Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen ist Teil eines Netzwerks der Friedhofskultur

Gabriele Bindert und Peter Nebel enthüllten das neue Schild am Hauptfriedhof.
Gabriele Bindert und Peter Nebel enthüllten das neue Schild am Hauptfriedhof.

Die Stadtverwaltung will Tod und Trauer ins Leben holen: Ludwigshafen ist Teil eines Netzwerks von über 100 Städten, die zum „Tag des Friedhofs“ am Sonntag ihre Friedhöfe mit Schildern als „Kulturräume des immateriellen Erbes Friedhofskultur“ kennzeichnen.

Besondere Aktionen zum „Tag des Friedhofs“ seien pandemiebedingt nicht vorgesehen, sagte Gabriele Bindert als Leiterin des Bereichs Grünflächen und Friedhöfe im Wirtschaftsbetrieb (WBL) am Freitag. Bereits am 20. März habe die Kultusministerkonferenz (KMK) die „Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe“ auf Empfehlung der Deutschen Unesco-Kommission beschlossen. „Aufgrund des Corona-Lockdowns wurde die bundesweite Aktion aber auf den Tag des Friedhofs verschoben“, so Bindert.

Initiiert worden sei die Auszeichnung der Friedhöfe vom „Kuratorium immaterielles Erbe Friedhofskultur“, das sich laut Bindert „der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben“ hat. Doch was bedeutet die Auszeichnung über die Beschilderung der Haupteingänge des Hauptfriedhofs und der acht Stadtteilfriedhöfe hinaus? „Es sind nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Erbe ernannt worden“, erklärte WBL-Werkleiter Peter Nebel. Vielmehr gehe es um „all das, was die Menschen auf dem Friedhof tun“. Er nannte dazu Beispiele: „Dazu gehört das Trauern, Erinnern und Würdigen genauso wie das Gestalten, Pflegen und Weiterentwickeln.“

„Ort der Lebenden“

„Der Friedhof ist auch ein Ort der Lebenden“, ergänzte Bindert. Als solcher trage er „weit über die Trauerhalle hinaus identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft“. Diese zeige sich etwa in der „historischen Dimension der Denkmäler“. Zudem bilde der „Kulturraum Friedhof den größten Skulpturenpark unserer Stadt und ist zugleich Inspirationsfläche für viele Kunstformen“.

Besonders wichtig sei die „soziale Funktion: Der Friedhof ist Treffpunkt für Familien oder Angehörige und wirkt auch der Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen“, sagte Bindert. Außerdem zeige sich der Friedhof „über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg als ein Ort der Integration und des Friedens“.

„Bürgerbeteiligung“ wünscht sich Bindert, wenn es im Rahmen des städtischen „Friedhofsentwicklungsplans“ um die künftige Gestaltung geht. „Ortsbeiräte, Bestatter oder Friedhofsgärtner“ wie auch „die Politik“ sind für sie Vermittler, wenn es um Fragen wie die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier gehe. „Auch Kinder wollen wir in ihrer Trauerarbeit unterstützen“, ergänzte Heike Rippl, Leiterin der Abteilung Friedhöfe und Krematorium.

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