Ludwigshafen
Brückenbauer helfen seit zehn Jahren beim Umgang mit Behörden
„Eine typische Beratung gibt es nicht“, erzählte Hanife Aykutalp. Die 56-Jährige war von Anfang an bei dem Projekt dabei. Über den Internationalen Frauentreff wurde sie auf das Projekt aufmerksam. „Und ich war schon über die Caritas in Mannheim eine sogenannte Kulturdolmetscherin.“ Eine vergleichbare Tätigkeit, wenn auch in einem anderen System. „Deshalb war ich froh, dass wir noch einmal eine Qualifizierung bekommen haben.“
Seither unterstützt sie vornehmlich türkischsprachige Neu-Ludwigshafener – insbesondere bei der Kontaktaufnahme mit Kinder- und Jugendberatungsstellen oder Schulen. „Dort kenne ich mich aus“, sagte und lacht. Immerhin arbeitet sie nicht nur als Brückenbauerin, sondern auch als pädagogische Hausaufgabenhilfe an der Goetheschule Nord. Beides lasse sich gut verbinden. „Wir haben alle einen Vertrag über 40 Arbeitsstunden, die wir uns selbst einteilen können.“ 40 Stunden in einem halben Jahr wohlgemerkt.
„Wir brauchen natürlich Leute, die tagsüber Zeit haben“, erklärte die Integrationsbeauftragte Jalonen, die die Idee solcher Begleiter schon bei ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 hatte. „Aber damals hat uns noch das Geld gefehlt.“ Das kam 2010 durch EU-Fördermittel. Damit wurden die beiden ersten Qualifizierungslehrgänge finanziert und die Aufwandsentschädigung für die Brückenbauer bezahlt. Das lief so gut an, „dass wir uns Gedanken gemacht haben, wie wir das Projekt nach dem Wegfall der Fördergelder weiterfinanzieren“, erläuterte Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD). Sehr dankbar ist sie darüber, dass die BASF mit ihrem Bereich für gesellschaftliches Engagement eingesprungen ist, das Projekt seither trägt. Eine leichte Entscheidung. „Das Konzept war schon immer überzeugend“, berichtete Karin Heyl als Leiterin des Projektes. Immerhin profitiere auch das BASF-Werk als Arbeitgeber von einem guten sozialen Miteinander in der Stadt. „Und dafür sind die Brückenbauer Garanten.“ Das Projekt habe sich verstetigt und sei einfach nicht mehr wegzudenken.
1600 Einsätze während der Pandemie
Fast war das auch schon im „Imagevideo“ deutlich, mit dem die Verwaltung im Jahr 2010 nach Interessenten für die begleitende Übersetzungsarbeit gesucht hatte. Mittlerweile seien nahezu alle 150 in Ludwigshafen versammelten Nationen sprachlich abgedeckt, gibt es neben den Spezialisten für Englisch, Französisch und Türkisch auch arabische Muttersprachler oder „Universalisten“, wie Mehrfort Appadurai, die vor vielen Jahren aus Malaysia nach Ludwigshafen gekommen ist und Malaiisch und Tamil zu ihren Muttersprachen zählt.
„Aber Malayen habe ich in den zehn Jahren noch nicht betreut“, sagte die 66-Jährige und lacht. Sie hatte schon vor 30 Jahren mit dem Frauentreff Neuankömmlinge auf Ämter begleitet, stand beratend zur Seite. „Für mich gab es das Projekt deshalb schon, als es noch nicht ,Brückenbauer’ hieß.“ Und beides sei wichtig gewesen. „Deshalb hatten wir vor der Situation 2015 schon Erfahrung mit Neuankömmlingen“, sagte auch Jalonen mit Blick auf ihre Sprach- und Kulturvermittler.
Das habe sich auch während der Pandemie bewährt, in der viele Ämter nur über E-Mail und Telefon erreichbar waren und die Kontaktaufnahme selbst für deutsche Muttersprachler nicht uneingeschränkt möglich war. „Allein in dieser Zeit hatten die Brückenbauer 1600 Einsätze“, so Jalonen. Sie hofft, dass alle 38 aktuellen Helfer noch möglichst lange dabeibleiben. „Diese Stadt braucht Sie!“