Ludwigshafen Liebesgeschichten und Horrorfilme

Das Cinema Quadrat veranstaltet im 20. Jahr seine „Schwulen Filmtage“. Vom 5. bis 11. Februar zeigt das Mannheimer Kommunale Kino in sieben neuen Spielfilmen aus Europa und Lateinamerika, wie Mann mit Mann lebt und liebt.
Eröffnet wird das kleine Festival im Kino im Collini-Center mit dem brasilianischen Film „Heute gehe ich allein nach Hause“, hier unter seinem internationalen Titel „The Way He Looks“ und im Original mit deutschen Untertiteln. Der Film, der auf schwul-lesbischen Filmfestivals zahlreiche Publikumspreise gewonnen hat, erzählt vom sexuellen Erwachen eines blinden Teenagers in São Paulo. Leo will keine Sonderbehandlung, sondern geküsst werden. Seine beste Freundin Giovana würde ja gerne, aber daran denkt Leo gar nicht. Dann kommt Gabriel in seine Klasse, bringt ihm das Tanzen bei und beschreibt ihm die Mondfinsternis. Und nach einer Party gehört auch Leo zu den Jungs, die schon mal geküsst wurden. Der warmherzige Film fragt, wie ein von Geburt an blinder Mensch zu seiner sexuellen Orientierung finden kann, ohne jemals einen Mann oder eine Frau gesehen zu haben. Gleich vier Geschichten über schwule Liebe, Sexualität und über die Kunst, sich selbst anzunehmen, erzählt der mexikanische Film „Four Moons“. Da ist einmal der elfjährige Mauricio, der erste Gefühle für seinen kaum älteren Cousin Oliver hegt. Dann sind da die College-Studenten Fito und Leo, die eine Beziehung miteinander beginnen, die sich aber kompliziert gestaltet, weil einer von ihnen befürchtet, dabei erwischt zu werden. Hugos und Andres langjährige Beziehung wird durch Sebastian auf die Probe gestellt. Und dann ist da noch der alte Joaquin, ein Familienvater, der sich in einer Gay-Sauna heftig zu einem jungen Stricher hingezogen fühlt. Vier gut gespielte, bewegende, zum Teil aufwühlende, zum Teil herzzerreißende Geschichten. „Der Samurai“ ist ein echter, brutaler Horrorfilm, eine große Seltenheit im schwulen Kino. Pit Bukowski lässt gleichsam Klaus Kinski auferstehen, wenn er im bodenlangen Kleid und mit scharfem Samurai-Schwert ein Dorf an der deutsch-polnischen Grenze heimsucht. Ein rabenschwarzer und zugleich blutroter, alptraumhafter Thriller über eine persönliche Befreiung. Aus der Schweiz kommt das Doku-Drama „Der Kreis“. Es handelt von der gleichnamigen Zürcher Schwulenorganisation und einflussreichen Zeitschrift, in der bis in die 1960er Jahre neben Kurzgeschichten, Gedichten und Fotos auch Artikel über politische Aktivitäten von Homosexuellengruppen aus der ganzen Welt zu lesen waren. So führte „Der Kreis“ all jene zusammen, die sich für die Rechte der Schwulen einsetzten. Stefan Haupts Film ist Zeit- und Liebesgeschichte zugleich, wenn er die Freunde Ernst Ostertag und Röbi Rapp die Blütezeit wie die Zerschlagung des Zirkels erleben lässt, der europaweit als Wegbereiter der schwulen Emanzipation gilt. 2003 waren Ostertag und Rapp das erste gleichgeschlechtliche Paar in der Schweiz, das sich trauen ließ. Das zurückhaltende britische Drama „Lilting“ mit Ben Wishaw dreht sich um eine asiatische Mutter in London, die nach dem Tod ihres homosexuellen Sohnes versucht, diesen zu verstehen. Der intensive, befreiende schwedische Film „Something Must Break“ entstand frei nach dem gleichnamigen Song von Joy Division und erzählt von der Liebe des heterosexuellen Andreas und des androgynen Sebastian. Das ungarisch-deutsche Drama „Sturmland“ spielt im Amateurfußballermilieu und erzählt die Dreiecksbeziehung der Ungarn Szabi und Áron und des Deutschen Bernard.