Ludwigshafen „Möchte von Musik niemals gelangweilt sein“

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Katie Melua wurde mit dem World Music Award ausgezeichnet und als erfolgreichste Künstlerin Europas geehrt. Auf ihrer diesjährigen Sommertournee, die sie auch nach Mannheim führt, singt die 31-jährige Wahl-Londonerin schlichte, aber ergreifende Popsongs, durch die Blues, Jazz und Folk schimmert. Bereits im Herbst kommt sie wieder und lässt sich dann von einem georgischen Frauenchor begleiten. Ein Gespräch über Burn-out, Beziehungen und Heavy Metal.

Katie Melua, was erwartet die Besucher Ihrer Sommerkonzerte?

Ein unbeschwertes, vergnügliches Programm passend zur Jahreszeit. Ich singe einige meiner Klassiker wie „Nine Millions Bycycles“ und „The Closest Thing to Crazy“. Was aber diesmal anders ist, ist die Band. Normalerweise habe ich einen Lead-Gitarristen, einen Bassisten, einen Keyboarder und einen Schlagzeuger dabei. Anstelle des Gitarristen ist es diesmal ein Harfenspieler. Wieso entschieden Sie sich ausgerechnet für dies ausgefallene Instrument? Weil ich mich in letzter Zeit sehr stark mit der Gitarre beschäftigt habe. Mein Problem war immer, dass ich keinen geeigneten Lehrer finden konnte, bis ich auf YouTube diesen Harfenlehrer entdeckte. Mit seiner Art zu unterrichten konnte ich sehr viel anfangen. Das brachte mich schließlich darauf, die akustische Gitarre und die Harfe zu kombinieren. Wie war es, Ihre Songs für die Harfe zu arrangieren? Nicht aufwendiger als sonst, denn wir müssen die Songs vor jeder Tour auffrischen, bei der neue Musiker dabei sind. Jeder Musiker geht anders an sein Instrument heran. Manche Songs bleiben aber immer gleich, sie werden nicht ohne Grund zu Klassikern. Ich habe damit kein Problem. Sie sind seit 15 Jahren im Musikgeschäft und haben viele Millionen Platten verkauft. Sind Sie ein glücklicher Mensch? Also, ich bin rundum glücklich mit dem, was ich gemacht und erreicht habe. Es könnte nicht besser sein, meine Zwanziger waren unerhört gut! Ich durfte tun, was ich liebe und habe dabei so viele inspirierende Leute getroffen. Ein schöneres Leben kann man sich nicht wünschen. Das klingt ein bisschen klischeehaft. Natürlich hatte ich Höhen und Tiefen, und zwar nicht zu knapp! Aber auch die merkwürdigen Zeiten gehören zu meinem Leben dazu. Unterm Strich kann ich aber sagen: Ich liebe die Musik immer noch wie am ersten Tag. Wünschen Sie sich manchmal eine Auszeit vom Job, raus aus der Tretmühle? Das habe ich schon ein paar Mal getan. 2010 wurde ich sehr krank, da war ich zu einer Auszeit gezwungen. Durch die digitale Revolution ist der Rhythmus meines Lebens schneller geworden. Ich habe immer gedacht, dieser Job sei locker zu bewältigen, aber Künstler sind halt sehr sensible Wesen. Aber ich liebe es immer noch, Platten zu machen und Konzerte zu geben. Was will man mehr? Stellt sich bei Ihnen gar keine Routine ein? Wenn man eine Sache tausendmal gemacht hat, kann sie irgendwann eintönig werden. Deshalb beobachte ich mich sehr genau. Ich möchte von der Musik niemals gelangweilt sein. Werden Sie immer wählerischer, was die Musik betrifft? Der kreative Prozess hat sich bei mir in den Jahren sehr verändert. Ich habe jetzt ein neues Team, ein neues Label und ein neues Management. Ja, ich würde sagen, man wird wählerischer, je älter man wird. Es hängt aber immer davon ab, wie man auf seine eigene Musik blickt. Ich tue das immer noch aus Sicht des Hörers und Fans und nicht aus Sicht des Künstlers. Das ist ganz wichtig für den Entscheidungsprozess. Ich frage mich in dem Moment immer, was der Fan wohl gern hören möchte, und nicht, was ich gern singen möchte. Befinden Sie sich gerade wieder in diesem Prozess? Ja, ich arbeite an einer neuen Platte. Und zwar gemeinsam mit einem 23-köpfigen georgischen Frauenchor, mit dem ich im Herbst auf Tour gehe. Es handelt sich also um zwei ganz unterschiedliche Konzertprogramme. Wie kamen Sie mit dem Chor aus Ihrer Heimat Georgien zusammen? Mit dem klassischen Chor aus Gori will ich seit Jahren zusammenarbeiten. Er ist einfach außergewöhnlich und existiert bereits seit 40 Jahren. Gori liegt eine Autostunde von der Hauptstadt Tiflis entfernt. Die Frauen sind seit 15 Jahren nicht mehr außerhalb von Georgien aufgetreten. Es wird bestimmt aufregend, wenn wir zusammen auf Tournee gehen. Was ist in künstlerischer Hinsicht das Besondere an diesem Chor? Ich bin auf ihn gestoßen, als ich in England nach georgischen Musikern suchte, weil ich ein Ballettprojekt machen wollte. Entdeckt habe ich den Chor auf Spotify. So etwas Starkes und Tiefes hatte ich vorher noch nicht gehört, ich bekam sofort eine Gänsehaut. Der Gesang klingt gleichzeitig verstörend und engelhaft. Als ob diese Frauen aus der Hölle und aus dem Himmel kämen! Obwohl es ein weiblicher Chor ist, sind auch sehr tiefe Stimmen dabei. Hat dieser Chor einen Einfluss auf Ihr Songschreiben? Natürlich! Wir arbeiten gerade an einem sehr speziellen Projekt. So, wie ich Ihnen den Chor beschrieben habe, denken Sie jetzt bestimmt, dass er völlig anders klingt als das, was ich sonst mache. Die Herausforderung bei diesem Projekt ist aber, ihren Sound und meinen Sound zusammenzubringen. Sind Sie gerade dabei, Ihre georgischen Wurzeln neu zu entdecken? Definitiv! Ich wollte schon immer eine Platte machen, die mich nach Hause bringt. Immer, wenn ich nach Georgien fahre und die Häuser, Bäume und Menschen dort sehe, überkommen mich ganz andere Gefühle als in England, wo ich seit langem lebe. Georgien ist und bleibt meine Heimat. Und da es bei Musik vor allem um Gefühle geht, liegt mir das Projekt mit dem Frauenchor aus Gori besonders am Herzen. Mit welcher Art von Musik sind Sie in Georgien aufgewachsen? In der folkloristischen georgischen Musik gibt es eine lange Tradition von mehrstimmigem Gesang. Solche Chöre zu Gitarrenbegleitung habe ich als Kind oft gehört. Das ist nicht immer perfekter Gesang, aber die Leidenschaft ist immer da. Darüber hinaus spielt in Georgen klassische Musik eine große Rolle, in fast allen Familien bekommt mindestens einer Klavierunterricht. Meine Mutter hat zu Hause immer Klavier gespielt, und mein Onkel widmete sich der Rockmusik. Mit all dem bin ich aufgewachsen. Sie scheinen im Moment mehr von traditioneller Musik fasziniert als von Popklängen? Was ich schon immer geliebt habe, ist traditionelle Musik und Retro-Pop. Diese Sachen haben nicht ohne Grund die Zeit überdauert. Von dem, was heute erscheint, wird wahrscheinlich nur ein ganz geringer Prozentsatz als Klassiker in die Geschichte eingehen. Stimmt es, dass Judas Priest Ihre Lieblingsband ist? (lacht) Yeah! Mein Onkel hat damals viel Judas Priest gehört, und auch mein Bruder ist ein großer Fan. Ich selbst habe mir schon länger keine Priest-Platten mehr angehört. Aber ja: ich finde diesen Sound phänomenal! Genauso wie Pink Floyd, Led Zeppelin, Queen, Deep Purple, Black Sabbath. Rock und Heavy Metal ist in den ehemaligen Sowjetrepubliken enorm populär. Ich glaube sogar, dass diese Musik in den 1990er Jahren den jungen Georgiern die Kraft verliehen hat, für die Unabhängigkeit zu kämpfen. Hätte ich eine tiefere und brummige Stimme, würde ich heute sicher Heavy Metal machen. Aber mit meinem sehr weiblichen Organ brauche ich das erst gar nicht zu versuchen. Dafür ist Ihr Ehemann James Toseland ein richtiger Rocker. Er hat seine Rennfahrerkarriere beendet und spielt jetzt modernen Hardrock. Ja, und zu ihm passt dieser Stil auch! Er ist der perfekte Frontman für eine Rockband. Besonders glücklich bin ich, dass in der Band auch mein sieben Jahre jüngerer Bruder Gitarre spielt, und die Band Toseland macht wirklich eine gute Show! Termin Konzert mit Katie Melua heute um 20 Uhr im Mannheimer Rosengarten. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

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