Ludwigshafen
Ludwigshafener Weihnachtszirkus in den Startlöchern
Eine dünne Schneedecke überzieht den Platz vor der Friedrich-Ebert-Halle und verwandelt die Fläche in ein Winterwunderland. Die Minusgrade halten die Mitarbeiter des Ludwigshafener Weihnachtszirkus’ nicht davon ab, die letzten Handgriffe am Zelt zu erledigen. „Ab morgen geht’s an die Deko“, sagt Zirkus-Seniorchefin Rita Riedesel. Der rund vier Meter hohe Weihnachtsbaum ist bereits beim Händler reserviert und wird in diesen Tagen an Ort und Stelle erwartet. Er wird dann prachtvoll dekoriert. „Unser Baum ist ein beliebtes Motiv für Selfies, die dann auf Instagram gepostet werden“, weiß Zirkus-Sprecher Gerd Hübner.
Stephan Riedesel ist mehr als nur Zirkusdirektor, ist quasi „Mädchen für alles“. Er ist mal hier und auch mal dort, fühlt sich in Arbeitskleidung genauso wohl wie im Frack. Stolz sind die Riedesels über die neue Sitztribüne, die dank Einzel-Schalensitze deutlich mehr Komfort als bisher bietet. „Allein daran haben wir drei, vier Tage gebaut“, berichtet die 62-Jährige.
Premiere am 22. Dezember
Die ersten Künstler sind bereits eingetroffen, die internationalen Artisten, die ab dem 22. Dezember im Ludwigshafener Weihnachtszirkus auftreten sollen, reisen nach und nach an. Stephan Riedesel wird nach den Aufbauarbeiten, die seit Anfang Dezember laufen, froh sein, wenn es in Kürze heißt: „Manege frei für den 19. Ludwigshafener Weihnachtszirkus!“ Vorher allerdings stehen die letzten Proben samt Licht- und Soundcheck an. Noch steht die Popcorn-Maschine still, doch schon in wenigen Tagen wird der charakteristische, süße Duft über den Platz wehen.
Zirkusfamilie Riedesel, bereits in vierter Generation, kann es kaum erwarten, ehe es losgeht, auch wenn nach der Corona-Pandemie jetzt die Energiekrise für einen erneuten Balanceakt sorgt. Dennoch überwiegt die Zuversicht. Weitermachen, immer weitermachen, heißt es für die Riedesels. „Ein Satz bleibt mir in Erinnerung: ,Durchhalten, wir brauchen euch’, haben die Menschen zu uns in der Corona-Zeit gesagt“, berichtet die Senior-Chefin. Dass der Zirkus in Nordrhein-Westfalen als immaterielles Kulturerbe anerkannt worden sei, untermauere seine Bedeutung als wichtige kulturelle Einrichtung, unterstreicht Hübner.
Freikarten für Bedürftige
Für die Macher des Weihnachtszirkus’ spielt das soziale Engagement von jeher eine bedeutende Rolle. Jedem solle es ermöglicht werden, einmal für ein paar Stunden die Probleme des Alltags zu vergessen. Am Mittwoch überreichte Rita Riedesel daher im Stadthaus Nord 200 Freikarten für die bedürftigen Menschen der Stadt. „Der Zirkus ermöglicht es, in eine andere Welt einzutauchen“, nahm Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) sie dankend in Empfang. Sie gehen an Institutionen wie die Suppenküche, Flüchtlingseinrichtungen oder die Pfälzer Lebensmittelretter und sollen über diesen Verteiler Gesichter zum Strahlen bringen.
Einen Tag vor der offiziellen Premiere findet am 21. Dezember quasi als Preview die „Regenbogen-Circus-Gala“ zugunsten der regionalen Aids-Hilfe im Chapiteau des Weihnachtszirkus’ statt. Akrobatik, Travestie, Magie und Gesang versprechen einen abwechslungsreichen Abend, der unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) steht. Am 23. Dezember unterstützt der Ludwigshafener Weihnachtszirkus in der „Familientags-Vorstellung“ um 16 Uhr den Verein „RPR1 hilft“. Fünf Euro von jeder verkauften Eintrittskarte werden für soziale Projekte gespendet.
Generell habe man sehr familienfreundliche Preise, untermauert Hübner. So kosten die Eintrittskarten an den Familientagen 15 Euro auf allen Sitzplätzen, außer der Loge (20 Euro). Für die Vorstellung an Heiligabend, 11 Uhr, erhalten alle Kinder bis 14 Jahre freien Eintritt.
Artisten aus ganz Europa
Zwölf Weltklasse-Darbietungen in zwei Stunden – ein Höhepunkt folgt auf den nächsten, versprechen zumindest die Veranstalter. Die Artisten kommen aus ganz Europa nach Ludwigshafen, etwa aus Moldawien, Tschechien oder der Ukraine. Zuschauer erleben eine Mischung aus klassischem Zirkus, gepaart mit modernen Showeffekten. Den Zauber Frankreichs versprühen die sechs Artisten aus der Ukraine. Sportlich und tanzend setzen sie zu Can-Can-Musik zu Salti, Flic Flacs und anderen spektakulären Sprüngen an.
Action und Adrenalin pur versprechen die „Funny Jumpers“, die auf dick aufgeblasenen Lkw-Reifen, die wie überdimensionierte „Pfälzer Leberwürste“ wirken, ein wahres Feuerwerk aus Salti und Sprüngen zünden. Hoch oben unter der Zirkuskuppel fasziniert Luftakrobatin Natalia an Vertikaltüchern. Was so elegant anmutet, ist nicht ungefährlich und erfordert Können und Konzentration.
Marie Navarro zeigt auf einem edlen Pferd die sogenannte Hohe Schule und präsentiert temperamentvolle Ponys in der Manege. Rasant geht es bei der Comedy-Trampolin-Show der „Jumping Sailors“ zu. Auch die schwungvolle Hula-Hoop-Show von Miss Lyana und eine außergewöhnliche Equilibristik-Darbietung am rotierenden Ring sind im neuen Programm zu erleben. Mit herzerfrischenden Gags und Pointen sorgen sowohl Komiker „Mr. Marlony“ als auch „Peppino“ als jüngster Clown Europas für Lacher. Hinter dem zehnjährigen Nachwuchsclown verbirgt sich Rita Riedesels Enkel Tyron, der in Frankenthal zur Schule geht und schon mit keinen fünf Jahren das erste Mal in der Manege stand.
Noch Fragen?
Der Weihnachtszirkus gastiert vom 22. Dezember bis zum 2. Januar vor der Eberthalle mit zwei Vorstellungen täglich: um 16 und 19 Uhr, außer am 24. Dezember, dann nur um 11 Uhr (freier Eintritt für Kinder), und am 2. Januar, dann nur um 16 Uhr. Ticket- und Info-Hotline: 01520 5765199.
Im Netz: www.ludwigshafener-weihnachtscircus.de.