Ludwigshafen
Ludwigshafen: Beratungsstelle für Männer mit Problemen
Männer leiden ebenso oft wie Frauen unter psychischen Problemen und Konflikten, reden aber nicht gern darüber – sagen Fachleute. Die Möglichkeit, ein offenes und vertrauliches Gespräch von Mann zu Mann zu führen, und falls notwendig, auch professionelle Hilfe zu bekommen, bietet in Ludwigshafen seit einigen Monaten eine „Männerberatungsstelle“ an.
„Männer sind außen hart und innen ganz weich, werden als Kind schon auf Mann geeicht. Wann ist ein Mann ein Mann?“ lautet der Text eines bekannten Lieds. Die klassische Männerrolle, die der Sänger Herbert Grönemeyer beschreibt, sitzt zweifellos auch heute noch in vielen Köpfen. In der Praxis äußert sich diese oft in einem dominanten Rollenverhalten in Ehe und Partnerschaft. Nicht selten führt dies zu Konflikten in der Familie, bei der Kindererziehung und der Beziehung zur Partnerin. Jüngere Männer sehen sich dagegen Schwierigkeiten in der Schule oder am Ausbildungsplatz gegenüber, fühlen sich gemobbt oder überfordert.
Bisher keine Hilfsangebote
Die Themen sind so vielfältig wie die Altersgruppen. Arbeitslosigkeit, Depression und Burn-out, Gewalterfahrung, Sexualität und Vaterschaft, Trennung und Beziehungsprobleme – „in allen Lebenslagen machen wir das Angebot für ein offenes Gespräch“, sagt Sozialpädagoge Norbert Ries (61), der sich ehrenamtlich in der Beratungsstelle engagiert. Die Männerberatung sei gegründet worden, weil es in Ludwigshafen kein Hilfsangebot mit einem männlichen Ansprechpartner gegeben habe, betont Ries mit Blick auf den erheblichen Frauenanteil im Sozialbereich.
Er habe die Männerberatung in anderen Städten kennengelernt. Da sei die Idee entstanden, so etwas auch in Ludwigshafen anzubieten. „Es gab hier bisher für junge Männer oder Väter gar nichts, keinerlei Hilfe“, betont Ulli Baumann, der die Männerberatung mit Ries zusammen ins Leben gerufen hat. Baumann ist Vorsitzender des sozial engagierten Vereins „Schutzraum“, der bereits Projekte für junge Männer in schwierigen Lebenslagen betreibt. „Wir wollten ein niederschwelliges Angebot bieten und erste Anlaufstelle sein“, sagen beide. Wenn es erforderlich sei, könne der Ratsuchende an Spezialisten wie Ärzte, Anwälte oder Psychologen weiterverwiesen werden. Seit der Gründung sei bisher in rund 40 Fällen Beratung geleistet worden. Viele der Ratsuchenden kämen jedoch mehrmals. Manche Männer wollten einfach reden, brauchten eine Bestätigung für ihr Verhalten oder einen Rat.
Probelen von Trennungssituationen
Rund die Hälfte sei in einer akuten Trennungssituation, schätzt Ries. „Männer in Trennung haben oft niemanden, mit dem sie reden können. Bei uns können sie sich endlich aussprechen“, sagt der Sozialpädagoge. Einige kämen nicht aus freien Stücken, sondern durch Auflage des Jugendamts wegen Kindeswohlgefährdung, räumt Ries ein, der hauptberuflich im Interventions-Zentrum gegen Häusliche Gewalt in Landau beschäftigt ist. Vor diesem Hintergrund würde er gern das neue Präventionsprojekt „Fürsorgliche Väter“ starten, meint er. Denn das Problem, dass Autorität auf Angst und Drohung aufbaut und nicht auf Vertrauen, führe oft zurück in die Kindheit der Männer.
Opfer häuslicher Gewalt
Zu den Ratsuchenden zählten allerdings auch Männer, die selbst Opfer häuslicher Gewalt geworden seien. Die Dunkelziffer sei hier gewaltig. „Das ist schambesetzt, die Opfer gehen nicht zur Polizei“, weiß Ries. Auch psychische Gewalt und Demütigung durch Frauen sei nicht selten. Für die Männerberatungsstelle in Ludwigshafen sieht er großen Bedarf. Allerdings sei das Angebot derzeit wohl noch nicht so bekannt. Auch Mitstreiter werden noch gesucht. „Der Verein Schutzraum finanziert die Beratung bisher über Spenden, wir bekommen keinerlei Förderung“, verweist Vereinsvorsitzender Baumann diesbezüglich auf eine glatte Absage seitens der Stadt.
Noch Fragen?
Die Beratung ist für Ratsuchende kostenlos. Sie findet immer mittwochs, 14 bis 18 Uhr, bei Schutzraum e. V., Turmstraße 8 statt, Telefon 0621/18065224. Mehr Infos im Netz unter www.schutzraum-ev.de.