Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafener Geschichte(n): Gründungsjahre der Stadt – Erster Notar hat viel zu tun

Beim Hauskauf ist der Termin beim Notar Pflicht. Doch dieser hat noch sehr viel mehr Aufgaben.
Beim Hauskauf ist der Termin beim Notar Pflicht. Doch dieser hat noch sehr viel mehr Aufgaben.

Ein Oggersheimer Jurist hat in den Gründungsjahren der Stadt Ludwigshafen dafür gesorgt, dass die Verteilung der Grundstücke in gesetzlich geordneten Bahnen verlief.

Christian Leuchsenring war der erste staatlich bestellte Notar der Stadt und erstellte zwischen 1857 und dem 28. August 1862 insgesamt 2489 Urkunden, mit denen überwiegend Grundstücksangelegenheiten ihre juristische Grundlage erhielten. Als Ludwigshafen 1853 als politische Gemeinde entstand, lebte der einzige Notar der Umgebung im sechs Kilometer entfernten Oggersheim. Die Direktion der Königlich-Bayerischen Bank in Nürnberg richtete deshalb an die Regierung in München mit Blick auf die beabsichtigte Eröffnung einer Bankfiliale im entstehenden Ludwigshafen die Bitte, dort ein Notariat zu errichten.

Eine Entscheidung über dieses Ansinnen blieb jedoch vorerst aus. Der Oggersheimer Notar Christian Leuchsenring bot der Regierung an, wöchentliche Amtstage in Ludwigshafen zu halten. Erst als Leuchsenring seine mögliche Umsiedlung von Oggersheim nach Ludwigshafen ins Gespräch brachte, kam aus München dafür die Genehmigung. Per Ministererlass vom 10. November 1859 stieg Ludwigshafen zum Kantonshauptort und Gerichtssitz anstelle von Mutterstadt auf. Die bescherte der noch bescheidenen Ansiedlung am Rhein die förmliche Verlegung des Notariats von Oggersheim nach Ludwigshafen, das zwei Tage zuvor von Bayernkönig Maximilian II. zur Stadt erklärt worden war.

Regierung errichtet 1874 zweites Notariat

Notar Leuchsenring hatte in der neuen Stadt viel zu tun. Rund 2000 Tage war er im Amt – statistisch gesehen erstellte er also mehr als eine Beurkundung pro Tag. Ende August 1862 schied er aus dem Amt. Sein Nachfolger wurde im Januar 1863 Karl Moré, der bis zum 12. Februar 1879 nicht weniger als 11.006 Urkunden fertigte und unterschrieb. Es wären wohl noch viel mehr gewesen, wenn die Regierung nicht 1874 ein zweites Notariat in Ludwigshafen errichtet hätte. Dort verfasste Karl Ludwig Hoerner bis zu seiner Versetzung im April 1879 ins Notariat I insgesamt 2342 Urkunden. Im Notariat I erstellte Hoerner dann bis zu seinem Tod am 2. Juni 1886 weitere 4151. In der Amtszeit seines Nachfolgers Johann Baptist Keller bis zu dessen Pensionierung im Dezember 1899 folgten 15.507 Urkunden. Das rasante Anwachsen der Stadt am Rhein machte schon Mitte 1902 ein drittes Notariat notwendig.

Arbeitsmarkt für Notare stark begrenzt

Heute gibt es nach Angaben der Notarkammer Pfalz in Zweibrücken sechs Notariate in Ludwigshafen. Pfalzweit sind es 53. Der Arbeitsmarkt für Notare ist begrenzt, da die Stellenanzahl seit Jahren ziemlich stabil ist.

Notare müssen sich in ihrem Berufsalltag nicht nur mit Grundstücken und Immobilien befassen. Die Fachjuristen beglaubigen und beurkunden im allgemeinen Unterlagen und Schriftstücke als unabhängige Instanz – zum Beispiel Testamente, Eheverträge oder Vorsorgevollmachten. Auch Anmeldungen ins Handels- oder Vereinsregister fallen in den Aufgabenbereich eines Notars.

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