Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Initiative will Carsharing auch im Stadtnorden

Der Anschluss an den Nahverkehr ist bei einer Carsharing-Station wichtig, wie hier am S-Bahnhof Mundenheim.
Der Anschluss an den Nahverkehr ist bei einer Carsharing-Station wichtig, wie hier am S-Bahnhof Mundenheim. Foto: KUNZ

In Ludwigshafen gibt es bisher Carsharing-Fahrzeuge in neun von 14 Stadtteilen. Das Angebot für die Leihautos konzentriert sich auf den Stadtkern. Eine Verkehrsinitiative will den Anbieter Stadtmobil auch nach Oppau oder Edigheim holen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Von Michael Schmid

Die Idee des Carsharing ist simpel: Man verzichtet auf ein eigenes Auto und leiht sich als Kunde eines Anbieters einen Wagen, wenn man ihn wirklich braucht. Dafür zahlt man Beiträge, hinterlegt eine Kaution und rechnet die Einzelfahrten ab. Dafür spart man Benzinkosten, Versicherung, Steuer und laufende Kosten, etwa für neue Reifen. Die Zielgruppe sind Gelegenheitsfahrer, die unter 10.000 Kilometer im Jahr mit einem Auto zurücklegen. Wer wenig fährt, für den rechnet sich ein eigenes Autos nicht mehr.

Stadtmobil ist der größte Carsharing-Anbieter in der Rhein-Neckar-Region und hat mittlerweile 12.000 Mitglieder, denen in rund 25 Kommunen 600 Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Während es in Mannheim und Heidelberg jeweils rund 4000 Stadtmobil-Kunden gibt, machen in Ludwigshafen bisher lediglich 500 Menschen von dem Angebot Gebrauch.

Die Verkehrsinitiative Ludwigshafen möchte gerne eine Carsharing-Station in den Ludwigshafener Norden bekommen. „In Oppau, Edigheim und der Pfingstweide leben 30.000 Menschen“, sieht Vorsitzende Helene Ludwig (69) durchaus Bedarf dafür. Doch bei Stadtmobil ist für die Einrichtung einer neuen Station die Kundenzahl ausschlaggebend. „Über 20 Kunden sollten vorher schon vorhanden sein, damit sich ein Standort auch trägt“, sagt Stadtmobil-Vorstand Mariam Caroli (40).

Parkplatznot ein Faktor

Carsharing funktioniere dort gut, wo die Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt auch ohne Auto möglich sind und der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) gut ausgebaut ist. Denn dies mache es einfacher, aufs Auto zu verzichten. In Dörfern und Randgebieten von Städten sei das mitunter schwierig. Auch der Parkdruck in bestimmten Vierteln erleichtere den Abschied vom eigenen Auto. „Wer erst einmal abends 45 Minuten nach einem Parkplatz in der Nähe seiner Wohnung suchen muss, für den wird das eigene Auto irgendwann zu Ballast“, sagt Caroli. Daher finden sich Carsharing-Stationen – also reservierte Parkplätze für die Leihwagen – häufig in dicht bebauten Stadtvierteln, in denen Parkplatznot herrscht. Deshalb sind in Ludwigshafen die meisten Ausleihstationen in Friesenheim, im Hemshof und in Süd. In den nördlichen Stadtteilen gibt es kein Angebot.

David Williams (47) wohnt in Edigheim, engagiert sich in der Verkehrsinitiative und ist Stadtmobil-Kunde. Der Familienvater muss derzeit nach Friesenheim radeln, um sich ein Auto für einen Großeinkauf auszuleihen. „Wegen der Anfahrt nutze ich Carsharing weniger. Hätte ich eine Station hier um die Ecke, würde ich es mehr nutzen“, sagt der Brite, der freiberuflicher Übersetzer ist. Er komme gut ohne eigenes Auto klar, wünscht sich aber eine besseres Angebot vor Ort. Zusammen mit seinen Mitstreitern von der Verkehrsinitiative sucht Williams nach genügend Menschen, die auf den eigenen Wagen verzichten und Stadtmobil-Kunden werden wollen.

Noch sechs Interessenten fehlen

„In den nördlichen Stadtteilen gibt es 14 Stadtmobil-Mitglieder – aber das reicht noch nicht, um ein Auto hierher zu bekommen“, sagt Helge Moritz (63) von der Initiative. Als Standorte für die Ausleihstationen kämen für ihn zwei Möglichkeiten in Betracht: der Ostringplatz in Edigheim und die Endhaltestelle in Oppau. Letztere wäre für Leute ohne Auto am besten zu erreichen. „Es fehlen noch etwa sechs Leute, die mitmachen“, hofft Williams, dass bald auch im Norden die kritische Kundenmasse für eine Station erreicht wird. Bei Stadtmobil mit Hauptsitz in Mannheim kennen die Verantwortlichen die Wünsche aus dem Ludwigshafener Norden. „Wir wachsen jedes Jahr – auch in Ludwigshafen. Aber wir brauchen ausreichend Kunden, bevor wir in Vorleistung mit einer neuen Station treten“, sagt Vorstand Caroli. Es dauere etwa fünf Jahre, bis sich eine neue Station trage. Daher setze Stadtmobil auf ein „organisches“ Wachstum. „Es wird daher noch dauern, bis wir in den nördlichen Stadtteilen eine Station einrichten. Natürlich sind 14 Leute kein schlechter Grundstock, wir brauchen aber über 20 Vielnutzer und keine Karteileichen“, sagt Caroli. Wo die Nachfrage am höchsten sei, dorthin kämen auch die Autos. Denn Stadtmobil müsse wirtschaftlich arbeiten. Ludwigshafen sei für Carsharing generell ein schwierigeres Pflaster als Mannheim oder Heidelberg. Das liege am schlechteren Nahverkehrsangebot, aber auch an der Bevölkerungsstruktur.

Das sagt auch Dieter Netter (60), Ludwigshafener Vorstandsmitglied des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und Stadtmobil-Mitarbeiter: „Die durchschnittlichen Carsharing-Kunden sind gut ausgebildet, verdienen besser und brauchen kein Auto als Statussymbol.“ Netters Erfahrung: „Wer einen Parkplatz vor der Haustür findet, der steigt eher nicht um.“ Stadtteile wie die Pfingstweide wurden mit Parkdecks autogerecht geplant. Ein guter Nahverkehrsanschluss sei ebenfalls eine Grundvoraussetzung für Carsharing. Auch da gebe es in Ludwigshafen Nachholbedarf. Gleichwohl sagt er: „Ich finde das Engagement der Verkehrsinitiative toll. Aber das wird im Ludwigshafener Norden wohl noch eine Weile dauern.“

Ruchheim lohnt sich nicht

Eher dörfliche Stadtteile mit vielen Einfamilienhäusern nebst Carport sind für Carsharing-Anbieter kein lohnendes Terrain. In Ruchheim, wo ebenfalls über eine Stadtmobil-Station diskutiert wurde, hieß es von Seiten der Stadtverwaltung, dass sich ein solches Angebot nicht wirtschaftlich betreiben lasse. Den Ludwigshafener Norden will Stadtmobil aber „im Auge behalten“, wie Vorstand Caroli sagt.

Die Verkehrsinitiative will ihren Teil dazu beitragen, dass in absehbarer Zeit eine Station kommt. Schließlich zeige die neue Buslinie nach Frankenthal, dass alternative Verkehrsmittel zum eigenen Auto durchaus von den Bürgern angenommen werden. „Der Bus hat eingeschlagen wie ein Bombe. Jetzt sollten wir es mit Carsharing einfach mal versuchen“, sagt Helene Ludwig.

Noch Fragen?

Wer sich fürs Carsharing interessiert, kann sich bei Stadtmobil über Telefon 0621/12855585 oder im Netz unter www.stadtmobil.de informieren. Kontakt zu Helene Ludwig und zur Verkehrsinitiative Ludwigshafen gibt’s unter Telefon 0621/665108.

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