Ludwigshafen
Ludwigshafen: Wilhelm-Hack-Museum feiert 40. Geburtstag
40 Jahre Wilhelm-Hack-Museum (1): Am 28. April 1979 wurde in Ludwigshafen das Wilhelm-Hack-Museum eröffnet. Heute ist das Haus, dessen Schwerpunkt auf der Sammlung des Kölner Geschäftsmanns Wilhelm Hack liegt, aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Bevor es zu dem Museumsbau kam, waren jedoch etliche Hindernisse zu überwinden.
Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Gründung des Wilhelm-Hack-Museums spielte der Mannheimer Maler Walter L. Brendel. Während eines gemeinsamen London-Aufenthalts bei den Auktionen von Sotheby’s und Christie’s hörte er zufällig, wie Wilhelm Hack zu einem Münchener Kunstsammler sagte, für seine Kunstschätze schwebe ihm eine junge Stadt vor, die ein Museum errichten würde, um seine Sammlung zu präsentieren. Brendel machte den Freund sofort auf Ludwigshafen aufmerksam. „Er schaute mich nur groß an, anschließend flogen wir nach Paris und dann zurück nach Köln“, erinnerte sich Brendel viele Jahre später.
Wilhelm Hack war keineswegs sofort Feuer und Flamme. Und auch in Ludwigshafen stieß der Plan einer Museumsgründung zunächst nicht nur auf helle Begeisterung. Da traf es sich günstig, dass Ruth Huhn, die Lebensgefährtin Wilhelm Hacks, eine gebürtige Ludwigshafenerin war. Und in der Stadt selbst kostete es den damaligen Leiter der städtischen Kunstsammlungen, Manfred Fath, den Brendel auf Wilhelm Hack und seine Wunschpräsentation aufmerksam gemacht hatte, einige Anstrengung, Stadtspitze und Stadtrat von einem Museumsbau für die Sammlung zu überzeugen. Brendel machte Hack und Fath 1968 auf einer Ausstellungseröffnung in Mannheim miteinander bekannt, und bald darauf schlug Ludwigshafens Oberbürgermeister Werner Ludwig dem Geschäftsmann in einem Brief vor, seine Sammlung der Stadt zu übereignen.
Eröffnung mit Bundespräsident
1971 verpflichtete sich Ludwigshafen, einen Museumsbau zu errichten und ihn nach dem Stifter zu benennen. Die Kosten von 14 Millionen Mark sollten zu je einem Drittel die Stadt Ludwigshafen, das Land Rheinland-Pfalz und private Spender übernehmen. Bei der Spendenaktion taten sich mit namhaften Beträgen besonders die BASF, die Knoll AG und die RHEINPFALZ hervor. Den Architektenwettbewerb entschied das Stuttgarter Büro Hagstotz und Kraft für sich. Mit dem Bau wurde am 31. Mai 1975 begonnen, Ende 1978 konnten Hacks Werke aus seinem Kölner Privathaus in den Neubau transportiert werden. Am 28. April 1979 eröffnete Bundespräsident Walter Scheel das Wilhelm-Hack-Museum feierlich vor zahlreichen Ehrengästen.
„Ich habe keinen Kunstsammler kennengelernt, der einen größeren Kunstverstand hatte als Wilhelm Hack“, hat Walter L. Brendel über Wilhelm Hack gesagt. Dabei war dem 1899 in ein kleinbürgerliches Koblenzer Elternhaus geborenen späteren Kunstliebhaber seine Leidenschaft keineswegs in die Wiege gelegt. Die Teilnahme am Kieler Matrosenaufstand gegen Ende des Ersten Weltkriegs beendete seine Offizierskarriere, nach dem Krieg arbeitete er als kaufmännischer Angestellter, gründete bald eine eigene Import- und Exportfirma und kam zu einigem Wohlstand. In einem Zirkel von kunstinteressierten Freunden in Koblenz entwickelte sich sein Interesse und richtete sich zunächst auf die mittelalterliche Kunst seiner näheren Heimat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte sich der Unternehmer, inzwischen in Köln ansässig, auf Nylonverarbeitung und verlagerte seine Sammelleidenschaft auf die moderne Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Neuorientierung hatte einen handfesten pekuniären, aber auch einen ideellen Grund. Mittelalterliche Kunst war nahezu unerschwinglich geworden, und Wilhelm Hack hatte ein lebhaftes Interesse an dem Bruch entwickelt, den die moderne Kunst gegenüber den seit der Renaissance gültigen Werten vollzog. Die „Verformung des Menschenbildes“, an der er selbst diesen Bruch festmachte, hatte ihren deutlichsten Ausdruck, wie er meinte, im Werk von Malewitsch, Kandinsky, Mondrian und Delaunay gefunden.
Fünf Direktoren in 40 Jahren
So kam das Wilhelm-Hack-Museum als eines der wenigen Museen Deutschlands zu Werken der russischen Konstruktivisten und der holländischen De Stijl-Gruppe. Wilhelm Hacks Stiftung bestand aus den heterogenen Teilen einer Mittelaltersammlung und einer Sammlung hochmoderner Kunst. Die städtischen Kunstsammlungen mit dem Schwerpunkt auf den Expressionisten ließen sich leicht eingliedern, und zum ersten Direktor des Museums wurde deren Leiter Manfred Fath bestellt, der allerdings schon nach fünf Jahren die Mannheimer Kunsthalle übernahm. Der zweite Leiter Bernhard Holeczek starb 1994 in noch recht jungen Jahren, und auf ihn folgte bis 2007 Richard W. Gassen, der zuvor schon als Kurator im Wilhelm-Hack-Museum tätig war. Von 2007 bis 2014 leitete das Haus Reinhard Spieler und seit dessen Wechsel zum Sprengel-Museum in Hannover ist der Direktor René Zechlin, der vom Kunstverein Hannover nach Ludwigshafen kam.
Der derzeitige Leiter, aber nicht nur er allein, kann bestätigen, dass Ludwigshafen dem Anspruch des 1985 gestorbenen Wilhelm Hack gerecht geworden ist, den der Sammler noch vor der Eröffnung mit Nachdruck geäußert hat: „Es geht mir um die Schaffung eines Museums, nicht eines Mausoleums.“
Zur Sache: Die Direktoren und ihre Ausstellungen
Jeder der fünf Leiter hat im Laufe der Geschichte des Wilhelm-Hack-Museums einen eigenen Schwerpunkt gesetzt. Manfred Fath war in der kurzen Zeit von 1979 bis 1984, die er als Gründungsdirektor das Haus leitete, damit beschäftigt, erst einmal die Sammlung vorzustellen. Bernhard Holeczek (1984 bis 1994) legte den Schwerpunkt auf konkret-abstrakte Kunst, und Richard W. Gassen (1994 bis 2007) zeigte viele publikumsträchtige Ausstellungen, etwa zu Andy Warhol und der Pop Art.Reinhard Spieler (2007 bis 2014) stellte sich mit originellen Ideen wie der Ausstellung „I love Aldi“ über Ware, Konsum und Kunst oder „Alles“ vor, in der er versuchte, einen möglichst großen Teil der ungefähr 10.000 Werke umfassenden Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Kunstinteresse des derzeitigen Direktors René Zechlin deckt sich nach seiner eigenen Aussage am ehesten mit dem Richard Gassens und mit Ausstellungen wie „Mathematik in der Kunst“ oder „Abstraktion als Weltentwurf“, die in dessen Ägide gefallen sind.
Über 450 Ausstellungen haben seit Bestehen des Museums mehrere Millionen Besucher in das Haus in der Berliner Straße 23 gezogen. Mit über 100.000 Besuchern war die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Museums „Der Blaue Reiter“ (2003) über die lockere Künstlervereinigung Wassily Kandinskys und Franz Marcs vor dem Ersten Weltkrieg. Danach kommt, was die Besucherzahl angeht, „Chagall“ über den französischen Expressionisten. Zu René Zechlins erfolgreichsten Ausstellungen der jüngsten Zeit gehören „Die Stimme des Lichts“ über Delaunay und die Anfänge der Abstraktion in Frankreich und vor allem „Wie leben?“ über Zukunftsvisionen mit über 30.000 Besuchern.
Die Besucherzahlen sind nach René Zechlins Beobachtung sehr abhängig von dem jeweiligen Ausstellungsthema und unterliegen großen Schwankungen. Das Ergebnis einer noch unveröffentlichten Studie, wonach freier Eintritt in deutsche Museen nur kurzfristig für mehr Besucher sorgt, kann er nicht bestätigen. Die Samstagsöffnung habe sich bewährt, sagt er, aber der Sonntag sei der klassische Museumstag für die ganze Familie geblieben, trotz Eintritt. Aber dass Sonderausstellungen und Sonderveranstaltungen, Museumspädagogik und eine rege Öffentlichkeitsarbeit die besten Garanten für viele Besucher seien, dieses Ergebnis der Studie kann er nur bestätigen.huf