Ludwigshafen Ludwigshafen entgeht einem Tornado
Die Trichterwolke war gegen 16.35 Uhr zu sehen. Wenn eine solche Wolke Bodenkontakt bekommt, spricht man von einem Tornado. Einige Menschen haben die ungewöhnliche Wolkenformation am Himmel bemerkt und Fotos gemacht. Die Säule am Himmel war in Ludwigshafen und in Neuhofen im angrenzenden Rhein-Pfalz-Kreis gut zu sehen, wie Bilder belegen. Zu diesem Zeitpunkt ging ein Unwetter über der Region nieder. Eine solche Wolkenformation entsteht bei Schauer- und Gewitterzellen. Eine rotierende Luftsäule kann sich dabei bilden. Berührt die Windhose den Boden, kann sie großen Schaden anrichten, erläutert Wetterexperte Wolfgang Lähne von Klima Palatina. Am Montag hätten dafür die meteorologischen Bedingungen nicht ausgereicht.
Wohl aber zumindest für eine weitere Trichterwolke über dem Großraum Mannheim/Ludwigshafen. Dies teilt Adrian Leyser, Tornado-Experte beim Deutschen Wetterdienst mit. „Uns haben gestern etliche Fotos erreicht, auch von einer zweiten Trichterwolke“. Keine der beiden Wolken soll Bodenkontakt gehabt haben, sagt Leyser. Gänzlich ausschließen wolle der Fachmann dies jedoch nicht. „Da uns aber bisher weder eindeutiges Bildmaterial, noch Schadensmeldungen vorliegen, läuft dieser Fall bis auf Weiteres als Tornadoverdacht.“
Damit es zu einem Tornado komme, brauche es am Boden feuchte, warme Luft und in der Höhe trockenere und kältere Luftmassen sowie unterschiedliche Windrichtungen, sagt Lähne. Die instabilen Luftmassen beginnen zu rotieren, was zu einem Trichter führe. Erreicht dieser Trichter den Boden, werden die Windgeschwindigkeiten auf die Erdoberfläche übertragen. Tornados seien in der Region sehr selten, eine Häufung sei durch den Klimawandel in der Pfalz noch nicht zu beobachten, meint der Experte. Trichterwolken seien häufiger als ein Tornado zu sehen.
Jährlich zirka 45 Tornados in Deutschland
In Deutschland werden nach DWD-Informationen jährlich etwa 45 Tornados nachgewiesen, dazu gebe es eine hohe Dunkelziffer. Tornados können auch direkt über dem Stadtgebiet entstehen, wenn die atmosphärischen Voraussetzungen dafür gegeben sind, erklärt DWD-Fachmann Leyser.
In der Pfalz behinderten die Mittelgebirgszüge Pfälzer Wald und Odenwald die Bildung solcher Wirbelstürme. Es brauche dafür weiträumig flaches Gelände wie in der norddeutschen Tiefebene, schildert Lähne. Trotzdem seien auch in unserer Region Tornados möglich. Im Juli 2019 kam es in der Verbandsgemeinde Freinsheim und im Leiningerland zu einem Tornado, der eine Schneise der Verwüstung durch die Region zog: Dächer wurden abdeckt, Bäume entwurzelt, Rebstöcke zerstört. Dabei handelte es sich laut Lähne aber um einen verhältnismäßig schwachen Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten zwischen 118 und 180 Kilometern pro Stunde. Tornados der höchsten Kategorie, die man aus den Nachrichten in den USA kenne, seien hierzulande eher nicht zu erwarten. Dennoch habe in Pforzheim 1968 ein ausgewachsener Tornado gewütet, der zwei Menschen das Leben kostete.
Auch herkömmliche Gewitterstürme können mit Orkanböen erheblichen Schaden anrichten: Dabei wurde im Juli 2019 das Dach des Gymnasiums in Schifferstadt zerstört. Der Sturm schlug eine etwa 800 Meter breite Schneise im Rhein-Pfalz-Kreis und entwurzelte viele Bäume. Im Juli 1999 zog ein Orkan mit einer Gewitterfront über Ludwigshafen und Mannheim. Im Hafen wurden Schiffscontainer vom Wind umgerissen. 665 Schadensmeldungen gingen alleine bei der Ludwigshafener Feuerwehr ein. „Ich war damals auf dem Heimweg. Ich saß in der Straßenbahn, die stoppte, weil ein Baum auf die Gleise gestürzt war“, erinnert sich der 64-jährige Lähne noch gut an das Unwetter.