Ludwigshafen Lustiges und Besinnliches

Begeisterte in Böhl-Iggelheim mit Cover-Songs und eigenen Kompositionen: Marcel Adam.
Begeisterte in Böhl-Iggelheim mit Cover-Songs und eigenen Kompositionen: Marcel Adam.

«Böhl-Iggelheim.» Kein allzugroßes Wahagnies geht man als Böhl-Iggelheimer Veranstalter ein, wenn man Marcel Adam für die ebenso benannte Halle am Peter-Gärtner-Realschulkomplex bucht, wie es der Verein Dorfart aus Iggelheim für Sonntagnachmittag getan hat.

Denn erstens kann man sich darauf verlassen, einen bestens gelaunten, immer für einen lockeren Spruch bereiten Entertainer auf der Bühne zu sehen, und zweitens eine musikalische Darbietung zu bekommen, die das Herz genauso rührt wie die Lachmuskeln. Und manchmal gibt es sogar noch eine Gratis-Überraschung obendrauf, denn angekündigt war Adam „gonz elähn“, sprich mit seinem Soloprogramm. Aber da die Wahagnies-Halle schon im Vorfeld nahezu ausverkauft war, bat Adam kurzerhand seinen kongenialen Akkordeonisten Christian di Fantauzzi um Unterstützung. Wie der Zufall es wollte, hatte der für den Abend eine Einladung nach Haßloch zu Freunden angenommen, war also sowieso in der Nähe und sagte kurzerhand den Abstecher nach Iggelheim zu. Unter vier Augen gestand Adam, dass das Auftrittsjahr 2018 schon recht lange und kräftezehrend war und er doch froh darüber sei, sich in der Weihnachtszeit etwas ausruhen zu können. Doch von Müdigkeit war auf der Bühne keine Spur. Neben seinen Standards wie Nenas „Wunder geschehen“ und dem obligatorischen „Von guten Mächten“ zum Abschluss hatte er auch ein paar seltener gespielte Stücke dabei. So etwa die totkomische Moritat von der des Mordes angeklagten Bäckersfrau. Dazu hatte er sich die Überleitung ausgedacht, dass man durch die frühe Anfangszeit dem Publikum ermöglichen wolle, noch den „Tatort“ zu sehen. Dabei outete er sich selbst als Krimifan. Besonders die Rosenheim-Cops hätten es ihm und „es“, also seiner Frau, angetan. Nur Urlaub wolle er nicht machen in dem bayerischen Städtchen, denn da habe es mittlerweile über 700 Tote gegeben und etliche der Mörder seien sicher schon wieder auf freiem Fuß. Auch der immer wieder gerne gehörte „Oschderhaas`“, den Adam aus Gründen der Gleichberechtigung in der Vorweihnachtszeit gerne zur Aufführung bringt, hatte einige Variationen zu bieten. Neben den völlig jugendfreien Strophen gab’s auch ein paar Elemente der „FSK-Version“ zu hören. Das dürfte aber selbst bei zartesten Gemütern keinen Anstoß erregt haben, denn grob oder geschmacklos wird Monsieur Adam nie. Fürs vorweihnachtliche Gefühl gab es dann noch ein paar Stücke von seiner CD „Halleluja“. Inspiriert wurde der Titel vom großen Leonard Cohen, aber da Adam des englischen nur soweit mächtig ist, um die Spracherkennung seines GPS schachmatt zu setzen, hat er auch in seiner lothringischen Mundart nicht nur Lustiges, sondern eben auch Herzergreifendes komponiert. Neben dem eigenen Material kommt an einem Abend wie diesem auch Jacques Brel üblicherweise zu ehren. Am Sonntag mit „Le port d’Amsterdam“. Der Großmeister des Chanson habe zeitlebens nie eine Zugabe gespielt und dennoch bei seinem Abschiedskonzert 15 Minuten stehenden Applaus geerntet, erzählte Adam. Ganz so lange war der Applaus in Iggelheim nicht, aber Adam spielt in der Regel ja auch Zugaben.

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