Ludwigshafen Leute in Lu: Die Frau an der Kripo-Spitze

Nicht mehr selbst zum Ermitteln am Tatort, sondern nun vor allem im Büro tätig: Katrin Luckenbach.
Nicht mehr selbst zum Ermitteln am Tatort, sondern nun vor allem im Büro tätig: Katrin Luckenbach.

Vermisste, Tote, Rauschgift, Verstöße gegen das Waffengesetz – das alles gehört zum Arbeitsalltag von Katrin Luckenbach. Als Leiterin der Kriminalinspektion Ludwigshafen ist die 35-Jährige dafür zuständig, dass bei den Ermittlungen alles rund läuft. Begonnen hat ihr Polizisten-Traum schon als Kind – vor dem Fernseher.

Ja, das Selber-Ermitteln vermisse sie schon, gibt Katrin Luckenbach lächelnd zu, als wir sie in ihrem Büro besuchen. Denn eigentlich ist sie genau deshalb Polizistin geworden. „Als Kind habe ich mit meinen Eltern immer ,Tatort’ geguckt“, berichtet sie. Schon damals war klar, wo ihr beruflicher Weg hinführen soll. Ihr Traumjob ist die Polizei bis heute geblieben, viele Erfahrungen sind hinzugekommen – darunter die Erkenntnis, dass einiges in den Fernsehkrimis nicht realistisch und „rechtlich oder technisch manchmal gar nicht möglich“ ist.

Eine emotional fordernde Arbeit

Nach dem Abitur hat die aus dem Westerwald stammende Frau sich bei der Polizei beworben und ihre Karriere 2003 beim Präsidium Koblenz begonnen. Relativ am Anfang – „da war ich noch ganz frisch bei der Polizei“ – hatte sie dann ein bis heute bewegendes Erlebnis. Luckenbach war bei der Schutzpolizei im Einsatz und hatte mit einem tödlichen Verkehrsunfall zu tun. Der direkte Kontakt mit den Angehörigen habe sie sehr mitgenommen, sagte sie. Daran, zu Hause abzuschalten, sei damals nicht zu denken gewesen. Bei der Kriminalinspektion Neuwied arbeitete die heute 35-Jährige später als Ermittlerin – erst im Bereich Eigentumskriminalität, dann bei den Sexualdelikten. Die Redakteurin schluckt, als sie das hört. Ob das emotional nicht ein besonders schwieriger Bereich sei? Tatsächlich habe man bei Sexualdelikten in vielen Fällen nur wenig objektive Beweise, sagt sie. Gleichzeitig sei da aber dennoch das Gefühl, den Opfern helfen zu können. Ermitteln, das bedeutet, einen Fall auf den Tisch bekommen, genau zu prüfen, was passiert ist, Möglichkeiten auszuloten, um den Täter zu finden. Im besten Fall folgt anschließend ein Erfolgserlebnis.

Probleme durch technischen Wandel

Darum ist Luckenbach der selbstgewählte Wechsel in den Höheren Dienst auch „nicht leicht gefallen“. An ihre Zeit in Neuwied hängte sie ein Masterstudium dran und landete direkt im Anschluss, nämlich im Oktober 2018, in Ludwigshafen. Was sie an der neuen Arbeit gereizt hat? Aktiv mitzuentscheiden, zu organisieren, sich mit neuen Kriminalitätsphänomenen zu beschäftigen und dafür eine gute Herangehensweise zu finden, sagt sie. Denn Katrin Luckenbach arbeitet nun vor allem von ihrem Schreibtisch aus, hat 79 Mitarbeiter in sechs Kommissariaten und im Kriminaldauerdienst unter sich. Zuständig ist die Kriminalinspektion Ludwigshafen für die sogenannte mittlere bis schwere Kriminalität, darunter Todesermittlungen, Drogen- und Waffensachen, Internetkriminalität, die laut Luckenbach immer mehr zunimmt. Auch wenn die Anzahl der Wohnungseinbruchdiebstähle im Vergleich zu vor drei oder vier Jahren abgenommen habe, finde dieses Delikt besondere Beachtung in der Öffentlichkeit. Verständlich: „Da kommt jemand und dringt in die intimste Sphäre ein“, sagt sie. Auch Betrüger, die sich als falsche Polizisten ausgeben, stünden derzeit stark im Fokus. Alle Delikte zusammengenommen, bearbeitete die Kriminalinspektion Ludwigshafen im vergangenen Jahr 4913 Fälle. Auch in der Arbeit der Ermittler verändert sich immer mal etwas. So sei heute eine immens größere Datenmenge auszuwerten als noch vor einigen Jahren. Schließlich müssen oft Handys, Computer und Laptop von einem einzigen Verdächtigen analysiert werden. Das stelle die Polizei vor zeitliche und personelle Probleme. Doch den Beruf Polizist kann Luckenbach auch heute noch Jugendlichen auf Jobsuche empfehlen. „Er ist sehr abwechslungsreich, man hat viel mit Menschen zu tun und kann schauen, welche Stärken man hat.“ Je nach persönlichem Interesse gebe es unterschiedliche Einsatzgebiete – von der Schutzpolizei bis zum Landeskriminalamt. Wechsel und Aufstieg seien gut möglich, wie sie selbst erlebt hat. Wenn Luckenbach gerade nicht arbeitet, treibt sie Sport: geht im Winter Skifahren, bouldert oder ist im Fitnessstudio zu treffen. Auch Reisen mag sie – und dann gerne besonders weit weg. Nicht ganz so weit ist ihr täglicher Weg mit dem Auto zur Arbeit. Mit ihrem Partner zusammen wohnt sie in der Nähe von Mainz. Der Start in Ludwigshafen sei schon sehr aufregend gewesen, sagt sie – ist inzwischen aber längst angekommen.

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