Ludwigshafen Ludwigshafen: Neue Nord-Süd-Achsen für Radler
In Ludwigshafen sollen die Angebote für Radfahrer verbessert werden. Das fordert der Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Dessen Mitglieder waren mit einem Verkehrsplaner in der Stadt unterwegs und sehen vor allem für die Max- und Berliner Straße einfache Verbesserungsmöglichkeiten.
Dieter Netter, Ulrich Vogel und Manfred Lauer engagieren sich auch deshalb im VCD, weil sie über kurz oder lang den Verkehrskollaps in Ludwigshafen befürchten. „Die Stadtspitze nimmt das Verkehrsvolumen hin und verteilt es anders. In der Hoffnung, dass dann die Probleme geringer werden. Aber keiner bemüht sich, die Verkehrsmenge zu reduzieren.“ Das sagt Vogel in aller Deutlichkeit. „Es fehlt der politische Wille“, ergänzt Netter, der für die Grünen im Ortsbeirat Nord sitzt. Dabei loben auch die drei Verbesserungen für Radfahrer wie die neue Abfahrt von der Konrad-Adenauer-Brücke, die aktuell zudem verlängert wird, oder die Nextbike-Leihfahrräder.
Mehr Sicherheit für Radfahrer
Doch insgesamt müsse sich viel mehr tun, damit mehr Menschen bereit seien, das Auto stehen zu lassen. Denn genau das sei wichtig, um die angestrebte Verkehrswende zu erreichen und die Probleme zu verringern. Auf Einladung des VCD war deshalb im November der Verkehrsplaner Christoph Hupfer mit einigen Mitgliedern in der Innenstadt unterwegs. Das Ziel, eine bessere und sichere Verbindung für Radfahrer von Nord nach Süd, etwa von der BASF bis zur Parkinsel. Am besten geeignet sind demnach als zentrale Achsen die Berliner Straße und die Maxstraße. Wobei der Wissenschaftler der Berliner Straße die Rolle einer Schnellstrecke zuschreibt, während die Maxstraße als Verbindung zur Fußgängerzone dienen soll. „Mit dem Konzept könnten wir auch die Radfahrer aus der Fußgängerzone rausholen. Dort fahren viele ja nur, weil es auf anderen Strecken derzeit zu gefährlich ist“, sagt Netter. Das von Hupfer ausgearbeitete Konzept solle demnächst der Stadtspitze und auch den Ratsfraktionen zugeschickt werden. Auf mehreren Seiten sind da die Vorschläge im Detail erläutert – samt Ideen, wie man alles kostengünstig umsetzen lässt. „Das kostet nur ein paar Markierungen und keine 120.000 Euro wie die 600 Meter Radweg in der Heinigstraße“, verdeutlicht Lauer. Hier die zwei konkreten Vorschläge: •Der Verkehrsexperte lobt die Berliner Straße, da es hier zum Teil schon einen eigenen Radweg gibt. Auszubauen sei das Angebot etwa noch im Abschnitt zwischen Wörth- und Wredestraße. An der großen Kreuzung zur Kaiser-Wilhelm-Straße seien Markierungen nötig, um Konflikte zwischen Rad- und Autoverkehr zu verhindern. Im Abschnitt zwischen Jaeger- und Bahnhofstraße gebe es zwar zwei Radwege. Einer davon sei jedoch oft von Autos blockiert. Der Vorschlag hier: Den Radverkehr komplett auf die andere Spur verlegen und auf dieser das Fahren gegen die Einbahnstraße erlauben. „Woanders wird das flächendeckend und ohne Probleme praktiziert. Bei uns wird das Thema seit Jahren nur geprüft“, bemängelt Netter. •In der Maxstraße halten die VCD-Mitglieder und der Experte das Autoaufkommen für so gering, dass Rad- und Pkw-Fahrer gemeinsam die Straße nutzen sollten – auch hier wieder gegen die Einbahnstraße. „Das wird ohne Gefahren funktionieren“, ist Vogel überzeugt.
Radwege und öffentlicher Nahverkehr
Nach Meinung der drei VCD-Vertreter sollten die Vorschläge von der Politik ernsthaft geprüft werden. Von einer Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr halten sie nichts. „Die Bismarckstraße sollte für die Fußgänger bleiben“, so Netter. Ohnehin gehe es dem VCD darum, Flächen, die bisher etwa als Parkplätze dienen, den Menschen zurückzugeben. Nur mit attraktiven Radwegen und einem guten öffentlichen Nahverkehr könne es gelingen, Menschen zum Verzicht aufs Auto zu bewegen. Elementar seien Verbesserungen in den Randbereichen. Vogel möchte die Oberbürgermeisterin um Mitternacht zum Berliner Platz einladen. „Dann kann Jutta Steinruck mit uns auf den Bus warten.“ Wichtig seien ein besserer Takt bei den Nachtbussen und mehr Angebote am Wochenende.