Ludwigshafen
Liebeslieder von „Mama Afrika“: Angélique Kidjo trifft Alexandre Tharaud
Die Weltoffenheit wird ihr in die Wiege gelegt: 1960 kommt Kidjo im heutigen Benin zur Welt, lernt über Mutter und Großmütter von frühester Kindheit traditionelle Musik kennen. Dank ihres Vaters kommen jedoch auch Klänge der damaligen afrikanischen Stars sowie Jimi Hendrix, Santana oder James Brown dazu. Da ihre Mutter ein Theater führt , ist ihr die Bühne nie fremd. Zunächst tritt sie mit ihrer Teenagerband The Sphinx auf und feierte in ihrer Heimat Erfolge. Doch unabhängige Künstler haben es zunehmen schwer, 1983 zieht Kidjo deshalb nach Paris. 1991 nimmt sie dort Chris Blackwell, Gründer der Island Records, unter Vertrag.
Bitte nicht erschrecken!
Der internationale Durchbruch kommt 1994 mit dem äußerst tanzbaren „Agolo“. Dabei ist der Text alles andere als leicht, es geht schon damals um die Verantwortung des Einzelnen für globale Umweltprobleme, Agolo ist der Ruf „Pay Attention“, (Schenkt den Problemen Beachtung!). Tiefgründige Botschaften in fröhliche Klänge zu verpacken habe sie von den traditionellen Musikern und Geschichtenerzählern im Benin erzählt, sagt Angélique Kidjo einmal in einem Interview. Zwar habe man die Aufgabe, auch traurige Geschichten zu erzählen, doch dürfe man damit die Zuhörer in keinem Fall abschrecken.
Unerschrocken erkundet sie Genregrenzen und lässt sich auf andere Kulturen ein, um am Ende doch immer etwas ganz Eigenes zu erschaffen. Zwei Beispiele von unzähligen: So erkundet sie ab 1998 in einer Album-Trilogie (Oremi, Black Ivory Soul, Oyaya) die afrikanischen Wurzeln der Musik auf dem amerikanischen Kontinent, eine Reise, die sie auch nach Brasilien führt. 2018 brachte Angélique Kidjo ihre eigene Interpretation des Albums „Remain in the Light“ von The Talking Heads aus dem Jahr 1980 heraus. Ihre Weltoffenheit spiegelt sich auch in ihrer Mehrsprachigkeit: Wer Kidjos Musik hört, kann zwar Texte auf Englisch, Spanisch, Französisch verstehen, lernt aber auch die afrikanischen Sprachen Fon und Yoruba kennen.
Die Beinahe-Juristin
In ihrem politischen Engagement schimmert das große Interesse an Gerechtigkeit durch, das Angélique Kidjo fast Jura mit Schwerpunkt Menschenrechten studieren ließ. Seit Jahrzehnten nutzt sie ihre Bekanntheit, um auf der ganz großen Bühne Botschaften auszusprechen oder Frauen zu fördern. Egal ob soziale Gerechtigkeit, die Auswirkungen des Klimawandels oder der Friedensprozess im Südsudan: Kidjo setzt sich vielfältig ein. Die Batonga Stiftung in ihrer Heimat soll aus jungen Mädchen unabhängige Frauen machen. Das Projekt wurde inzwischen auf Mali, Sierra Leone, Äthiopien and Kamerun ausgeweitet.
Zur „Mama Afrika“ gekürt
Als sie 2014 mit einer Autorin ihre Biografie „Spirit Rising“ veröffentlicht, verfassen Desmond Tutu und Alicia Keys Vorworte. 2021 wird sie vom Time Magazin zu einer der 100 einflussreichsten Personen der Welt ernannt, das Forbes Magazine nimmt Kidjo als erste Frau in seine Liste der mächtigsten Persönlichkeiten Afrikas auf. Mehr geht kaum. Aufgrund dieser Kombination aus erfolgreicher Musik und ihres Einsatzes wird sie als eine „Mama Afrika“ bezeichnet und steht damit in der Tradition der großen Miriam Makeba oder von Cesaria Evora, der Grand Dame der Kapverden.
Jüngstes Beispiel ist die Kooperation mit dem französisch-libanesischen Trompeter Ibrahim Maalouf. Das gemeinsame Album „Queen of Sheba“ war für die Grammys 2023 nominiert. Diesmal musste Kidjo dem Japaner Masa Takumi den Vortritt lassen. Es wird sie wenig schmerzen, war sie doch seit 1995 14 Mal für den Preis nominiert und hat ihn davon fünfmal gewonnen, zuletzt 2022 für das beste Globale Album.
Mit 62 wirbelt sie noch immer unbändig über die Bühne. Ihre Energie füllt stets den Raum. Bei ihrem Auftritt im BASF-Feierabendhaus wird Angélique Kidjo aber das Tempo etwas drosseln: Für das Projekt hat sie eine Auswahl an Chansons von Josephine Baker und Edith Piaf, Georges Brassens und Serge Gainsbourgh zusammengestellt. Begleitet wird sie von dem klassischen Pianisten Alexandre Tharaud, ebenfalls ein Meister seines Fachs. Kidjo hatte ihn 2020 bei einem Konzert in Paris auf die Bühne gebeten, um mit ihr zusammen einen Titel von Charles Aznavour zu interpretieren.
Termin
„Les mots d'amour“ am Dienstag, 14. März, 20 Uhr, im BASF-Feierabendhaus mit Angélique Kidjo (Gesang) und Alexandre Tharaud (Klavier).