Interview
Lisa Fitz: „Ich ecke seit über 40 Jahren an“
Frau Fitz, in Ihrer langen Karriere – wem wären sie am liebsten niemals begegnet?
Oh je, einfacher haben Sie’s nicht? Ich kann’s Ihnen auch nicht so genau sagen. Ich hatte mit vielen Menschen zu tun, wo ich mich im Nachhinein gefragt habe: Musste das sein? Aber von meiner Mutter habe ich die Weisheit gelernt: „Kein Mensch ist dein Freund, kein Mensch ist dein Feind – aber jeder Mensch ist dein Lehrer.“ Behält man das im Kopf und Herzen, kommt man aus Situationen mit unangenehmen Leuten bewusster heraus und vermeidet Fehler.
Ob die folgende Frage auch unangenehm ist, weiß ich nicht, aber trotzdem: Wenn Sie nicht wüssten, wann Sie geboren wurden, wie alt fühlen sie sich gerade?
Na, so wie Ende 50. Ich liege mit meinem biologischen Alter, das messbar ist, erfreulicherweise unter dem reellen, weil ich Yoga mache und mich vernünftig ernähre. Wenn man die Ausuferungen hinter sich gelassen hat, muss man sich ja nicht das ganze Leben wie ein Teenie verhalten.
Was war die beste Entscheidung Ihres Lebens?
Mit Superlativen hab’ ich es nicht so. Eine wirklich gute Entscheidung war die Heirat mit meinem ersten Mann, Ali Khan. Er hat meinen künstlerischen Bruch weg vom Beliebigen hin zur Satire und zum Kabarett wesentlich beeinflusst. Und es war, viele Jahre später rückwirkend gesehen, das Beste in meinem Leben, gegen die Konvention eine Beziehung mit einem sehr viel jüngeren Partner einzugehen, der natürlich eine kurze Zukunft vorausgesagt wurde, wie auch anders. Unsere Liebe wächst aber jetzt seit über 20 Jahren, und er ist auch der perfekte Sideman, der es mir möglich macht, den Tour- und TV- Stress unbeschadet durchzustehen und psychisch wie physisch fit zu bleiben.
Sie hatten unlängst gewaltig Stress, weil sie angeeckt sind mit einer Äußerung zur Pandemiepolitik der Regierung.
Ich ecke ja seit über 40 Jahren immer irgendwo an, das ist mein täglich-satirisches Brot, und das ist auch gut so. In diesem Fall habe ich über Impfschäden und Impftote gesprochen, weil das unter die Decke gekehrt wird. Man wollte mich, wie üblich, dann gleich in eine Ecke mit Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten stecken. Es ist aber Sinn und Aufgabe der Satire, einseitige Narrative zu hinterfragen und auf beabsichtigte mediale Informationslücken hinzuweisen. Vielleicht hat man das in unserer Comedy-lastigen TV- Welt vergessen. Man darf mich gerne kritisieren, solange es konstruktiv bleibt. Ich habe jedenfalls gelernt, dass das Wörtchen „angeblich“ heute sehr hilfreich und ein Schutz sein kann, wenn man über Zahlen und Fakten spricht. Früher war das … ja, wurscht. Satire wurde entsprechend eingeordnet, und es galt die „Freiheit der Kunst“.
Wie schwer ist es eigentlich, in der heutigen Zeit politisch korrektes Kabarett zu machen?
Schwer nicht, aber unsinnig. Politisch korrektes Kabarett ist wie die Quadratur des Kreises. Über Dieter Hildebrandt hat einer mal geschrieben: „Ihnen sollte man Ihr freches Maul zunähen!“ Ein Kabarettist muss aber sein „freches Maul“ behalten dürfen, sonst ist er ein glatter Aal. Und das gilt 2022 auch für eine Kabarettistin. Political Correctness macht das Kabarett kaputt. Deswegen wirkt diese moralistische Mahnung zur übertriebenen Korrektheit etwas philisterhaft und humorbefreit. Klar, man soll nicht beleidigen, und auch für Witze gibt es Grenzen. Aber nur, weil eine Regierung keine Majestätsbeleidigung ertragen möchte, nehme ich Political Correctness für mich nicht an.
Wie steht’s mit Gendern?
Ich denke, das ist wahrlich nicht das Kernproblem unserer Zeit. Klar, eine Ärztin ist kein Arzt und eine Kabarettistin kein Kabarettist, das wird sich auch mit der Zeit im Sprachgebrauch updaten. Und im Jahr 2022 ist es ebenfalls korrekt, wenn Frauen sich auch angesprochen fühlen wollen. Aber die moralinsaure Art, uns das Gendern aufzudrängen, müsste nicht sein. Das löst – besonders bei Männern – dann auch nur Abwehr aus. Wer nur macht, was er muss, dem kommt es selten von Herzen, oder? Und – das seltsame Knacks-Päuschen bei Zuhörer:Innen ist unschön, sprachlich holprig und keine wirklich gute Lösung.
Und wie begrüßen Sie in Mannheim dann ihr Publikum?
Ich sage einfach: Hallo, Ihr Lieben.
Termin
Lisa Fitz gastiert am Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr, im Capitol Mannheim.