Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Dämmerumzug lockt Tausende Fasnachter in die City

Viele Hexen trieben am Samstag ihr Unwesen auf den Straßen.
Viele Hexen trieben am Samstag ihr Unwesen auf den Straßen. Foto: KUNZ

Ludwigshafen zählt nicht wie Köln, Düsseldorf oder Mainz zu den Hochburgen der Fasnacht. Bei der Straßenfasnacht samt Dämmerumzug kann die Chemiestadt jedoch inzwischen mithalten. Zum Auftakt der närrischen Kampagne hat am Samstag die Guggemusik der Huddelschnuddler wieder Tausende Zuschauer in die City gelockt.

Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) ist in der närrischen Zeit als „Jutta I. vun de Gass“ unterwegs. Sie konnte den Einbruch der Dunkelheit am Samstag kaum abwarten. Wieder einmal säumten über 10.000 Besucher die Straßen der Innenstadt und ließen die Fasnacht „uff de Gass“ hochleben. Ob Klein oder Groß, Jung oder Alt: Menschen aus unterschiedlichen Kulturen genossen bei kühlen Temperaturen die vielen Darbietungen auf der Bühne vor dem Lichttor und auch den bunten, urigen und lauten Lindwurm der Guggemusiker und Hexen. 59 Gruppen mit über 1200 Aktiven kamen diesmal an den Rhein.

Auch zahlreiche Ludwigshafener Vereine mit ihren Fußgruppen mischten beim Dämmerumzug mit. Da durften Hexen, Geister und Domänen nicht fehlen. Sie sorgten bei Dunkelheit auch für manche Schreckmomente auf der knapp zwei Kilometer langen Strecke. Etliche Gruselgestalten hatten lauter Unsinn im Sinn, zogen so manchen Zuschauern Hut und Kappe ab und massierten Konfetti ins Haar.

Wölfe verteilen Geschenke und Süßigkeiten

Die Hollberghexe, die Geißbergteufel, die Hettrumer Grubehexen, die Uuunwedda-Hexe mischten sich sogar mit ihren Besen unter das Volk. Sie massierten den Zuschauern den Rücken und die Beine. Gruselig waren auch die Masken der Dämonen-Hexen aus Karlsruhe oder der Saalbachhexen aus Bruchsal und die allseits beliebten Riedberger Moorschlammbe, die sich zu Späßen hinreißen ließen. So wie die Murgtal-Wölfe und die Wolfsteufel aus Waldkirch in Südbaden. Sie verteilten kleine Geschenke und Süßigkeiten an die jungen Besucher. Denn Hexen und Geister können auch lieb sein.

Das Publikum ließ sich von der Begeisterung für die Straßenfasnacht inspirieren und zeigte sich ebenfalls in bester Laune. „So etwas kennen wir nicht“, sagte Mohamad Ahmad, der mit seiner fünfjährigen Tochter das Spektakel beobachtete. Der 35 Jahre alte Familienvater stammt aus Syrien. Es waren nicht nur die schillernden und teils sehr fantasievollen Kostüme, die die Zuschauer staunen ließen, sondern auch die Namen der Gruppen zeugten von sehr viel Einfallsreichtum. Es hätten auch deutlich mehr sein können. „Wir mussten einigen Gruppen aus Kapazitätsgründen absagen“, bedauerte Jockel Mendel, einer der Initiatoren und zugleich Vorsitzender der Huddelschnuddler. „Das Interesse der Gruppen, die beim Dämmerumzug dabei sein wollen, steigt alljährlich“, verriet Mendel.

Zehn Stunden Frohsinn

Die Veranstaltung, die zum neunten Mal über die Bühne ging, erfreut sich immer größerer Beliebtheit in der Region. Dicht gedrängt standen die Zuschauer vom Theaterplatz bis zum Rathaus-Center und ließen die Straßenfasnacht hochleben, die nach fast zehn Stunden Frohsinn und Heiterkeit mit einem Feuerwerk auf der Dachterrasse endete.

Zur Sache: Die Narren stürmen das Rathaus

Das gab es in Ludwigshafen noch nie: OB Jutta Steinruck wird in dieser Kampagne auch karnevalistisch aktiv sein. Der Große Rat krönte sie nach der Rathausstürmung am Samstag zur Königin „Jutta I. vun de Gass“. Da staunte die Stadtchefin, als Präsident Christoph Heller sie als Königin vorschlug und ihr dann in Anwesenheit des Stadtvorstands und der Ortsvorsteher die Krone nebst Zauberstab und goldenem Apfel überreichte. „Ich ernenne dich zur Königin von Ludwigshafen, löse dich von den Aufgaben als OB und ich mache dich zur Monarchin der Stadt“, sagte Heller und küsste die Stadtchefin. Dieses Amt wurde bisher noch keiner Person verliehen.

Jutta Steinruck freut sich auf die närrische Kampagne. „Wo ist da der König?“, meinte sie süffisant. „Den werden wir dir noch backen“, versprach Heller. Frohsinn und Heiterkeit waren angesagt, und die OB erwies sich als echter Fan der Fasnachter. Bei allen Sorgen der Ludwigshafener Politik hat die OB ihren Humor nicht verloren. Die neue Königin versprach, dass ab sofort bei karnevalistischen Veranstaltungen vor Ort keine Strafzettel wegen Falschparkens verteilt werden und dass die Stadträte verpflichtet werden, die karnevalistischen Veranstaltungen zu unterstützen. Auch soll nach dem Abriss des Rathauses der Hauptbahnhof wieder in die Innenstadt verlagert werden. „Sollten diese Punkte nicht erfüllt werden, dann ist der Präsident verantwortlich“, meinte Steinruck.

Eine stattliche Abordnung von Garden und Elferräten der zwölf Mitgliedsvereine sowie das Präsidium des Großen Rats hatten zuvor das Rathaus gestürmt.

Aus Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck wurde „Jutta I. vun de Gass“.
Aus Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck wurde »Jutta I. vun de Gass«. Foto: KUNZ
Die Ludwigshafener Narren stürmten das Rathaus.
Die Ludwigshafener Narren stürmten das Rathaus. Foto: KUNZ
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