Ludwigshafen
Ludwigshafen: BASF verlagert Lkw-Zufahrt in den Norden
Die BASF reagiert auf die aktuelle Verkehrssituation in Ludwigshafen und verlagert die Werkszufahrt für Lastwagen. Ab 2022 sollen alle Lkw durch das Tor 15 in die Anilin fahren. Der Konzern investiert einen Millionenbetrag in eine zusätzliche Abfertigung auf einem Parkplatz an der Kläranlage. Langfristig soll noch ein neues Logistikzentrum auf Frankenthaler Gemarkung folgen.
Rund 2500 Lastwagen steuern jeden Tag die BASF an, liefern und laden Waren. In einem Durchmesser von bis zu 500 Kilometern rund um Ludwigshafen fahren die Sattelschlepper. Transportiert werden beispielsweise Produkte des Chemiekonzerns für die Automobilindustrie – und die müssen zu einer bestimmten Zeit vor Ort sein, sonst drohen Vertragsstrafen. Umgekehrt muss auch die Warenlieferung ins Werk möglichst reibungslos laufen. Was die BASF daher am wenigsten gebrauchen kann, sind kilometerlange Staus rund um ihr Stammwerk.
Die Pläne der Stadt Ludwigshafen für ihre maroden Hochstraßen hat der Chemiekonzern deshalb genau verfolgt. Hinter dem Werkszaun wurden mit Computern Verkehrsszenarien durchgespielt. Die Lage hat sich durch die einsturzgefährdete Pilzhochstraße zugespitzt. Im günstigsten Fall dauert es bis 2025, bis ein neue Hochstraße im Süden gebaut ist. Danach soll die Hochstraße Nord abgerissen und eine ebenerdige Stadtstraße gebaut werden, wofür weitere acht Jahre veranschlagt sind. Angekündigt sind auch noch Arbeiten an der Pylonbrücke. Die Großbaustellen an den beiden Hochstraßen werden den Verkehr im Ludwigshafener Stadtgebiet für etwa 15 Jahre beeinträchtigen. Das ist ein Problem für die BASF.
Neues Logistikkonzept
BASF-Manager waren am Dienstagabend im Ortsbeirat Oppau zu Gast und erläuterten ihre Pläne für die Zukunft. „Unsere Risikoanalysen haben gezeigt, dass unsere Logistikfähigkeiten gefährdet sind“, sagte Philipp Wotke, der Projektleiter für Entlastungsmaßnahmen im Güterverkehr. Es sei mit Staus zu rechnen und einem Verkehrskollaps, falls es einen Unfall gebe oder andere Störungen, ergänzte Ralf Busche, der für die Standortlogistik zuständig ist. „Es geht nicht darum, nur ein paar Jahre zu überbrücken. Wir müssen unsere Gesamtlogistik neu aufstellen“, sagte Rolf Haselhorst, Leiter des Standortmanagements.
Der Konzern wird auf die Lage in Ludwigshafen reagieren. Bisher wurden Lastwagen an den Toren 11 und 15 abgefertigt. Das Tor 11 wird über die Brunckstraße in Friesenheim angefahren. Doch das ist ein neuralgischer Punkt, denn von Oppau über die Brunckstraße kommende Lkw müssen an einer Ampel links ins Werk einfahren. Von Süden rollt der Zulieferverkehr über die Hochstraße Nord. Rund 1000 Lkw werden derzeit täglich am Tor 11 abgefertigt. Künftig soll die Zufahrt dafür nicht mehr genutzt werden.
Tor 15 wird ausgebaut
Der Lkw-Verkehr soll in etwas mehr als zwei Jahren komplett über das Tor 15 abgewickelt werden. Dort rollen momentan rund 1500 Laster ins und aus dem Werk. Um das Zusatzaufkommen von 1000 Lkw zu bewältigen, wird ein vorhandener nahegelegener Ausweichparkplatz an der BASF-Kläranlage ausgebaut. Zusätzliche Gebäude zur Abfertigung werden dort errichtet. Auch die Abfertigungsmöglichkeiten am Tor 15 sollen erweitert werden, etwa durch zusätzliche Fahrspuren. Nach Angaben der BASF-Manager investiert der Konzern einen „substanziellen Millionenbetrag“ in den Ausbau. Der Bauantrag wird bis Sommer gestellt. Anfang 2022 soll die neue Lkw-Abfertigung in Betrieb gehen. Ab dann werden keine Laster mehr die BASF über die Brunckstraße ansteuern. Die Zufahrt zum Tor 15 läuft über die A 6 und die B 9 – unabhängig von den Hochstraßenbauarbeiten.
Doch die Logistikpläne des Konzerns gehen noch weiter: Auf einer 100 Hektar großen Ackerfläche nördlich der Kläranlage plant die BASF auf Frankenthaler Gemarkung ein Logistikzentrum mit Lager- und Versandmöglichkeiten sowie einer Abfüllanlage. Das Areal gehört bereits dem Konzern, Gespräche mit der Stadt Frankenthal über eine Baugenehmigung laufen. Nach Einschätzung der Manager wird es noch einige Jahre dauern, bis dieses zusätzliche Logistikzentrum als Erweiterung zum Güterverkehrszentrum am Tor 15 gebaut werden kann. Angedacht ist dabei auch eine zusätzliche Straße als Direktverbindung vom Bereich der Kläranlage zum Werk. „Das ist noch ein Planspiel, aber wir müssen zehn Jahre in die Zukunft denken“, sagte Standortlogistiker Busche.
Einwurf: Vernünftig
Die BASF bereitet sich auf den Fall vor, dass neben der Hochstraße Süd auch die Nordtrasse nicht mehr von Lastwagen befahren werden kann. Es gibt zwar noch die Schiene und den Wasserweg, aber der Lkw-Verkehr ist von existenzieller Bedeutung für das Stammwerk. Es ist daher vernünftig, die Lkw-Abfertigung am Tor 11 aus dem Stadtkern hin in den Norden ans Tor 15 zu verlagern. Wie unwägbar die Lage bei den Hochstraßen ist, hat der nun anstehende Abriss der Südtrasse gezeigt. Für Anwohner in Friesenheim bedeutet die BASF-Entscheidung eine Entlastung. Sie werden künftig 1000 Lkw-Fahrten weniger vor ihrer Haustüre haben. Die Anilin wird die Verlagerung ihrer Logistik viel Geld kosten. Die Investition ist auch ein Bekenntnis zum Stammwerk in Ludwigshafen.