Ludwigshafen
Lockdown: Keine Hektik, aber viel Frust
Offenbar haben die meisten Ludwigshafener ihre Weihnachtsgeschenke schon ergattert. Oder sie lassen sie sich vom Versandhandel bringen. Am letzten Tag vor der Schließung der Einzelhandelsgeschäfte noch einmal die Innenstadt und die Einkaufscenter zu stürmen, war jedenfalls nicht angesagt. In der Rhein-Galerie hielten sich nicht mehr Kunden als sonst am späten Vormittag auf. Und diese hatten keine Probleme, einen Laden zu betreten.
Es staut sich am Saturn
Die einzige nennenswerte Warteschlange hatte sich vor der Online-Ausgabe des Elektronik-Händlers Saturn gebildet. Am Schalter war nur eine Angestellte im Einsatz. „Einen Tag vor dem Lockdown hätte man sich das doch denken und mehr Personal einsetzen können“, schimpft ein Mann aus Friesenheim, der zwar seit 45 Minuten ansteht, aber immer noch nicht dran ist.
„Ich habe eine Weihnachts-CD bestellt, am 10. Januar brauche ich die nicht mehr. Ich wollte nicht bei Amazon bestellen, sondern lieber den Handel in der Stadt fördern“, ärgert sich auch Stefanie Zähle aus Mutterstadt, die seit einer halben Stunde wartet. Sie ist mit dem Fahrrad aus Mutterstadt gekommen.
In der Rhein-Galerie bleiben einige Läden offen
Im Buchladen Thalia im Obergeschoss stöbern nur wenige Kunden. „Gestern war hier voll. Obwohl 67 Personen rein dürfen, gab es kurz mal Wartezeiten. Heute ist wenig los, viele Leute haben ihre letzten Weihnachtseinkäufe wohl vorgezogen“, vermutet die angehende Buchhändlerin Sara Leone. Ab Mittwoch sind die Verkaufsgeschäfte in der Rhein-Galerie zwar bis 10. Januar geschlossen. Bestellte Bücher bei Thalia an der Ladentür abzuholen sei aber weiter möglich, fügt sie hinzu. Wie auch nicht alles in der Einkaufsmall geschlossen sein wird. Ein Drogeriemarkt und drei Optiker dürfen weiter geöffnet bleiben.
Nebenan beim Textilhändler Zara sichert ein junger Mann im schwarzen „Security“-Shirt den Eingang. Zu tun hat er nichts. In der Mall hält sich der Andrang sehr in Grenzen.
„Eine Unverschämtheit“
Auch in der Fußgängerzone Bismarckstraße sind nicht sichtbar mehr Menschen unterwegs als sonst. Unter den Passanten fällt eine hochgewachsene junge Frau auf, die als einzige keine Maske trägt. Doch als sie das langsam hinter ihr her rollende Polizeiauto bemerkt, streift auch sie sich schnell ein Stück Stoff über Mund und Nase. Am Rathausplatz hat sich vorm Drogeriemarkt Müller eine kleine Warteschlange gebildet. „Es ist eine Unverschämtheit von der Regierung, so lange zu warten mit dem Lockdown“, hält eine Frau aus Limburgerhof mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Dann darf auch sie eintreten. Der Platz reicht für 150 Kunden gleichzeitig.
Eine lange und recht zähe Warteschlange hat sich dagegen gleich nebenan vor der Post-Filiale aufgestaut. Nur zwölf Kunden gleichzeitig sind hier erlaubt.
Schmuckladen als Magnet
Im Rathaus-Center sind ebenfalls keine wartenden Menschen vor den Geschäften zu sehen. Im größten Laden TK Maxx ist bis zur Höchstgrenze von 178 Personen reichlich Luft. Die einzige Ausnahme bildet der Schmuckladen Bijou Brigitte im Eingangsbereich, vor dem eine Reihe von Frauen geduldig wartet. Schilder im Schaufenster mit der Aufschrift „Sale – 70 Prozent auf alles“ geben einen Hinweis auf den Grund.