Ludwigshafen
Ludwigshafen steht unter keinem schlechten Einfluss
Sie packen neue Handys aus, lackieren sich die Nägel, shoppen Klamotten und wollen dabei vor allem zwei Dinge: Die teuren Livestyle-Produkte „fer umme“ haben und noch nebenbei Geld verdienen auf Instagram und Tiktok. Man mag es belächeln, aber Influencer („Beeinflusser“) haben teuren Werbeagenturen schon längst den Rang abgelaufen. Selbst Luxuskonzerne wie LVMH Moët Hennessy setzen auf die neue Macht und stellen ihre Produkte exklusiv den beliebtesten Influencern vor.
Die Währung der Influencer sind ihre Follower, also Menschen, die die Werbefilme abonniert haben. Generell kann man sagen, dass sogenannte Micro-Influencer (5000 bis 20.000 Follower) pro Beitrag zwischen 30 und 270 Euro verlangen können, während Mega-Influencer (über eine Million Follower) zwischen 15.000 Euro oder mehr für einen Post verlangen können. Generell gilt: Werbung über YouTube ist teurer für die Unternehmen, als Instagram-Storys.
Besonders erfolgreich liefen in Deutschland in diesem Jahr Werbekampagnen für Google, Audible oder die Luxusmarke Moncler, die auf zwei Influencer setzte, um einen Mantel zu bewerben. Die Tiktok-Influencer Carli D’Amelio und Bella Porch erzielten damit 7,6 Milliarden Aufrufe.
Influencer sitzen überall
Nun, die Influencer von Welt sitzen überall, posen vor ihren Handy-Kameras und jubeln in den schrillsten Tönen über Mäntel, Düfte, Reisen, Sportklamotten. Dass sie dabei tun, als wären sie „ganz normale Leute“, also Zugehörige zu jenen Gruppen, denen genau die Lifestyle-Produkte angedreht werden sollen, macht die Sache kompliziert. Denn wenngleich es um knallharte Werbung geht, ist sie doch als Tipp „von einem von uns“ verpackt. Das macht viele Menschen anfällig für Influencer-Werbung – zumal sie eher beiläufig immer wieder von Instagram, Tiktok oder YouTube „vorgeschlagen“ wird.
Immerhin: In Ludwigshafen gibt es praktisch keine Influencer, wie jetzt eine Untersuchung der Agentur „Netzschreier“ ergeben hat. Lediglich 370 Influencer mit mindestens 1000 Followern gibt es in Ludwigshafen, also kommen 2,10 Influencer auf 1000 Einwohner, hat die Agentur ausgerechnet. Unter Deutschlands 50 größten Städten landet Ludwigshafen damit auf dem letzten Platz. Demnach kommen in Deutschlands größten Städten durchschnittlich 16,73 Influencer auf 1000 Einwohner. Die höchste Influencer-Dichte gibt es in Essen (32,92, 18.900 Influencer gesamt), Frankfurt (30,55, 22.900) und Stuttgart (30,5, 18.700).
Wer übrigens vermutet hat, dass Berlin auf Platz eins der Influencer-Hitliste landet: Falsch getippt. Die Stadt mit 3,66 Millionen Einwohnern hat nur 98.800 Influencer – kommt damit auf eine Quote von 26,98. Mannheim landet übrigens auf dem 14. Platz (10,75, 3400) und Ludwigshafen eben auf dem letzten Platz. Wahrscheinlich, weil in Ludwigshafen die Menschen eher auf das Bauchgefühl vor einer Kaufentscheidung setzen und übertriebene Gefühlsausbrüche nur beim nächsten Weinfest gestattet sind. Kurzum: Wenn Werbung in Ludwigshafen, dann will man sie in der Stadt als echte Werbung haben.