Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Tobias Zimmermann ist der Neue an der Spitze des Heinrich-Pesch-Hauses

Hat keinen Blues, weil ihm Berlin fehlt: Pater Tobias Zimmermann.
Hat keinen Blues, weil ihm Berlin fehlt: Pater Tobias Zimmermann.

Im Herbst hat Tobias Zimmermann die Leitung des Heinrich-Pesch-Hauses übernommen. Der Jesuit hat bisher in München und Berlin gelebt und schlägt in Ludwigshafen ein neues Kapitel auf. Dabei erinnert ihn manches an die beiden Weltstädte.

Die Leitung des Heinrich-Pesch-Hauses (HPH) sei eine Aufgabe, auf die man sich unheimlich freuen könne. Das hatte Pater Johann Spermann seinem Nachfolger Tobias Zimmermann Ende September beim offiziellen Wechsel an der Spitze der Katholischen Akademie Rhein-Neckar mit auf den Weg gegeben. Spermann musste es wissen, denn er hat die Einrichtung genau zehn Jahre geleitet. Das entspannte Lächeln des Neuen beim Gespräch über seinen Einstieg knapp vier Monate später scheint dem Vorgänger recht zu geben. Gut gelaunt sagt Zimmermann: „Ich fühle mich hier pudelwohl.“ Er habe keinen Blues, weil ihm etwa Berlin fehlt, bekundet er.

Der 52-Jährige ist 1990 in den Jesuitenorden eingetreten. 2003 wurde er zum Priester geweiht. Wie erlebt er Ludwigshafen und sein unmittelbares Umfeld im Pesch-Haus, wo er auch wohnt? Zimmermann erzählt, dass er schon einige sehr nette Menschen kennengelernt habe. Außerdem hat der Theologe, Philosoph und Kunstpädagoge schon viele Bereiche in seiner neuen Stadt mit hoher Lebensqualität entdeckt. „Die Region ist kulturell sehr vielfältig“, schwärmt der passionierte Museumsgänger und Konzertliebhaber.

Frühaufsteher und Radfahrer

Weil sich der Frühaufsteher lieber aufs Fahrrad schwingt, statt mit dem Auto zu fahren, hat er auch schon längst den Nachbarstadtteil Hemshof entdeckt, der ihn sehr an sein früheres Stadtviertel in München erinnert. In der bayerischen Metropole ist er aufgewachsen.

Im HPH will Tobias Zimmermann die erfolgreiche Arbeit von Johann Spermann fortsetzen. Da in das Gebäude aus den 1970er-Jahren kontinuierlich investiert worden sei, gebe hin und wieder noch kleinere Baustellen zu bearbeiten, „aber nichts Großes“. Daher kann er sich auch ganz auf das Großprojekt Heinrich-Pesch-Siedlung konzentrieren, wobei derzeit alles planmäßig laufe.

Alltag in einer Männer-WG

Im HPH lebt Tobias Zimmermann in einer gar nicht so kleinen Männer-Wohngemeinschaft. Zurzeit gehören zu der „Kommunität“ sieben Männer, denn derzeit gebe es zwei Novizen im Pesch-Haus, die darüber nachdenken, in den Jesuitenorden einzutreten. Der neue Direktor lobt sein gutes Team: „Es macht richtig Spaß, mit den Menschen hier zu arbeiten.“

Als „Bildungsmensch“ findet Zimmermann, der seit 2003 zunächst als Seelsorger und dann als Rektor am Canisius-Kolleg in Berlin gewirkt hat, das Zentrum für Ignatianische Pädagogik im HPH besonders spannend. Ignatius von Loyola hatte vor mehr als 450 Jahren das Ziel, Menschen zu einem spirituell erfüllten und christlich engagierten Leben zu führen. In diesem Sinne bietet das Zentrum Pädagogen aller Schulen Raum, sich einzubringen, auszutauschen und so an der Zukunft des ignatianischen Profils mitzuarbeiten.

„Schüler sollen Denken lernen“

Auf dem Programm stehen die theologische und spirituelle Bildung von Lehrkräften und die Gestaltung von Schulentwicklungsprozessen. Zimmermann ist sofort Feuer und Flamme für eine Diskussion über den christlichen Humanismus heute vor dem Hintergrund von Digitalisierung und vermeintlicher künstlicher Intelligenz. „Schüler sollen Denken lernen“, fordert er.

Das Thema Ökumene spielt für ihn eine große Rolle. Er versteht darunter nicht nur die gute Zusammenarbeit mit protestantischen Christen. Bereits in Berlin sorgte er für Schlagzeilen, weil er eine muslimische Lehrerin mit Kopftuch eingestellt hatte. Das gefiel nicht allen. Zimmermann verstand die Aufregung nicht: „Unsere Gesellschaft ist voll mit religiösen Symbolen“, antwortete er selbstbewusst seinen Kritikern.

Zur Sache: Heinrich-Pesch-Haus

Namensgeber des Hauses in der Frankenthaler Straße 229 ist der Jesuit und Nationalökonom Heinrich Pesch (1854 bis 1926). Er kämpfte nach Angaben der katholischen Einrichtung zeitlebens gegen eine rein sachbezogene Betrachtung des Wirtschaftens. Soziale Gerechtigkeit und die Bedeutung des Menschen standen für ihn im Mittelpunkt. Peschs Verständnis von Gesellschaft hat auch maßgeblich die Inhalte des Grundgesetzes geformt. Pater Felix zu Löwenstein war der führende Kopf, als in der Nachkriegszeit in der Region ein Institut für christliche Soziallehre aufgebaut werden sollte. In zwei Kellerräumen eines Hauses in der zerstörten Mannheimer Innenstadt begann die Bildungsarbeit. Der Bedarf übertraf alle Erwartungen. Rasch wurde mehr Raum benötigt. 1974 konnten die Jesuiten und ihre Mitarbeiter schließlich in das heutige Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen umziehen. Träger des Hauses ist ein gemeinnütziger Verein, dem die Diözese Speyer, der Jesuitenorden und die katholischen Gesamtkirchengemeinden Ludwigshafen und Mannheim angehören. Das Haus bietet Interessierten und Fachkräften den Rahmen für Information und Austausch in verschiedenen Formaten. Die Bildungsarbeit konzentriert sich dabei auf Religion und Spiritualität, Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft, Mitarbeitervertretung, politische Jugendbildung und Familienbildung.

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