Ludwigshafen
LitMus: Yousef Mantk und Alexandra Lehmler in der Stadtbücherei
LitMus, kurz für Literatur und Musik, ist eine Veranstaltung, bei der die Stadtbücherei gemeinsam mit dem Verein Kultur Rhein-Neckar Autoren und Musiker aus der Region vorstellt. Die Veranstaltung war gut besucht, was dafür spricht, dass die Reihe beim Publikum gut angenommen wird und auch weniger bekannte Namen eine Chance bekommen. Das gilt natürlich nicht für die bestens bekannte Saxophonistin Lehmler, die weit über die Metropolregion hinaus als Musikerin geschätzt wird. Der Autor Yousef Mantk ist eher in Kreisen seiner Landsleute bekannt – aber gerade deshalb sind solche Veranstaltungen wichtig, die Brücken bauen.
Yousef Mantk nennt er sich als Autor, mit bürgerlichem Namen heißt er Yousef Mohammad. Er wurde 1966 in Erbis geboren. Das liegt in einem Teil Kurdistans der zum irakischen Staatsgebiet gehört. Das Gespräch mit ihm führte Hannele Jalonen, die Integrationsbeauftragte der Stadt Ludwigshafen. Ihr erzählte der Autor, er habe Publizistik studiert, als Dichter und Schriftsteller arbeite er seit 1989.
Vor dem Bürgerkrieg geflohen
Kurdistan ist kein eigener Staat, sondern das Siedlungsgebiet des kurdischen Volks. Das historische Gebiet gehört heute zu den Staaten Türkei, Irak, Iran und Syrien, wo die Kurden ethnische Minderheiten bilden. Wie es dazu kam, ist eine lange und verwickelte Geschichte, die immer wieder von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägt ist – bis heute. Yousef Mantk sagt, er sei 1996 vor dem Bürgerkrieg in seiner Region geflohen. „Es gab keine Arbeit, keine Sicherheit, man konnte dort nicht mehr leben“, sagt er. Es habe große Fluchtbewegungen gegeben. Auch er sei über die Türkei nach Griechenland, weiter nach Italien und von dort 1996 nach Deutschland gekommen. Seit 1997 lebt er in Ludwigshafen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Hier arbeitet er als Dichter und hat auch schon Ausstellungen eigener Fotografien gestaltet.
Kurdistan, der Traum eines Gebietes wo das ganze Volk in Frieden und Freiheit leben kann, ist oft Thema seiner Gedichte. Eleonore Hefner von Kultur Rhein-Neckar las deutsche Übersetzungen. „Ich bin ein Kurdistani, ich sterbe an...“ ist eine Aufzählung von bedrückenden Verhältnissen. Letztlich stirbt das lyrische Ich am „Gift des Exils“. Yousef Mantk sieht sich im Exil, er beschreibt sich selbst als politisch links und er ist mit den politischen Führern der Kurden sehr unzufrieden. „Götter der Lüge“ nennt er die Politiker, die entweder eigenen Interessen oder Interessen der Großmächte folgen. Tatsache ist, dass es auch unter Kurden verschiedener politischer Richtungen und Ziele zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Die Lage ist schwierig und es wurde auch für manche Zuhörer schwierig. Mantk tat sich schwer, sich auf Deutsch zu erklären, da sprangen ihm Landsleute bei.
Gedichte über den Rhein
Eher zugänglich waren die von Beobachtungen und eigenen Erlebnissen geprägten Gedichte. „Abend am Rhein“ heißt ein Werk, das sehr konkret Beobachtungen am Rheinufer schildert. Obdachlose und Alkoholiker beschreibt der Dichter ebenso direkt wie den Blick auf den Rhein mit vorbeifahrenden Frachtern. Auch in der deutschen Übersetzung bekommt man ein Gefühl, für Glanz und Elend der Industriestadt am Fluss. Das Gedicht wurde in viele Sprachen übersetzt und wurde zum Titel einer Sammlung, die auch in einer deutschen Ausgabe erschienen ist. Fast unerwartet, aber gut zu hören, waren dann zarte Gedichte, die der Autor menschlichem Miteinander gewidmet hat.
Alexandra Lehmler hat auf Alt- und Sopransaxophon improvisiert und mit viel Gefühl Melodien mit melancholische Wirkung geschaffen. Unterstützt hat sie sich manchmal selber mit einer Shruti-Box, eine Art Harmonium für liegende Basistöne. Mit dezentem Hall und Echo eröffnete das schöne weite Klangräume für die Zuhörer.