Ludwigshafen
Lotsen im Behördendschungel
Christiane Dörsch ist eine von derzeit sieben sogenannten Stadtteileltern, die sich ehrenamtlich engagieren. Für sie kam das neue Projekt wie gerufen. Lange Jahre war sie in der Pharmazie tätig, doch sie wollte etwas für Menschen tun, wurde zunächst Lernpatin, unterstützte ein Mädchen aus einer fünfköpfigen kurdisch-syrischen Familie. Doch für Dörsch ging ihr Engagement schnell über die Lernpatenschaft hinaus. Sie hörte von dem Projekt „Stadtteileltern für Stadtteilfamilien“ und ist seit März dabei.
„Es geht einerseits darum, den Kindern Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken, aber eben auch ganz praktisch Hilfe zu leisten, dort anzupacken, wo man mich braucht“, unterstreicht Dörsch. Das können Termine bei Ämtern und Behörden sein, bei der Berufsberatung oder in der Schule. Sich im deutschen System zurechtzufinden, auf diesem Weg begleitet sie die Familie. Zwei bis sechs Stunden, „mal mehr und mal weniger“, unterstützt sie die Familie pro Woche. „Mal melden sie sich, mal frage ich nach“, sagt sie. Die Familie, so erzählt Dörsch, sei ihr ans Herz gewachsen, fungiert sie doch auch ein Stück weit als „Ersatz-Oma“. Die komplette Verwandtschaft sei im Heimatland.
Auch als Brückenbauer gearbeitet
Als Lotsin im Behördendickicht verstehen sich auch Dimitrichka Dimitrova und ihre Schwiegertochter Funda Dimitrova. Als Ehrenamtliche hat Dimitrichka Dimitrova schon seit 2015 als Integrationsbegleiterin des Projekts „Brückenbauer“ gearbeitet. „Wir sind eine Stadt mit Migrationshintergrund und Ludwigshafen braucht solche Projekte“, betont Dimitrova, die bei den „Stadtteileltern“ eine alleinerziehende Mutter mit einem schwer geistig behinderten Kind betreut.
„Ich berate, wenn es um die Pflegestufe oder Medizinisches geht, vereinbare Termine bei Ärzten, gehe mit hin“, sagt Dimitrova, die hauptamtlich in der pädagogischen Familienhilfe der Ökumenischen Fördergemeinschaft tätig ist. Sie und Schwiegertochter Funda haben ein großes Plus: Neben Deutsch sprechen sie auch Türkisch und Bulgarisch, helfen Sprachbarrieren zu überwinden. Die Stadt, ihre Strukturen, ihre Angebote näher kennenzulernen, auch das ist ein Teil der ehrenamtlichen Arbeit. „Kürzlich bin ich mit meiner „Stadtteilfamilie“ auf einem Familienfest im Friedenspark gewesen“, berichtet Funda Dimitrova.
Von BASF unterstützt
Das Projekt „Stadtteileltern für Stadtteilfamilien“ wird von der BASF gefördert und in Kooperation mit dieser sowie der Stadt Ludwigshafen unter der Leitung des Diakonischen Werks Pfalz umgesetzt. Das Projekt habe die Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe und den Abbau von Diskriminierung zum Ziel, erläutert Hannele Jalonen, Integrationsbeauftragte der Stadt Ludwigshafen. Die Schirmherrschaft hat Osman Gürsoy (SPD), Ortsvorsteher der Nördlichen Innenstadt, übernommen. Seit März für das Projekt verantwortlich ist Samira Fischer. Sie ist auch für die „Matches“ zuständig, bringt also Familien mit Bedarf – das Gros von ihnen hat einen Migrationshintergrund – und die „Stadtteileltern“ zusammen.
Die Ehrenamtlichen werden mit einer Aufwandsentschädigung entlohnt und in Workshops auf ihre Arbeit vorbereitet. „Neben dem Fachwissen, das wir dort vermitteln, wollen wir auch emotional unterstützen“, erklärt Fischer. Ein- bis zwei Stunden, so schätzt sie, brauche es in der Anfangszeit, um Vertrauen und eine Beziehung zu den Familien aufzubauen. Derzeit sind es sieben Ehrenamtliche, die sich als „Stadtteileltern“ engagieren. 30 Menschen, so der Wunsch der Diakonie, sollen es werden. Das Projekt wird zunächst bis Ende 2025 laufen.
Noch Fragen?
Interessierte können sich an Projektleiterin Samira Fischer im Mehrgenerationenhaus im Haus der Diakonie Ludwigshafen, Falkenstraße 17-19, wenden: Telefon: 0621 520440, E-Mail an mghlu@diakonie-pfalz.de, im Netz: www.diakonie-pfalz.de.