Ludwigshafen
Ludwigshafen: Neue Chefin für 100 Polizisten
Um die Sicherheit von rund 95.000 Bürgern in der Hälfte der Ludwigshafener Stadtteile kümmert sich nun eine Frau: Katja Brill. Die 37-jährige Limburgerhoferin ist gestern in ihr Amt als Leiterin der Polizeiinspektion Ludwigshafen II eingeführt worden. Sie löst Kai Antes ab, der nach Pirmasens wechselt. Die Neue ist Handballerin und hat vom Sport einiges für den Beruf gelernt.
Drei Jahre leitete Kai Antes (37) die Inspektion II, die ihren Sitz in Oppau hat. Nur wenige Tage nach seinem Dienstantritt kam es am 17. Oktober 2016 zu dem Explosionsunglück im BASF-Nordhafen, in dessen Folge fünf Menschen starben und ein Millionenschaden entstand. Für die Dienststelle im nahegelegenen Oppau bedeutete das Unglück den Ausnahmezustand. Die Beamten mussten den Unglücksort absperren und den Verkehr umleiten. Eine gewaltige Aufgabe, denn das BASF-Kombiterminal, in dem der Frachtverkehr per Zug und Lkw abgewickelt wird, war tagelang gesperrt.
Es blieb nicht der einzige ungewöhnliche Großeinsatz, den Kai Antes mit seinem Team aus rund 100 Polizeibeamten zu bewältigen hatte. Im Juni 2017 starb Altkanzler Helmut Kohl in seinem Wohnhaus in Oggersheim. Die Polizisten sicherten den Bungalow und sorgten später bei Kohls Beerdigung für freie Fahrt. Der Sarg mit dem Altkanzler wurde zu einem europäischen Staatsakt per Hubschrauber von Ruchheim nach Straßburg ins Europaparlament geflogen. Dann ging’s wieder zurück nach Ludwigshafen, wo vor der Trauerfeier und der Beisetzung in Speyer der Trauerzug noch eine Ehrenrunde durch Ludwigshafen drehte.
400 Sondereinsätze in drei Jahren
Rund 400 sogenannte Sondereinsätze sind in den drei Jahren in der Oppauer Inspektion aufgelaufen, berichtete Antes bei seiner Verabschiedung. Dazu zählten Stadtteilfeste, Kerwen oder Fasnachtsumzüge. Das Zuständigkeitsgebiet der Inspektion umfasst neben den nördlichen Stadtteilen Oppau, Edigheim und der Pfingstweide auch Friesenheim, den Hemshof, West, Ruchheim und Oggersheim, wo es eine eigene Polizeiwache gibt, die zur Inspektion gehört. In dem Gebiet leben 95.000 Menschen, für deren Sicherheit die Beamten sorgen.
Zum Alltag der Polizei gehörten während Antes’ Dienstzeit auch 950 Fälle von Gewalt in engen sozialen Beziehungen, etwa, wenn ein Mann seine Frau schlägt und Nachbarn den Notruf wählen. 40 Mal mussten die Streifenwagen Täter verfolgen und in 123 Fällen wurden die Beamten selbst Opfer von Gewalt. „Diese Zahlen zeigen die Belastung der Kollegen im Dienst“, meinte Antes. Die Einführung der Elektroschockpistole im Streifendienst (Taser) im vergangenen Jahr habe sich bewährt. Seitdem habe es bei seiner Inspektion keine verletzten Kollegen mehr gegeben. Antes dankte zum Abschied seinem Team und seinem mittlerweile pensionierten Stellvertreter Uwe Weil. „Die Zusammenarbeit mit euch hat mir Spaß gemacht.“ Polizeipräsident Thomas Ebling attestierte seinem scheidenden Inspektionsleiter eine „Führungskraft mit viel Elan und Herzblut für den Dienst“ zu sein.
Kai Antes ist zum 1. Oktober nach Pirmasens gewechselt, wo er die dortige Polizeiinspektion leitet und stellvertretender Chef der Polizeidirektion ist, die für die Stadt Pirmasens und das Umland zuständig ist. Für Antes ist der Wechsel in die Westpfalz ein Aufstieg und auch privat passt es: Der Familienvater lebt mit seiner Frau, die ebenfalls Polizeibeamtin ist, und den beiden Kindern in Kaiserslautern. Das Pendeln in die Vorderpfalz entfällt.
Von Limburgerhof nach Trier gependelt
In Sachen Pendlerstrecke hat die neue Leiterin der Oppauer Inspektion bis vor Kurzem eine rekordverdächtige Distanz bewältigt: Katja Brill fuhr täglich von ihrem Wohnort Limburgerhof nach Trier, wo sie zwei Jahre im Führungsstab des dortigen Polizeipräsidiums arbeitete. Sie stammt ursprünglich aus dem Saarland und trat 2004 in den Polizeidienst des Landes Rheinland-Pfalz ein. Nach ihrem Studium an der Hochschule der Polizei war sie bis 2013 in verschiedenen Bereichen des Polizeipräsidiums Rheinpfalz eingesetzt, unter anderem in Schifferstadt, Speyer, bei der Bereitschaftspolizei und auch in Oppau, wo sie nun die Chefin ist. „Mein Ziel war es, einmal eine große Polizeiinspektion zu leiten. Ich bin stolz und glücklich, dieses Ziel nun erreicht zu haben“, sagte die 37-Jährige bei ihrer Amtseinführung. Ihre Aufgabe in Trier habe nicht nur viel Fahrerei bedeutet, sie habe dort sehr viel gelernt.
Brill ist seit 27 Jahren aktive Handballerin und spielt für die Spielgemeinschaft Dudenhofen/Schifferstadt. Daher wählte sie einen Sportvergleich für ihre neue Aufgabe: „Eine Mannschaft kann auch mal ohne den Trainer spielen – aber ohne Mannschaft kann ein Trainer nichts bewirken.“ Sie wolle den Teamgedanken stärken und eine offene und ehrliche Kommunikation mit ihren Mitarbeitern pflegen, sagte die 37-Jährige. Denn als „Managerin“ einer Dienststelle gehe es zwar auch um Budgets und Arbeitsqualität, aber am wichtigsten sei der Umgang mit Menschen. „Ich wünsche Spaß bei der Arbeit und das nötige Quäntchen Glück“, sagte Polizeipräsident Thomas Ebling.