Ludwigshafen Ludwigshafen und die Globalisierung

„Die Pfalzsäule“ auf dem Theaterplatz: historisches Foto aus „Der heiße Frieden“.
»Die Pfalzsäule« auf dem Theaterplatz: historisches Foto aus »Der heiße Frieden«.

Für eine Fotoserie aus Ludwigshafen erhält Arne Schmitt aus Köln in diesem Jahr den mit 30.000 Euro hochdotierten Kunstpreis der Böttcherstraße. Schmitts Werk mit dem Titel „Der heiße Frieden“ – offenbar in Anlehnung an das Schlagwort vom „Kalten Krieg“ – ist noch bis 30. September in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

„Das Werk mit dem Titel ,Der heiße Frieden’ über die chemische Industrie und eine deutsche Stadt“, heißt es in der Begründung der Jury für den traditionsreichen und äußerst angesehenen Preis für zeitgenössische Kunst, „behandelt das Thema multinationale Wirtschaft und Globalisierung am Beispiel eines Unternehmens, das großen Einfluss auf eine urbane Entwicklung und ihre Kultur genommen hat. Die scharfe und dabei trockene Analyse, die Verwendung historischer Dokumente in Form von Bildern und Texten haben in den Augen der Jury höchste Aktualität. Es geht um die Archäologie der Ökonomie unserer Gegenwart.“ Der 1984 in Mayen geborene und in Köln lebende Arne Schmitt hat zwei Jahre lang Szenen in Ludwigshafen fotografiert: gegenwärtige Stadtansichten, neue Automodelle, Menschen im Alltag auf der Straße. Es hat ihn aber nicht nur die Gestalt der Stadt beschäftigt, sondern auch ihre Entwicklung seit der Nachkriegszeit. Damals wurden viele Städte wie Ludwigshafen auf den neuesten Stand der Technik gebracht und „autogerecht“ gemacht, heißt es in einer Mitteilung der Bremer Kunsthalle. Seine eigenen Aufnahmen stellt Schmitt ausgewähltem Bild- und Filmmaterial aus dem Archiv der BASF gegenüber. Der Chemiekonzern, heißt es weiter, ging nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur recht unbescholten und finanziell gesichert aus der IG Farben hervor, die für den Massenmord der Nazis das Giftgas Zyklon B hergestellt hatte. Schmitts Bildmaterial stammt zum Teil aus dem firmeneigenen BASF-Magazin, das die globale Expansion des Unternehmens bewirbt. Mit der Globalisierung des Konzerns, so machen es die Fotos deutlich, wurden die Investitionen in Ludwigshafen immer geringer, was am heutigen Zustand der Innenstadt zu erkennen ist.

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