Ludwigshafen
Ludwigshafen: Was Oppauer zur Gestaltung einer Unterführung sagen
Zu den Graffiti-Plänen der Künstlergruppe um Manuela Raab, die die Unterführung zum Tor 12 der BASF künstlerisch gestalten will, haben wir Oppauer Bürger befragt. Dabei stellt sich heraus, dass die wenigsten die Unterführung nutzen, manche sogar noch nie dort waren. Die meisten finden: Gut gemachte Graffiti wären okay. Doch ob die Künstler freie Hand bekommen sollen, darüber gibt es geteilte Meinungen.
Wie Hans-Peter Schmitt (65) sehen alle Befragten die Graffiti-Kunst eigentlich durchaus positiv. „Wenn es schön gemacht wird, ist es für mich in Ordnung“, sagt der BASF-Vorruheständler aus Oppau. Eine solche Aktion müsse offiziell sein, auf einer dafür freigegebenen Fläche stattfinden. Kein Verständnis habe er, wenn Flächen ohne Genehmigung besprüht würden. Auch möchte Hans-Peter Schmitt nicht, dass politische oder sexistische Motive auf die Wände der Unterführung gesprüht werden. „Wenn das erfüllt wird, ist es in Ordnung, dann soll man die Fläche für die jungen Künstler freigeben“, empfiehlt er den Verantwortlichen. „Der Tunnel gehört hergerichtet“, ist seine Meinung. Die Unterführung mache einen heruntergekommenen Eindruck. Deshalb gingen die Leute auch nicht mehr hindurch und liefen oben über die Straße. Er selbst komme auf seinen Wegen gar nicht dorthin.
Marion Theobald (61) ist ebenfalls eine BASF-Vorruheständlerin. „Ein schönes künstlerisches Graffiti finde ich okay“, unterstreicht sie. Naziparolen und andere Schmierereien lehne sie jedoch ab. Marion Theobald findet, man solle das Anliegen der Künstlergruppe unterstützen. „Ich wollte jetzt nicht unbedingt nackte Frauen“, verrät sie – das müsse nicht sein. „Warum gehen die Künstler nicht her, machen Zeichnungen und legen sie dem Ortsbeirat vor?“, fragt sie. Das wäre für Marion Theobald eine Möglichkeit zusammen zu kommen. Eine finanzielle Förderung durch die Stadt ist ihrer Meinung nach nicht nötig. „Das bisschen Farbe kostet ja kein Geld“, betont sie.
Thomas Lutz (37) ist mit seiner Tochter Lana unterwegs. Der bei der BASF als Disponent beschäftigte Oppauer erzählt, dass es schon lange her sei, dass er durch die Unterführung gelaufen sei. „Ich bin auf jeden Fall dafür“, sagt er zu den Graffiti-Plänen für die Unterführung. Dass es bei der Motivwahl Einschränkungen hinsichtlich sexistischer, politischer und rassistischer Darstellungen geben soll, findet er okay. Dass die Stadt das Projekt fördern sollte, sei definitiv richtig. „Kunst gehört immer gefördert“, sagt Thomas Lutz und betont, „es ist besser, wenn man den jugendlichen Künstlern Flächen gibt, bevor sie Spielplätze und andere Objekte verunstalten“.
Hans Schmitt (59) ist Oppauer und seit 40 Jahren Schichtarbeiter bei der BASF. „Ich bin noch nie da durchgegangen“, bekennt er und schränkt dann ein, „vielleicht mal als Kind, als die Unterführung eröffnet wurde“. Gut fände er es, wenn die Graffiti professionelle Leute machen würden. „Es muss einen Sinn ergeben“, meint Hans Schmitt, es solle schon ein künstlerisches Aussehen haben. „Ich würde dort nicht jeden etwas hinsprühen lassen“, empfiehlt er den Verantwortlichen vom Ortsbeirat. „Man kauft ja auch keine Katze im Sack“, verdeutlicht er seine Position. Auf die Frage nach einer Förderung winkt er ab. „Die haben ja kein Geld“, sagt der Oppauer. Kindergärten und Schulen hätten die Förderung nötiger.
„Da sieht es verheerend aus“, sagt Holger Feller (56) zum Zustand der Unterführung. Und kaum sei mal was sauber gemacht, würde es schon wieder zugeschmiert. Trotzdem kann der ehemalige Halberg-Mitarbeiter Graffiti etwas Positives abgewinnen. „Wenn es schön ist, okay“, sagt Holger Feller, „aber wenn man bei der Bundesbahn vorbeifährt und beschmierte Waggons und Wände sieht, ist das grausam“. Der Oppauer findet, dass die Künstler Muster einreichen könnten, der Ortsbeirat sollte dann entscheiden. Eine offizielle Förderung lehnt er nicht ab. „Vielleicht halbe halbe die Kosten teilen oder eine Spendenaktion“, meint er.
Edith Pfeiffer (70) aus Oppau hat selbst eine künstlerische Ader. Die Seniorin malt und macht gerne Holzarbeiten. Deshalb hat sie Verständnis für die Sprayer. „Ich kenne zwar die Unterführung nicht, weil ich dort noch keine Wege hatte“, gesteht sie. Den jungen Leuten sollte man eine Möglichkeit geben, sich künstlerisch auszutoben, ihnen gegenüber offen sein. Was die Gestaltung anbelangt, empfiehlt sie, den Künstlern freie Hand zu geben. „Wer Schweinereien und Hassparolen sprühen will, fragt sowieso nicht vorher“, betont Edith Pfeiffer. Und schließlich könne man es ja wieder übermalen. Auch einer Förderung durch die Stadt steht Pfeiffer wohlwollend gegenüber.
Johanna Knepper (20) kommt ebenfalls aus Oppau und studiert Mathematik und Sozialkunde auf Lehramt. Gelegentlich läuft sie durch die Unterführung. „Es riecht dort immer komisch“, berichtet sie. Es stinke vor allem nach Alkohol und Urin. Graffiti findet die junge Studentin generell schön. Ihre Empfehlung an den Ortsbeirat: „Ich würde den Künstlern zuerst mal freie Hand lassen.“ Danach könne man darüber sprechen und eventuell etwas ändern. „Die Stadt sollte das definitiv fördern“, meint Johanna Knepper. In einem Urlaub in Berlin habe sie ganze Wände kunstvoll bemalt gesehen. „Das war richtig schön, kulturell“, schwärmt sie und verspricht sich auch für die Unterführung in Oppau eine Aufwertung durch die Graffiti.
Ortsvorsteher Frank Meier (SPD) und der Oppauer Ortsbeirat wollen im September über die Frage der Gestaltung der Unterführung entscheiden. Die Künstler wollen dabei freie Hand haben.