Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Linie 10 nimmt wieder regulären Betrieb auf (mit Video)

Schnipp, schnapp (von links): Baudezernent Thewalt, RNV-Vorstand in der Beek, Landtagsabgeordnete Simon, Ministerin Eder, Ortsvo
Schnipp, schnapp (von links): Baudezernent Thewalt, RNV-Vorstand in der Beek, Landtagsabgeordnete Simon, Ministerin Eder, Ortsvorsteher Henkel und RNV-Vorstand Volz geben die Linie für den Verkehr frei.

Die Friesenheimer haben ihre Linie 10 wieder. Ab Montag fährt die Straßenbahn wieder durch den Stadtteil. Die knapp einen Kilometer lange Strecke wurde für 19 Millionen Euro erneuert. Wann der Ausbau der restlichen Trasse weitergeht, ist noch unklar.

„Das fährt sich prima. Man merkt die neuen Gleise. Nichts ruckelt“, sagt der Straßenbahnfahrer und strahlt. Er chauffiert die Sonderfahrt durch den trüben regnerischen Freitagmorgen. An Bord ist viel Polit-Prominenz. Die Stimmung ist trotz des Wetters gut. Nach jahrzehntelangen Diskussionen ist nun der erste Teilabschnitt der neuen Linie 10 in Alt-Friesenheim fertig.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Baubeginn war im April 2019. Vier Jahre später geht die Straßenbahnlinie ab Montag in den regulären Betrieb. Die Anwohner im Friesenheimer Ortskern dürften auch erleichtert sein, dass die Zeit der Bauarbeiten endlich vorüber ist. 900 Meter Doppelgleis wurden erneuert, 63 neue Fahrleitungsmaste gesetzt und 3000 Meter Fahrdraht in der Oberleitung gespannt. Drei Haltestellen (Friesenheim-Mitte, Hagelloch- und Kreuzstraße) sind jetzt barrierefrei. Das heißt, dort ist durch einen erhöhten Bahnsteig ein ebenerdiger Zustieg in die Bahn möglich. Außerdem helfen Leitlinien- und rinnen Blinden und Sehbehinderten, den Weg zu finden. Die Haltestellen haben auch digitale Anzeigetafeln bekommen, die den Fahrplan in Echtzeit anzeigen.

Anspruchsvolles Bauprojekt

Der Umbau in den engen Straßen von Alt-Friesenheim war für die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) eine Herausforderung. „Bei so beengten Platzverhältnissen ist es schwierig, zu bauen“, sagt Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der RNV. Er hofft nun, dass die Fahrgäste die neue Stadtbahnstrecke eifrig nutzen, nun da der Busersatzverkehr wegfällt.

Aufwendig: Gleisbauarbeiten.
Aufwendig: Gleisbauarbeiten.

Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) ist hocherfreut, die erste neue Straßenbahnstrecke in Ludwigshafen in seiner noch jungen Amtszeit einweihen zu können: „Ich hoffe, dass noch viele weitere Strecken folgen.“ Die Straßenbahn sei attraktiver als Busse und ein wichtiger Baustein im Öffentlichen Nahverkehr. Mit auf die Schiene gesetzt hat den Umbau sein Vorgänger Klaus Dillinger (CDU), der sich ebenfalls freut: „Manches dauert ein bisschen länger, wird dann aber umso besser.“ Auch Friesenheims Ortsvorsteher Günther Henkel (SPD) ist zufrieden: „Es ist ein schöner Tag für Friesenheim. Das Projekt hat uns sehr lange Zeit bewegt und hat jetzt ein glückliches Teilende gefunden. Es ist ja eigentlich erst Halbzeit.“ Der zweite Bauabschnitt in der Hohenzollernstraße stehe noch an. Er hoffe, dass die Fortsetzung des Ausbaus genauso gut laufe.

Weiterer Ausbau steht an

Doch wie geht’s weiter? Nach langem Hin und Her um verschiedene Ausbauvarianten hat der Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen, auf einen ursprünglich vorgesehenen eigenen Gleiskörper in der Hohenzollernstraße zu verzichten. Durch die zwei- anstatt eingleisige Führung der Linie 10 könnte auch der Takt erhöht und der Ebertpark wieder besser angefahren werden. Ferner sieht die überarbeitete Planung den Erhalt von mehr Bäumen und Ladezonen für das Gewerbe vor. Ohne den Gleiskörper sei auch die Verkehrssituation für Autofahrer, Radler und Fußgänger besser, lautete ein weiteres Argument der Befürworter.

Steht noch an: Ausbau Hohenzollernstraße.
Steht noch an: Ausbau Hohenzollernstraße.

Wann der Ausbau des 1,7 Kilometer langen Bereichs zwischen Stern- und Hohenzollernstraße und Marienkirche weitergeht, ist noch unklar. „Wir sind gerade dabei, die Planung weiter auszuarbeiten. Wir wollen möglichst rasch weitermachen“, sagt RNV-Geschäftsführer in der Beek. Klar ist bereits jetzt, dass das Projekt viel teurer wird: Zuletzt war von 44 Millionen Euro die Rede. Rechnet man noch die 19 Millionen Euro aus dem ersten Bauabschnitt in Alt-Friesenheim dazu, landet man am Ende bei Gesamtkosten von weit über 60 Millionen Euro. Damit bleibt die Linie 10 das größte und teuerste Nahverkehrsprojekt in Ludwigshafen. Land und Bund wollen Zuschüsse beisteuern. Ursprünglich lag die Kostenschätzung bei 37,5 Millionen Euro.

„Die Straßenbahn ist die älteste Form der Elektromobilität. Die RNV betreibt mit 200 Kilometer Streckenlänge das größte deutsche Straßenbahnnetz. Bei den weiteren Plänen für die Erneuerung und Erweiterung des Netzes begleitet das Land die Stadt Ludwigshafen und die RNV aktiv und unterstützend“, sagt Umwelt- und Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne), die mit an Bord ist. Das Land bezuschusste die neuen barrierefreien Haltestellen in Alt-Friesenheim mit rund 877.000 Euro.

Barrierefrei: Haltestelle Hagellochstraße.
Barrierefrei: Haltestelle Hagellochstraße.

Innerstädtische Strecke

Die Linie 10 ist insgesamt sieben Kilometer lang und verbindet den Stadtteil Süd ab dem Luitpoldhafen mit der Innenstadt und führt dann weiter über den Hemshof nach Friesenheim. Beim Ausbau geht es um den Bereich Friesenheim/Hemshof, der neue Gleise, barrierefreie Haltestellen und ein modernes Straßenbild erhält. Vor Beginn des Ausbaus waren auf dem Abschnitt zwischen Marienkirche und Alt-Friesenheim werktags bis zu 4500 Fahrgäste unterwegs.

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