Mannheim
Maimarkt eröffnet: „So voll war es schon lange nicht mehr“
„Der Maimarkt ist der Turbo für die Wirtschaft der Region“, erklärte Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) zur Eröffnung der mittlerweile größten deutschen Verbrauchermesse. Die Signale dafür stehen offensichtlich gut. Rund 22.000 Besucher kamen zum Start am Samstag.
Mit dabei waren auch Karl-Heinz Sommer und seine Ehefrau Christine. „Wir sind seit Jahren am ersten Tag hier, und ich habe den Eindruck, dass es schon lange nicht mehr so voll war“, erklärte der Rentner aus Mannheim. Besondere Ziele hatte er nicht. „Wir sehen mal, was es alles Neues gibt, und treffen uns mit Freunden“, nannte er als Beweggrund für den traditionellen Besuch. „Ein Mannheimer geht einfach auf den Maimarkt. Hier trifft man sich!“ Egal ob alte Schulfreunde, ehemalige Nachbarn, Arbeitskollegen oder auch alte Sportkameraden – auf dem Mühlfeld kommen alle zusammen.
Sammler zeigt alte Kutschen
Neu ist in diesem Jahr zunächst einmal der kleine Auszug aus der privaten Kutschensammlung von Heinz Scheidel. „Solche Kutschen habe ich als Kind noch fahren sehen“, erinnerte sich Besucher Kurt Schnabel aus Mutterstadt mit Blick auf den weißen Eiswagen der Ludwigshafener Eisfabrik, der von der großen Blies aus Stangeneis transportiert hatte. „Das ist die letzte noch existierende Kutsche“, hatte Scheidel bei der Presserunde im Vorfeld verraten, und Kenner wissen, dass in seiner Sammlung noch viele weitere solcher Schätze lagern. Entsprechend froh war Veranstalterin Stefany Goschmann, dass sie den Sammler nach vielen Jahren überzeugen konnte, den winzigen Ausschnitt seiner Kleinode mit den Maimarkt-Besuchern zu teilen.
Gleich gegenüber führten Ulrike Ginkel und der Vorsitzende Karlheinz Schneider vom Badischen Blindenverein die Besucher in die Welt mit Sehbehinderung und den Umgang mit dem Langstock ein. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Führstreifen immer frei bleiben“, verwiesen beide auf die Bedeutung des Profilpflasters, das gerade in der Innenstadt leider immer wieder zugeparkt oder von Geschäftsmöblierung vollgestellt sei.
Regionale Produkte im Zentrum
Auch diese Betroffenen könnte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, gemeint haben, als er bei der Eröffnung den Wunsch äußerte: „Mögen die Impulse des Maimarktes aufgehen.“ Er hatte aber natürlich zunächst einmal die Innovationen in der Landwirtschaft vor Augen und hofft auf die Besinnung der Kundschaft auf regionale Produkte.
Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) schloss sich diesem Wunsch an: „Die Landwirtschaft war noch nie so wertvoll wie heute!“ Er wünscht sich von den Menschen im Land, „dass sie das Essen nicht nur zum Sattwerden, sondern auch als Genuss der regionalen Qualität begreifen.“ Die habe außerdem einen großen Vorteil: „Regionale Produkte sind alle zollfrei“, scherzte Oberbürgermeister Specht, ehe die geladenen Gäste zum traditionellen Rundgang aufbrachen.
41 Ausstellungshallen
Dabei hätten sie auch Patrick Groetzki treffen können. Der Kapitän der Rhein-Neckar Löwen kam gerade von einem Sponsorentermin des Handballbundesligisten, nutzte im Anschluss die Zeit ebenfalls noch für einen Bummel durch die 41 Ausstellungshallen und über das Freigelände. Hier waren im Übrigen die beliebtesten Treffpunkte, denn zumindest die regionalen Brauereien laden mittlerweile unter freiem Himmel zum Getränk.
Nicht nur alte Schulkollegen trafen sich hier. Auch ehemalige und noch immer aktive Aussteller verbrachten hier ihre Pause, brachten sich auf den neusten Stand von Klatsch und Tratsch im jeweiligen Fachgebiet. Und man konnte hier auch schon die ersten Errungenschaften präsentieren. Natürlich nur die kleineren Einkäufe. „Für Großanschaffungen kommen Besucher oft mindestens zwei Mal“, weiß Stefany Goschmann aus jahrelanger Erfahrung. „Beim ersten Mal lässt man sich beraten, beim zweiten Mal wird bestellt.“ Aber auch lange Beratungsgespräche machen durstig. Und lange Wanderungen über das weitläufige Gelände sowieso.
Entspannter haben es eigentlich nur die Bewohner der Tierlehrschauen. Geduldig und fast ein wenig gelangweilt ließen sich die Vierbeiner bewundern. Zu direktem Besucherkontakt kommt es durch einen neuen Sicherheitsabstand nicht mehr. Aber auch das ist der Maimarkt 2025.