Ludwigshafen Ludwigshafen: Hochstraße Süd droht langfristige Sperrung

Seit 22. August ist die Hochstraße Süd gesperrt.
Seit 22. August ist die Hochstraße Süd gesperrt. Foto: KUNZ

Seit rund einem Monat ist die Hochstraße Süd in Ludwigshafen gesperrt. In der Stadtratssitzung am Montag deutete sich eine längerfristige Sperrung an. Wie es dann weitergeht, ist noch offen.

In der Stadtratssitzung verwies Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (57, SPD) zunächst auf die laufenden bautechnischen Untersuchungen, die sich voraussichtlich noch bis Mitte oder Ende Oktober hinziehen werden. Wenn die Ergebnisse vorliegen, soll entschieden werden, ob die Trasse, die bis zur Sperrung täglich von bis zu 60.000 Fahrzeugen befahren wurde, überhaupt wieder geöffnet werden kann. Möglicherweise gebe es schon am Dienstag eine erste „Wasserstandsmeldung“ von einem Gutachter.

„Eine Öffnung ohne weitere Maßnahmen dürfte vermutlich nicht möglich sein“, sagte Steinruck dem Stadtrat. Die Verwaltung arbeitete daran, die Hochstraße „irgendwie wieder zu öffnen oder ein Provisorium zu schaffen“. Und es würden Pläne dafür entwickelt, falls die marode Trasse gar nicht mehr geöffnet werden kann.

Ohne Stabilisierung keine Freigabe für Verkehr

Deutlicher wurde Kämmerer Andreas Schwarz (SPD), der kommissarisch den erkrankten Baudezernenten Klaus Dillinger (CDU) vertritt. Nach aktuellen Erkenntnissen könne die Trasse in ihrem jetzigen Zustand nicht für den Verkehr freigegeben werden, sagte Schwarz. Der 500 Meter lange Teilabschnitt „Pilzhochstraße“ wurde am 22. August gesperrt, weil sich Risse an den Trägerstützen (Pilzen) vergrößert haben. Ohne zusätzliche Stabilisierung der Stützen sei keine Freigabe für den Verkehr denkbar, meinte Schwarz. Auch ein Abriss und Neubau des Teilabschnitts sei möglicherweise notwendig. Ähnlich äußerte sich auch der Hochstraßenprojektleiter der Stadt, Björn Berlenbach: „Wir sind weit weg von jeglicher DIN-Norm.“

Gespräche über Finanzierungsfrage

Die Stadtspitze setzt bei allen Varianten auf die finanzielle Hilfe von Bund und Land. Sie führe aktuell Gespräche auf Ministerebene, sagte die OB. Klar sei mittlerweile, dass das Finanzierungspaket für den Abriss der Hochstraße Nord nicht noch einmal aufgeschnürt werden solle und eine neue Vereinbarung zwischen Stadt, Land und Bund für die Südtrasse verhandelt werden müsse. Über den Stand der Verhandlungen in dieser Frage wollte sich Steinruck nicht äußern, alle Beteiligten hätten sich auf Stillschweigen verständigt. Die OB meinte nur: „Wir sind auf guten Wegen.“ Und appellierte an alle: „Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren.“

CDU fordert Zwischenbericht

Die folgende Debatte im Stadtrat blieb dann auch weitgehend sachlich. SPD-Fraktionschef David Guthier lobte das Notfallmanagement der Stadtspitze nach der Sperrung, das geholfen habe, ein großes Verkehrschaos zu vermeiden. CDU-Fraktionschef Peter Uebel schloss sich dieser Einschätzung an, regte aber an, dass Gutachter den Gremien des Stadtrats so schnell wie möglich über Ergebnisse von Belastungstests an der Hochstraße berichten sollten. „Wir brauchen einen Zwischenbericht“, sagte Uebel. Es müsse klar werden, ob nur noch ein Abriss möglich sei oder auch Reparaturarbeiten in Frage kämen.

Die „Grünen im Rat“ werteten die lange Dauer der Untersuchung der Hochstraßen-Stützen als schlechtes Zeichen und rechnen mit keinem guten Ergebnis, wie Hans-Uwe Daumann sagte.

FDP: Baudezernat ist ratlos

Thomas Schell (FDP) kritisierte die Ratlosigkeit im Baudezernat der Stadt angesichts der Lage. Die Hochstraße Süd sei eigentlich als Umleitungsstrecke während des Abrisses der Hochstraße Nord gedacht gewesen. Es fehle ein klarer Plan, wie es jetzt weitergehen solle.

Auch Rainer Metz (FWG) meinte, der Verwaltung sei es gelungen, in Ludwigshafen das große Verkehrschaos zu vermeiden – aber in Mannheim sehe es zu bestimmten Zeiten anders aus. Metz forderte endlich einen Zeitplan und ein Konzept für die Sanierung der Hochstraße Süd, denn der schlechte Zustand der Trasse sei ja schon länger bekannt. Pascal Bähr (AfD) sprach von jahrzehntelanger Fehlplanung bei den Hochstraßen und einem mangelhaften Unterhalt der Trassen, was OB Steinruck vehement zurückwies.

Kommentar

Üble Aussichten

Von Michael Schmid

Die Hochstraße Süd wird erst einmal dicht bleiben. Die Sperrung könnte sehr lange Zeit dauern. Ein Verkehrsinfarkt droht.

Man muss kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass die Hochstraße Süd erst einmal gesperrt bleiben wird. Noch liegen nicht alle Statikgutachten vor, aber es zeichnet sich ab, dass die Trasse in einem miserablen Zustand ist. Niemand will die Verantwortung übernehmen, das marode Bauwerk wieder für den Verkehr zu öffnen. Alle haben die Schreckensbilder aus Genua vor Augen, wo vor rund einem Jahr eine Autobahnbrücke eingestürzt ist und Fahrzeuge und ihre Insassen mit in die Tiefe riss. 43 Menschen starben.

In Ludwigshafen bleiben den Verantwortlichen nun zwei Möglichkeiten: Die bestehende Trasse mit den Pilzen wird so gestützt, dass erst einmal wieder Fahrzeuge darüber rollen können und man sich weiter Gedanken um eine dauerhafte Lösung machen kann. Oder die 60 Jahre alte Konstruktion wird abgerissen und durch eine neue Straße ersetzt. Beide Varianten werden sich nicht von heute auf morgen umsetzen lassen. Außerdem ist die Finanzierungsfrage noch ungelöst. Klar ist nur: Die hochverschuldete Stadt kann die Reparatur oder gar einen Neubau aus eigener Kraft nicht stemmen.

Ein zeitlicher Konflikt mit den Abrissarbeiten an der Hochstraße Nord scheint aus heutiger Sicht unausweichlich. Das schlechteste Szenario wäre: Wenn die Bagger 2023 anfangen, die Nordtrasse zu zerlegen, steht die Hochstraße Süd nicht als Umleitung zur Verfügung. Der Region droht ein Verkehrsinfarkt.

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