 2009 mit dem Landeslehrpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. „Ich bin mir sicher, die Schüler werden am Ende der zwei Tage Stolz auf ihre Leistungen sein“, sagt er und zielt wohlwissend auf das enorme Motivationspotenzial ab. „Für mich stellt das Projekt eine große Entlastung dar, den Schülern erste Handgriffe am Instrument zu zeigen. Wenn jeder Mal ans Schlagzeug wollte, bräuchte ich gute Nerven und viel Zeit“, fährt er grinsend fort. Das Selbstmusizieren besitze zudem eine ganz andere Qualität für den Hobby-Posaunisten. Eine Erfahrung, die er seinen Schülern wünscht.
Ein Kurzbesuch im Musiksaal, in dem der Workshop „Meet the Band 2“ die Melodie des Apache-Songs „Wieso tust du dir das an“ einstudiert, zeigt fokussierte Schüler. Zufriedenheit legt sich auf das Gesicht des Musiklehrers, seine Schüler seien kaum wiederzuerkennen. Das gleiche Bild offenbaren die anderen Workshops, wie beispielsweise ein Stockwerk höher der „Sing-Along 2“ Workshop, der den passenden Liedtext vermittelt. Selbstredend, dass der Ludwigshafener Rapper Apache hier Heimvorteil genießt.
Wie ein Wunder
„Pop macht Schule“ ist ein Förderprogramm, bei dem beide Seiten profitieren – sowohl Schüler als auch Studierende“, erklärt Schwarz. Schüler, die bei Projektbeginn das erste Mal ein Instrument in den Händen halten, seien am Ende in der Lage, vereinfachte Melodien zu spielen. Klingt wie ein Wunder? „Mit Popmusik kann man viele gute Dinge bewegen, Kernkompetenzen ausbilden, die man in jedem Job braucht“, hebt Schwarz die wundersame Kraft der Popmusik hervor.
Da „Pop macht Schule“ in den allgemeinen Studienbetrieb an der Popakademie eingebettet ist, können die Nachwuchskünstler als sogenannte Coaches, also als Musikvermittler, unter realen Bedingungen wichtige pädagogische Erfahrungen sammeln. Der Popmusikdesign-Student Lukas Brehm ist einer der fünfzehn Studenten an diesem Tag. Er erklärt erste Handgriffe am Bass. „Dass Schüler, die noch nie ein Instrument in der Hand hatten nach wenigen Stunden sich für das Musikmachen begeistern und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen“, ist für ihn der größte Benefit des Projekts.
Harmonischer Pop-Groove
Rund zwei Stunden später weicht das anfängliche Tongewirr in der Aula bereits einem angenehm harmonischen Pop-Groove. Errötet-angestrengte Bäckchen der Schüler verkünden vom Lerneifer, das Strahlen in den Augen von den Lernerfolgen. Die 16-jährige Emelie aus dem Sing-Workshop würde das Ganze am liebsten sofort in den regulären Unterrichtsplan integrieren.