Ludwigshafen Ludwigshafener Olympia-Hüter

Tausende deutscher Sportler haben zwischen 1896 und 2012 an Olympischen Sommer- und seit 1924 an den Winterspielen teilgenommen. Vermutlich nur einer von ihnen, der Ludwigshafener Ruderer Hans Gelbert (1905 bis 1988), hat seine Reise dorthin so umfassend in Fotografien, Dokumenten, Zeichnungen, Gemälden, Briefen und Zeitungsausschnitten festgehalten. Daraus ist lange Zeit danach ein 110-seitiges Buch entstanden. Am Mittwochabend wurde es in der Sparkasse vorgestellt.
Aus dieser lückenlos erhaltenen Hinterlassenschaft von der siebenwöchigen Schiffs- und Überland-Tour ins olympische Los Angeles von 1932 haben Reiner Flörsch, Archivar des Ludwigshafener Rudervereins, und Kai-Asmus Kaufmann, Marketingreferent des Sportbunds Pfalz, ein faszinierendes Werk geschaffen. Aufschlussreich, weil die chronologisch aufgebaute Wiedergabe der olympischen Reise den Blick freigibt in das Leben und Sportgeschehen vergangener Zeiten. Der RV Amicitia Mannheim, der den deutschen Achter für die ersten Spiele in Los Angeles stellte, hatte den „wie aus heiterem Himmel“ (Zitat des Betroffenen) ins Olympiaaufgebot berufenen Ludwigshafener als Ersatzmann nominiert. Eingesetzt wurde Gelbert jedoch nicht. Der Sportbund Pfalz präsentierte das mit Hilfe der Söhne Kurt und Hans Gelbert entstandene Buch „Ausgerechnet ich! Der Ruderer Hans Gelbert aus Ludwigshafen und die Olympischen Spiele 1932“ in der Hauptstelle der Sparkasse am Ludwigsplatz. In deren Glashalle kann die Sonderausstellung noch bis 20. März zu den üblichen Geschäftszeiten besichtigt werden. Angereichert ist die Präsentation mit Gelberts Reisepapieren, Olympia-Anzügen und der Teilnehmermedaille sowie Pokalen und Exponaten aus der Geschichte des Ludwigshafener Rudervereins. Nach dem Ausstellungsende geht die Gelbertsche Hinterlassenschaft ins Hauensteiner Sportmuseum des Sportbunds Pfalz. Rüdiger Linnebank, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, freut sich, „dass die aufregende Geschichte des Ausnahmesportlers Gelbert mit Unterstützung der Stiftung der ehemaligen Sparkasse Ludwigshafen den Weg in eine breitere Öffentlichkeit findet“. Vorstandskollegin Elke Rottmüller, Vizepräsidentin des Sportbunds Pfalz, äußerte sich „fasziniert davon, dass ein Ludwigshafener so vieles gesammelt und bewahrt hat aus der Zeit seines sportlichen Höhepunkts“. Sportbund-Präsident Dieter Noppenberger meinte: „Die Buchveröffentlichung ist ein weiteres Segment im Bereich unseres Arbeitsfelds Sportgeschichte, in dem wir zeigen, wie man die regionale Sporthistorie aufarbeiten kann, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.“ Für seine Verdienste um die Archivierung der Sporthistorie der Pfalz wurde Reiner Flörsch ausgezeichnet. Martin Schwarzweller, Vorsitzender des Vereins Pfälzische Sportgeschichte, überreichte ihm bei der Buchpräsentation die Christian-Löffler-Urkunde. Löffler war von 1949 bis 1965 der erste Vorsitzende des Sportbunds Pfalz. (wk)