Ludwigshafen
Ludwigshafen: Einer der ersten ausländischen Schüler organisiert Klassentreffen
21 Schüler, die 1969 aus der Friesenheimer Rupprechtschule entlassen worden sind, versammeln sich in der Gaststätte „Rheintal“ zu ihrem 50-Jährigen. Mit von der Partie ist ihr damaliger Lehrer Ewald Ledig – und natürlich Dimitri Antonopoulos, einer der ersten ausländischen Schüler und der Organisator des Klassentreffens.
Ab der fünften Klasse im Jahr 1965 wurden fast alle Grundschüler der Goetheschule in die Friesenheimer Rupprechtschule übernommen. Dort erlebten sie mit ihrem Klassenlehrer Ewald Ledig Vieles, an das sie sich noch gerne erinnern.
Die Schule hatte vor zehn Jahren ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert, berichtet Dimitri Antonopoulos, der das Treffen organisiert hat und nun einen Stapel Jubiläumsschriften an seine ehemaligen Schulkameraden verteilt.
Eine weitere Deutschstunde statt Englisch
Klassenlehrer Ewald Ledig kam damals als Junglehrer an die Rupprechtschule. Er führte ein Schultagebuch und konnte daraus einige originelle Begebenheiten zum Besten geben. „Keine Schwänke, nur Wahrheiten“, überschrieb er seine Ausführungen. Der Jahrgang, der 1969 aus der Schule entlassen wurde, habe Einiges an rheinland-pfälzischer Geschichte erlebt. Die Schüler seien von der Gräfenau- und Goetheschule in die Rupprechtschule gekommen. Dort hätten sie zwei Kurzschuljahre absolviert, mit denen die Einschulung vom Frühjahr in den Spätsommer verlegt wurde. Gegen Ende ihrer Schulzeit sei die Volksschule aufgelöst und in der Hauptschule das neunte Schuljahr eingeführt worden. Auch Englisch habe man damals als Unterrichtsfach eingeführt. „Ja, Kurs A und B“, ruft es da aus der Runde. Einige hätten aber kein Englisch gehabt, dafür eine weitere Deutschstunde.
Die konnte Dimitri Antonopoulos auch recht gut gebrauchen. Mit seiner Schwester Patrizia, die ein Jahr älter als er ist, waren die Geschwister die ersten ausländischen Schüler, die 1960 und 1961 in die Goetheschule im Hemshof eingeschult wurden. Der Papa war Schichtarbeiter in der BASF, die Mama zuhause und sprach kein Deutsch. Da waren die Deutschkenntnisse der Kinder auch nicht gerade überwältigend.
„Versetzung gefährdet“
„In der Grundschule hatten wir vier Jahre lang ,Versetzung gefährdet’ im Zeugnis stehen – wegen mangelnder Sprachkenntnisse“, erinnert sich Antonopoulos. Seine Mitschüler waren fast alle Fußballer im Verein. „Wir waren alle aus der BASF-Kolonie, aus den Gartenwegen“, erzählt er. Und mit ihnen war er auch schon im Kindergarten. Das Fußballspielen habe die Integration entscheidend erleichtert.
Nach der Schule habe er es geschafft, in der BASF eine Lehrstelle zu bekommen. Starkstromelektriker habe er gelernt und schon nach der Zwischenprüfung auf Elektromechaniker umsatteln können. Anschließend hat er dann die Hochschulreife nachgeholt und ein Studium der Elektrotechnik absolviert. Auch gesellschaftlich engagierte er sich. Er war im Landeselternbeirat. Sein Rezept für Integration: „Lasst die Kinder einfach zusammenkommen.“
Helmut Kohl als prominentester Schüler
Lehrer Ewald Ledig gab weitere interessante Details zur Schule zum Besten. So sei der prominenteste Schüler Helmut Kohl gewesen, der von 1936 bis 1940 hier zur Schule ging. „Katholiken, Protestanten und Orthodoxe lernten gemeinsam, aber die Geschlechter waren strikt getrennt“, erinnert sich der Lehrer. Eine rote Linie habe Schulgebäude und Schulhof in zwei Sektoren getrennt; Pausenaufsichten hätten darauf geachtet, dass auch auf dem Schulhof kein Kontakt zwischen Jungs und Mädels zustande kam.
Höhepunkte seien die Schullandheimbesuche gewesen. Drei Mal sei man da gewesen. „Am schönsten war es mit der Mädchenklasse von Frau Vogel“, erinnert sich Klaus Leithner. „Da gab es dann für uns auch keine rote Linie mehr“, merkt er an. Und ein weiteres Detail aus der Schullandheimzeit lässt viele Schmunzeln. „Nach einem Besuch in der BASF zu einem Test brachten die Schüler Bier mit“, erzählt Ledig. Dass sie dann das Leergut aus dem Fenster in die Hecken warfen, wurde ihnen zum Verhängnis. Für den Lehrer war schnell klar, was da passiert war – und die Konsequenz daraus ebenfalls: Es wurde ein Unterrichtstag eingelegt.