Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Wahrscheinlich letztes Hardrock-Open-Air an der Hochstraße

Erwarten heute Abend rund 200 Besucher: Michael Dester (links) und Holger Wieneke vom Klanghaus-Verein. ArchivFoto: KUNZ
Erwarten heute Abend rund 200 Besucher: Michael Dester (links) und Holger Wieneke vom Klanghaus-Verein. Archiv

Am Samstagabend wird es laut unter der Pasadenaallee. Verursacher sind nicht die Züge, die den nahen Hauptbahnhof passieren oder die Autos auf den Straßen drumherum, sondern nacheinander sechs Bands der härtesten Gangarten. „Ein schöner Tag im Freien“ heißt das Hardcore-Open-Air, das am Samstag zum achten und voraussichtlich letzten Mal in der Unterführung an der Hochstraße stattfindet.

„Das geht schon an die hundert Dezibel“, verspricht Holger Wieneke, der Vorsitzende der veranstaltenden Ludwigshafener Kultur- und Musikerinitiative Klanghaus. Die Örtlichkeit in der Beton-Einöde inmitten der Stadt sei dafür wie geschaffen. Weil sie einerseits verkehrstechnisch so gut angeschlossen sei und es andererseits kaum Anwohner gebe, die sich gestört fühlen könnten. Und: Alle gesetzlichen Vorschriften werden eingehalten. „Wir fangen pünktlich um 18 Uhr an und hören pünktlich um 22 Uhr auf“, kündigt Michael Dester an, der zweite Vorsitzende von Klanghaus.

Der 39-jährige Ludwigshafener, selbst Schlagzeuger bei der süddeutschen Hardcore-Band Spirit Crusher, hat das illustre Line-up zusammengestellt. Es spielen die Death-Metaller Depravation aus Gießen, Aches (Hardcore-Emo) und Snutskallar (Raw-Punk) aus Mannheim und die Zig Zags (Punk/Stoner-Rock) aus Los Angeles. Die kalifornischen Post-Metaller Kowloon Walled City sind gerade mit Neurosis auf Europa-Tournee und legen in Ludwigshafen einen Zwischenstopp ein. „Quasi der Nachwuchs aus den tiefen Kellern von Klanghaus“ sind die Metal-Youngsters KSK aus Ludwigshafen, die auch einen der Proberäume gemietet haben, die der Verein in der Unterführung bereitstellt.

In den insgesamt fünf fensterlosen und hinter dicken Türen verborgenen Proberäumen jammen regelmäßig vor allem Metal-, Punkrock- und Hardcore-Bands aus der Region. Klanghaus verwaltet und vermietet die Übungsräume bereits seit mehr als 30 Jahren. Auch Michael Dester und Spirit Crusher proben hier, ebenso war der 57-jährige Gitarrist Holger Wieneke mit gleich mehreren seiner zahlreichen Bands früher selbst hier Mieter. „Dadurch, dass wir Vereinsmitglieder ehrenamtlich arbeiten, dass wir hier in den Proberäumen die Technik haben und wir alles Weitere aus dem Haus leihen können, können wir uns das Konzert leisten“, rechnet Dester. „Das ist ein Nullsummenspiel.“

Spirit Crusher selbst treten diesmal nicht auf. „Das ist immer Doppelstress“, sagt ihr Trommler und erinnert daran, dass einmal das Ordnungsamt bei „Ein schöner Tag im Freien“ ausgerechnet dann auftauchte, als seine Band gerade spielte und er freilich hinter dem Drumset saß. Im Hauptberuf Betreiber der vegetarischen Restaurants Hausboot und Kombüse im Ludwigshafener Kulturzentrum Das Haus und im Mannheimer Jungbusch, sorgt Michael Dester diesmal vor allem für die Verpflegung der Besucher. Mindestens 200 erwarten die Veranstalter bei wie immer freien Eintritt. Bis zu 350 Gäste zählten sie schon in den zurückliegenden Jahren.

Die Fans sind auf Augenhöhe mit den Musikern, die auf dem Straßenpflaster spielen. „Es gibt keine Bühne, keine großen Umbauten, keine großartigen Ansprüche“, erläutert Wieneke und lobt den besonderen „Tunnel-Charme“. „Das ist wie ein Platzkonzert. Da wird rausgeräumt, hingestellt, gespielt und in kürzester Zeit ist wieder alles weggeräumt.“ Dester ergänzt: „Bei Regen legen wir das Konzert einfach weiter in den Tunnel und schon stehen die Leute wieder im Trockenen.“

Wegen des bevorstehenden Abrisses der Hochstraße Nord wurde Klanghaus vom Ludwigshafener Tiefbauamt aufgefordert, die fünf Proberäume in der Unterführung bis zum 31. März 2020 endgültig zu räumen. „Ein schöner Tag im Freien“, 2006 gestartet, ist damit am Ende, jedenfalls am bisher angestammten Ort. Die Suche nach neuen Proberäumen für lautstarke Bands sowie nach einem geeigneten Platz für einschlägige Konzerte sei bereits eingeleitet, so der Neuhofener Wieneke. Aber: „Da gibt es momentan noch nichts Konkretes.“

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