Ludwigshafen Liebhaber der ersten Stunde
Es hätte wahrscheinlich niemand passenderes treffen können als Gaby und Mike Smith: Sie wohnen auf der Parkinsel und sind Stammgäste des Festivals des deutschen Films. „Wir gehen beide gerne ins Kino“, erzählt Mike Smith. „Als bekannt wurde, dass es 2005 ein Filmfestival direkt bei uns um die Ecke geben soll, waren wir natürlich gespannt.“ Gerade das Konzept, deutsche Filme zu zeigen, hätte sie angesprochen, berichtet seine Frau Gaby Smith und fügt hinzu: „Wir waren sofort begeistert.“ An ihren ersten Film auf dem Festival können sich die beiden nicht mehr erinnern, aber sie waren seitdem jedes Jahr dort. „Am Anfang war es klein und überschaubar“, erinnert sich Gaby Smith. Neben den Filmen interessierte sich das Ehepaar vor allem für die Gespräche danach – damals noch in ganz intimen Rahmen. Bekannte Regisseure wie Doris Dörrie seien in den Anfangsjahren einfach so über das Festivalgelände spaziert. Als Besucher der ersten Stunde haben die Filmfreunde alles mögliche mitgemacht: Hitze, Kälte, Regengüsse, und Hochwasser. Sie schwitzten bei 35 Grad im Schatten, als es in den Kinozelten noch keine Klimaanlage gab, und kamen abends oft auf einen Drink vorbei, denn es gab immer freie Plätze unter den alten Platanen oder in den Liegestühlen am Rheinufer. Welche Filme sie sehen wollten, entschieden sie ganz spontan: „Damals konnte man ja einfach noch kurz vor Filmbeginn eine Karte kaufen, sogar am Wochenende“, sagt Gaby Smith. „Heute ist das nicht mehr möglich.“ Doch es freut die Parkinsulaner, dass das Filmfestival sich so erfolgreich entwickelt hat. „Natürlich kommen immer mehr Menschen, aber das ist eben bei beliebten Veranstaltungen so. Aber deshalb kommt auch immer mehr Prominenz“, erklärt Mike Smith, der aus Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona stammt und wegen eines Jobs bei der BASF nach Ludwigshafen kam. Sein persönlicher Festival-Höhepunkt: „Als Mario Adorf vergangenes Jahr den Preis für Schauspielkunst bekam. Ich bin ein großer Fan, und es war toll, ihn persönlich zu erleben.“ Auch Jürgen Vogel gehört zu den Lieblingsschauspielern des 62-Jährigen, doch den habe er diesmal leider verpasst. Als Mike Smith 1980 nach Ludwigshafen kam, wohnte er zunächst im Mosch-Hochhaus. Viele Jahre war er für den Chemie-Konzern im In- und Ausland tätig. In Caracas lernte er 1988 seine Frau kennen, die für die BASF dort ein Praktikum absolvierte. Nächste Station der beiden war North Carolina, bevor es dann wieder zurück nach Ludwigshafen ging. Zunächst wohnten die Smiths in einer Werkswohnung in der Pfingstweide. „Wir suchten ein Haus in der Region“, erzählt Mike Smith, der heute für eine Consulting-Firma in Düsseldorf tätig ist. Die Schwiegereltern eines Kollegen seien dann in ein Altersheim gezogen und ihr Haus auf der Parkinsel wurde frei. Gaby Smith, die aus Mannheim stammt, kannte die Parkinsel: „Eine Jugendfreundin von mir hat dort gewohnt. Uns hat es dort auf Anhieb gefallen.“ Seit 1994 leben die Smiths in der Schwanthaler Allee. Die Parkinsel sei zentral gelegen und doch ein bisschen abseits, ein kleines Paradies vor der Haustür. „Unsere zwei Söhne sind hier aufgewachsen, für Kinder ist die Parkinsel ideal“, findet Gaby Smith, die in Heidelberg bei einer IT-Firma arbeitet. Dass einige Bewohner sich durch das Filmfestival in ihrer Ruhe gestört fühlen, kann das Ehepaar nachvollziehen. „Man sollte das Festival auch auf keinen Fall räumlich vergrößern“, sind sich beide einig. „Aber an sich ist es etwas Tolles für die Stadt Ludwigshafen.“ Die Filme „Fritz Lang“ und „Mali Blues“ haben sie sich diesmal angeschaut. Zudem hatten sie Tickets für die Verleihung des Filmkunst- und Publikumspreises und entschlossen sich, noch einen Film anzuschauen – eine Entscheidung mit Folgen: Eigentlich wollten Gaby und Mike Smith am 1. Juli nämlich nur ihre Karten für die Preisverleihung abholen und Tickets für den Film „Happy Hour“ kaufen, als plötzlich Festivaldirektor Michael Kötz mit einem Blumenstrauß in der Hand vor ihnen stand. „Er hat uns gratuliert und gesagt, wir seien die 100.000. Festivalbesucher“, berichtet die 57-Jährige. Eigentlich hat nur eine der Karten für „Happy Hour“ die 100.000er-Marke geknackt, doch als Ehepaar kamen beide in den Genuss der Ehrung – und es gab neben dem Blumenstrauß für beide Dauerkarten für das Festival 2017. „Die Zeit haben wir schon im Terminkalender geblockt“, betont Mike Smith. Und vielleicht kommt dann auch die Schauspielerin, die Gaby Smith gerne einmal persönlich sehen möchte: Iris Berben.