Ludwigshafen
Ludwigshafen: Stadt und Hilfsdienste regeln Katastrophenschutz neu
Der Katastrophenschutz in Ludwigshafen ist neu aufgestellt worden. Am Donnerstagabend haben Stadt, Feuerwehr und fünf Hilfsdienste den entsprechenden Vertrag unterzeichnet. In diesem ist genau geregelt, wer bei Unglücken welche Aufgabe übernimmt – und wer an die Brötchen denken muss.
Großbrand Parkinsel, Gasexplosion in Edigheim und Explosionsunglück bei der BASF – die drei Beispiele von Jochen Hummel, zweiter stellvertretender Feuerwehrchef und Verantwortlicher für den Katastrophenschutz, genügten, um allen Gästen die Bedeutung der Vertragsunterzeichnung am Donnerstagabend vor Augen zu führen. In der neuen Katastrophenschutzhalle an der Ecke Ignaz-Büttner-/Robert-Mayer-Straße im Maudacher Gewerbegebiet haben die Stadt und fünf Hilfsorganisationen eine neue Vereinbarung für Einsätze im Katastrophenfall unterzeichnet. Hier ist genau definiert, wie die Feuerwehr mit Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutschem Roten Kreuz (DLRG), Johanniter-Unfallhilfe, Malteser-Hilfsdienst und Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) bei großen Schadensfällen zusammenarbeitet und wer welche Aufgaben hat.
Die alte Vereinbarung aus dem Jahr 2011 hat die modernen Anforderungen an Technik und Abläufe nicht mehr erfüllt und ist daher 2017 von der Stadt gekündigt worden – mit dem Ziel, einen neuen Vertrag auszuarbeiten. Als neuer Vertragspartner mit dabei ist nun die DLRG. Die Berufsfeuerwehr nimmt eine Sonderrolle ein, da sie für die Stadt den Katastrophenschutz koordiniert. „Aber wir können das nicht alleine leisten, wir brauchen dafür Unterstützung“, sagte Jan Deubel, erster stellvertretender Feuerwehrchef. Er ergänzte: „Ohne die Ehrenamtlichen der Blaulichtfamilie wäre der Katastrophenschutz nicht existent.“
Die Halle misst 60 mal 25 Meter
Der Einsatz im Katastrophenfall wird durch den aktuellen Vertrag nun auf neue Beine gestellt und verbessert. Davon ist Hummel fest überzeugt. So müsse die Stadt hier ein modernes Konzept vorweisen, damit sie vom Land Zuschüsse für neue Fahrzeuge und Geräte bekommt. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Halle in Maudach. Sie wurde 2015 geplant und sollte zunächst als Flüchtlingsunterkunft werden. Dazu kam es wegen der rückläufigen Zahlen jedoch nie. Aktuell beherbergt die Halle noch die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte, die von der Parkinsel nach Maudach umgezogen ist. Die Wehr hofft, Anfang 2020 in ihr neues Gerätehaus direkt neben der Katastrophenschutzhalle umziehen zu können.
Die gut zwei Millionen Euro teure und 60 mal 25 Meter große Halle verfügt über eine 70 Zentimeter starke Betonplatte. „Hier werden zentral Sandsäcke, Feldbetten, Geräte und Fahrzeuge gelagert beziehungsweise abgestellt“, sagte Hummel. Wenn künftig alles an einem Ort sei, könne man bei Einsätzen schneller reagieren. Für die Hilfsdienste seien die Unterstellmöglichkeiten für die Fahrzeuge komfortabler. „Wichtig ist auch die Nähe zum Technischen Hilfswerk, das ja auch im Maudacher Gewerbegebiet ansässig ist und uns dann gleich beim Verladen unterstützen kann“, erläuterte Hummel. Außerdem können die Hilfsdienste künftig auch Räume in der Katastrophenschutzhalle für die Weiterbildung nutzen – und die Halle ist groß genug für Übungen.
„Sie sind Alltagshelden“
Das neue Vertragswerkswerk regelt aber auch personelle Fragen bei großen Einsätzen: Zwei schnelle Einsatzgruppen sollen sich beispielsweise gezielt um Verletzte kümmern (hier sind DRK und Unfallhilfe vorgesehen), andere übernehmen die Sozialbetreuung von Menschen, die in Sammelunterkünften untergebracht werden. Neu ist auch eine Versorgungseinheit der Feuerwehr, die sich um die Verpflegung der Einsatzkräfte kümmern soll. Sie hat ihre Feuertaufe übrigens am 22. August bestanden. Als die Hochstraße Süd gesperrt worden war, rückte die Feuerwehr zur Sicherheit an zwei Stationen im Stadtgebiet aus. „Wir wussten nicht, ob ein Verkehrschaos ausbricht und wollten so sicherstellen, dass wir zu Einsätzen kommen können“, sagte Hummel. Chaos und Einsätze gab es zwar nicht. „Da unsere Leute dort aber gut fünf Stunden in Bereitschaft waren, bekamen sie vor Ort was zu trinken und Steakbrötchen.“
Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) nutzte die Vertragsunterzeichnung auch für ein „Dankeschön von ganzem Herzen“. Der ehrenamtliche Einsatz bei Hilfsdiensten sei nicht selbstverständlich: „Sie sind für mich Alltagshelden.“