Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Lotsen im Klinik-Labyrinth: Wie Ehrenamtliche Patienten helfen

Wichtige Stützen im Klinik-Alltag (von links): Christa Kiene, Christa Klug, Renate Schmitt, Anna Mieczkowski, Gabi Claudino und
Wichtige Stützen im Klinik-Alltag (von links): Christa Kiene, Christa Klug, Renate Schmitt, Anna Mieczkowski, Gabi Claudino und Gisela Becker.

Die Ehrenamtlichen der christlichen Krankenhaushilfe am Klinikum bekommen viele Geschichten zu hören. Eine von ihnen erzählt von einem besonders traurigen Fall.

„8000 bis 10.000 Schritte sind durchaus drin“, sagt Renate Schmitt. Christa Klug nickt zustimmend. Beide gehören zum Lotsendienst am Mannheimer Universitätsklinikum (UMM). Schmitt erst seit einem Jahr, Christa Klug bereits seit Ende 2010. Sie sind damit Teil der ehrenamtlichen Dienste der christlichen Krankenhaushilfe des Caritasverbands Mannheim, wozu auch der Kinderbesuchsdienst, der Begleitdienst auf der Geriatrie sowie die „Kinderoase“ gehören. In allen Bereichen werden dringend weitere Interessierte gesucht.

„Gäbe es dieses Ehrenamt nicht, wäre das ein großer Verlust für Patienten und deren Angehörige und zugleich eine Zusatzbelastung für das Klinikpersonal. Das Spielzimmer, die ,Kinderoase’, hätten wir vermutlich gar nicht. Denn das zahlt uns keine Krankenkasse“, unterstreicht ein Klinikumsprecher die Bedeutung der freiwillig geleisteten Dienste, für die sich Pflegedirektorin Yvonne Dintelmann kürzlich persönlich bei den Ehrenamtlichen bedankt und zu einer Jubiläumsfeier eingeladen hatte.

Erste Anlaufstelle

Denn alle Dienste zusammengerechnet, sind es 75 Jahre christliches Ehrenamt an der UMM. Allein 30 Jahre können die Lotsen beisteuern. Sie stehen Montag bis Freitag von 7.30 bis 11.30 Uhr an der Hauptaufnahme bereit und sind oft erste Anlaufstelle für Patienten, um ihnen den Weg zu Stationen, Ambulanzen und Untersuchungen zu erklären und sie im Bedarfsfall zu begleiten.

Wie schwer es ist, sich im Klinik-Labyrinth zurechtzufinden, weiß Christa Schmitt nur zu gut. „Es gibt immer noch viele Ecken, in denen ich auch nach einem Jahr noch nicht war“, sagt sie. 25 Jahre hatte sie bei der Caritas gearbeitet und suchte nach dem Eintritt in den Ruhestand nach einer sinnvollen Beschäftigung. „Weil ich mich noch gut daran erinnern konnte, wie ratlos ich in der Klinik stand, als mein Mann vor zwölf Jahren mit einem Schlaganfall eingeliefert worden und ich hinterhergefahren war. Da kam ich auf den Lotsendienst“, erläutert sie ihre Beweggründe, diejenigen auffangen zu wollen, die in einer ähnlichen Lage sind.

Die Schatten von Ramstein

Die Leute würden diese Hilfe grundsätzlich gerne annehmen. Angehörige seien mitunter zwar angespannt. „Aber das darf man nicht persönlich nehmen“, weiß Schmitt. Die Patienten seien dankbar und würden das auch sagen. „Viele sind froh, dass sie ein bisschen mit uns erzählen können und vertrauen uns dabei auch Dinge an, die einem unter die Haut gehen“, ergänzt Christa Klug. Sie erinnert sich an das Zusammentreffen mit einem Mann, der noch viele Jahre nach dem Flugtagunglück von Ramstein wegen seiner Verletzungen in die Uniklinik kommen musste und ihr bei einem dieser Besuche erzählte, dass er an jenem Tag Frau und Kind verlor.

Das Klinikum am Neckar ist das größte Mannheimer Krankenhaus.
Das Klinikum am Neckar ist das größte Mannheimer Krankenhaus.

Auf rund 10.000 Schritte pro Tag bringen es Gisela Becker und Christa Kiene zwar nicht. Denn ihr fester Platz ist in der „Kinderoase“, die nach pandemiebedingter Schließung ab 1. Juni wieder in Betrieb ist. Die beiden Frauen bringen daher mit Anna Mieczkowski, Gabi Claudino und anderen Mitstreiterinnen dort erst einmal wieder alles auf Vordermann, putzen durch und räumen auf. „Wir sind die Spielomas, die verhinderten Großmütter“, sagt Kiene und will damit zum Ausdruck bringen, dass das Kümmern um die Geschwisterkinder, während Eltern das kranke Kind auf Station besuchen, auch ihr ganz viel zurückgibt.

„Habe Zeit zu verschenken“

Die Enkelkinder der ehemaligen Lehrerin wohnen weit weg. „Ich spiele gerne und habe Zeit zu verschenken“, sagt Kiene. Oft kämen die Familien von weit her, wüssten nicht, wo sie während des Krankenhausbesuchs die Kinder unterbringen können, und freuen sich daher über das Angebot der „Kinderoase“. „Wir fragen nicht, spielen mit den Kindern, lesen vor und machen auch Hausaufgaben“, berichtet Gisela Becker, die sich dort seit 15 Jahren engagiert.

Doch es bleibe nicht aus, dass die Geschwisterkinder von sich aus erzählen, sich ausheulen und einfach nur Trost brauchen und auch bekommen. „Die Eltern sind uns dankbar, dass sie zumindest für eine kurze Zeit Verantwortung abgeben können und ihre Kinder gut betreut wissen“, erzählen Kiene und Becker.

Auch die „Kinderoase“ sucht dringend Helferinnen und Helfer, um den Idealzustand einer Sieben-Tage-Öffnung rund ums Jahr wieder herzustellen. Im Augenblick kann nur an Wochenenden von 14 bis 17 Uhr eine Betreuung angeboten werden.

Kontakt

Interessierte können sich – wie für die anderen christlichen Dienste auch – an Martin Kohl, Telefon 0621 12602-31, wenden.

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