Firmenporträt RHEINPFALZ Plus Artikel Möbelhaus Istikbal: Couch statt Cockpit

Wichtig ist der Kundschaft des Möbelhauses am Ludwigsplatz viel Platz für Gäste, wie ihn diese Couch bietet.
Wichtig ist der Kundschaft des Möbelhauses am Ludwigsplatz viel Platz für Gäste, wie ihn diese Couch bietet.

Seit über zehn Jahren gibt es in Ludwigshafen das türkische Möbelhaus Istikbal. Die Kundschaft schätzt Ornamente und Ziernähte – und es gibt weitere Beispiele für den besonderen Geschmack.

Golden glänzen die Beine des Couchtisches im Schaufenster des Möbelgeschäfts Istikbal in Ludwigshafen. Das breite cremefarbene Sofa schmücken zahlreiche Ziernähte, die Griffe des Schranks daneben bestehen aus gedrechselten hölzernen Ornamenten. Das Design unterscheidet sich deutlich von dem Angebot anderer Möbelhäuser. Seit 2011 gibt es Istikbal am Ludwigsplatz. Etwa 20 Mitarbeiter beschäftigen Geschäftsführer Fatih Durmus und seine Frau Özlem Durmus, die Prokura hat, in Ludwigshafen und einer Filiale in Stuttgart.

Fatih und Özlem Durmus führen das Geschäft gemeinsam.
Fatih und Özlem Durmus führen das Geschäft gemeinsam.

Die Kunden kommen oft aus über 100 Kilometer Entfernung, um sich in dem Familienbetrieb beraten zu lassen. Viele Deutsch-Türken, aber auch zahlreiche Menschen aus anderen Ländern, finden bei Istikbal Möbel, die ihrem Geschmack und ihrer Kultur entsprechen. „Geschmäcker sind bekanntlich verschieden“ kann man auf der Homepage der Firma, marqua-home.de, lesen. Sehr erfolgreich verkauft das türkischstämmige deutsche Ehepaar mit seinen Angestellten überwiegend Möbel der Firmen Istikbal, Enzahome und aus eigener Produktion, die zu großen Unternehmensgruppen in Kayseri im Osten der Türkei gehören.

Ehemaliger Kampfpilot

Fatih Durmus und seiner Frau wurde die Leitung eines Möbelgeschäfts nicht in die Wiege gelegt. Als Pilot bei der türkischen Luftwaffe flog der 49-jährige Kaufmann früher große Kampfjets, die fachkundige 44-jährige Küchenplanerin arbeitet auch als Ärztin. „Der Vater meiner ersten Tochter ist Kampfpilot, der Vater meiner zweiten Bäcker, der meiner dritten Tochter Möbelhändler“, fasst Durmus augenzwinkernd seine Biografie zusammen. Wegen Problemen mit den Augen musste er seinen Beruf als Pilot aufgeben. Eine Karriere als Berater in der Waffenindustrie der USA fand wegen der Wirtschaftskrise 2006 ihr Ende. So buk Durmus beim Schwiegervater Brötchen, der in Mannheim die nach eigenen Angaben erste türkische Bäckerei gründete, bis Vertreter der Firma Istikbal Geschäftsleute suchten, die Filialen des türkischen Möbelhauses in Deutschland aufbauen konnten.

TV-Serien beeinflussen Kunden

Durmus sollte eigentlich nur vermitteln. Doch nach einigen Gesprächen trugen die Istikbal-Eigner Durmus selbst die Aufgabe an und bürgten sogar mit einer hohen Summe für Miete und Einrichtung des Geschäfts. „Istikbal ist hier, Istikbal gehört zu Deutschland“. Mit einer einfachen und deutlichen Botschaft hat Durmus unter anderem über türkische TV-Kanäle seine Kunden erreicht. Interessant findet er den Einfluss türkischer Serien und Filme, die auch in anderen Ländern erfolgreich sind, auf den Möbelgeschmack.

Die Küchen von Istikbal kommen auch bei deutschen Kunden gut an.
Die Küchen von Istikbal kommen auch bei deutschen Kunden gut an.

So haben viele Käufer in der Türkei ihre Wurzeln, andere kommen aber auch aus Griechenland, Italien, Arabien, Syrien, der Ukraine und Russland, zählt er auf. „Wir verkaufen die Möbel überwiegend an mediterrane Leute“, analysiert er. Die Ausnahme bilden die Küchen. Zu etwa 99 Prozent gehen Wohn- und Schlafzimmer- Möbel an Menschen mit Migrationshintergrund. Bei den Küchen sind mehr als die Hälfte der Kunden Deutsche ohne Migrationshintergrund.

Kochkurse geplant

Auf grauem Granit kann man auf der Arbeitsplatte der weißen Küche im hinteren Teil des etwa 2000 Quadratmeter großen Geschäfts Auberginen, Tomaten, Zucchini und Zwiebeln schneiden. Türkische Kochkurse wollte das Ehepaar Durmus am Ludwigsplatz anbieten. Corona kam dazwischen. Bei den Wohn- und Esszimmer-Möbeln gehen die Geschmäcker stärker auseinander als bei den Küchen. „Einfache Linien empfinden die Deutschen als edel, unsere Kunden empfinden das als kalt“, erklärt Durmus.

Deshalb gibt es so viele Ornamente und Ziernähte bei den Möbeln im Laden. Goldfarbene Knöpfe, Beschläge und Einsätze sollen wertvoll wirken. Bei den Bezügen überwiegen warme Farben. Doch dazwischen steht eine schlichte grüne Couch, die auch in anderen Einrichtungshäusern zu finden sein könnte. „Das spricht die jüngere Generation an“, weiß Durmus. Doch auch die legt Wert auf bestimmte Funktionen bei ihren Möbeln.

Keine Besucherritze

„Traditionell sind wir immer bereit, Gäste zu empfangen“, sagt der Geschäftsführer. Mit wenigen Handgriffen rückt er die Rückenlehne einer breiten Couch zur Seite. Jetzt bietet sie viel Platz zum Schlafen. „Die Deutschen wollen im Ehebett meist zwei Matratzen mit Lattenrost, die Türken möchten eine richtig dicke auf einem glatten Untergrund, unter dem noch ein Bettkasten Platz findet“, zeigt er und hebt die Matratze. Bettkästen sind auch sehr wichtig, wenn man Decken und Kissen für viele Menschen bereit haben möchte. Besucherritzen mag die Kundschaft nicht. Sie legt auch viel Wert auf ein langes durchgehendes Kopfkissen für beide und eine gemeinsame Bettdecke. In der Küche sind sich Deutsche und Türken immer noch näher als im Bett.

Für die Zukunft hat sich das Ehepaar Durmus vorgenommen, mehr Möbel von anderen Herstellern aus der Türkei, aber auch aus Polen oder Italien anzubieten. Zwei neue Linien, „Marqa Home Concept“ und „Marqa Küchenstudio“ sind am Start. Was das Geschäft angeht, ist Fatih Durmus bodenständig, in der Freizeit hebt der ehemalige Kampfpilot immer noch gerne mal ab. Er ist Vorsitzender vom Aeroclub Rhein-Neckar am Mannheimer Flughafen. Dort arbeitet er als Fluglehrer und steuert alte Cessnas durch den Himmel über der Metropolregion. Von hier oben gesehen, erscheinen die Unterschiede in den Geschmäckern und Kulturen der Menschen ganz unwichtig und klein.

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