Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Let’s Dance: Juror Joachim Llambi über die Arena-Tour und Erinnerungen an Mannheim

Schaut immer ganz genau hin: Juror Joachim Llambi.
Schaut immer ganz genau hin: Juror Joachim Llambi.

Die RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ ohne Joachim Llambi in der Jury – unvorstellbar. Seit Beginn der Ausstrahlung 2006 verteilt der Duisburger Punkte und gibt ehrliche und manchmal auch harte Urteile. Im Gespräch mit Christian Treptow geht es um die Entwicklung des Showformats, Tanzerinnerungen an Mannheim und Freundschaften in Landau.

Herr Llambi, darf ich Sie ungestraft als Urgestein von Let’s Dance benennen? Immerhin sind Sie seit der ersten Staffel 2006 dabei.
Das dürfen Sie. Ich bin im nächsten März 20 Jahre mit dem Format verbunden, da ich schon im Jahr davor bei RTL bei den Vorbereitungen involviert war.

Welche Entwicklung hat die Sendung seit damals genommen? Das Format hat sich schon gewandelt seitdem.
Ja, aber immer nur stückchenweise. Das ist das Schöne daran. Die Zuschauer haben gar nicht richtig gemerkt, dass sich das Format verändert hat. Nicht vom Inhalt her. Der ist gleich geblieben: Ein Promi tanzt mit einem Profi. Aber von der Optik, von der Dynamik und von der Ansprache her hat sich natürlich in den knapp 20 Jahren eine Menge gewandelt. Wir haben für die letzte Staffel ein neues Studio bekommen. Das hat uns noch mal neue Möglichkeiten eröffnet. Das Format ist mit der Zeit gegangen, aber trotzdem immer noch Familienprogramm geblieben.

Macht das am Ende den Erfolg beim Publikum aus?
Ich bin fest davon überzeugt. Ich glaube, Let’s Dance ist das letzte große, wertige Familienformat im deutschen Fernsehen, was auch über einen so langen Zeitraum jeden Freitag live läuft, bei dem man Kindern nicht Augen und Ohren zu halten muss, bei dem die Oma mit auf der Couch sitzt und alle haben einen wunderbaren, gemeinsamen Abend. Bei dem man auch mal ein paar Stunden lang alles andere drumherum vergessen und sich wohlfühlen kann. Mit schönen Menschen, schönen Performances und dem einen oder anderen Kommentar, der dann zu Diskussionen führt. Aber das muss ja auch sein, sonst wäre es zu flach.

Werden Sie darauf mal angesprochen? Beim Einkaufen?
Jein. Nächstes Jahr läuft die 18. Staffel. Die Leute wissen, was auf sie zukommt und wollen eine Jury da sitzen haben, die abwechslungsreich ist. Das haben wir seit zwölf Jahren mit Jorge González, Motsi Mabuse und mir. Wir sind ein eingeschworenes Team, das funktioniert sehr, sehr gut.

Aber Sie gewinnen selten den Beliebtheitspreis, wenn es an die Punktevergabe geht.
Das glaube ich noch nicht mal. Eins müssen wir festhalten, um mal ein Klischee zu bemühen: Bei Winnetou hat der Bösewicht ja immer die schönen Mädchen bekommen. (lacht) Ich glaube, dass man sich auch gerne an Personen reibt, was sie sagen, was sie tun. Das andere ist erstmal schön, lieb, nett. Aber von nett können wir uns nicht viel kaufen.

Aber Sie hatten in der letzten Staffel ein, zwei Zehner, als Motsi Mabuse eine Neun vergeben hat.
Ja, stimmt. Aber das ist normal. Und: Neun und Zehn liegen so eng beieinander. Manchmal sieht man einfach was, das der andere nicht sieht, oder schätzt das anders ein, hat eine andere Priorität. Das ist wie bei einem normalen Tanzturnier. Da gibt es auch unterschiedliche Wertungen. Am Ende kommt aber zum Glück immer das Richtige raus.

Sie stehen für ehrliche Kritik. Was ist das Geheimnis einer konstruktiven Kritik?
Das offen und ehrlich anzusprechen und dabei sachlich zu bleiben, was gut, aber auch was nicht gut ist. Kritik ist ja auch eine positive Kritik. In der Regel wird sie ja als etwas Negatives betrachtet. Wichtig ist, bei der Sache zu bleiben und mögliche Lösungen vorzuschlagen. Am Ende des Tages muss derjenige, der die Kritik erhält, wissen, was er damit anzufangen hat. Das machen wir als Jury, und dann wissen die Paare, woran sie zu arbeiten haben.

Sie haben 90 Sekunden Zeit, sich ein Urteil über ein Tanzpaar zu bilden. Nach welchem System schauen Sie sich das Paar an?
Mir reichen zehn. Ich mache seit 44 Jahren Tanzsport. Wenn man selbst Finalist bei Europa- und Weltmeisterschaften war, wenn man selbst Welt- und Europameisterschaften gewertet hat, wo zehn, zwölf Paare auf einmal auf der Tanzfläche stehen, die man innerhalb von 90 oder 120 Sekunden vergleichen muss, hat man schnell einen Blick dafür, ob das Paar gut ist. Ist es im Takt, rhythmisch zur Musik, ist der Charakter des Tanzes erfüllt. Das sind Kategorien, die schnell im Kopf abgehakt werden. Dann kommt man schnell zu einem Urteil.

Die Tanzpaare müssen trainieren, damit sie jeden Abend abliefern können. Wie muss man sich die Vorbereitung einer Jury vor so einer Tour vorstellen?
Ja, für die Paare ist das schon eine Tortur, aber die sind voll austrainiert. Für die Jury ist das einfacher. Wir proben auch. Aber wir sitzen da und schauen uns die Performances an. Natürlich: Zum Schluss, im Finale, wird die Jury noch etwas zum Besten geben. Es wird schön, stimmungsvoll.

Auf was und auf wen freuen Sie sich bei der Tour am meisten?
Auf die Zuschauer. Bei uns im Studio ist ein unheimlicher Druck während der Staffel. Die Tour ist wie ein lockeres Familientreffen mit den Zuschauern. Es kommen bis zu 12.000 Zuschauer. Da erreichen wir bei einer Tour etwa 200.000 Menschen. Das ist schon toll.

Welche Tanzerinnerungen haben Sie an Mannheim?
Ende der 80er bis Ende der 90er waren die German Open in Mannheim. Da war ich immer eine Woche lang im Rosengarten. Ich bin immer sehr gerne in Mannheim gewesen, der Wasserturm, der Rosengarten selbst. Mannheim hat was. Ich hatte mal ein Fotoshooting am Schloss mit ein paar Automobilen. Unser Profitänzer Massimo Sinató kommt aus Mannheim. Die Stadt war für mich immer eine Reise wert.

Sind Sie auch mal über den Rhein in die Pfalz gekommen?
Natürlich. Einer meiner besten Freunde wohnt in Landau. Es ist sehr schön da. Ich trinke auch gerne mal einen schönen Pfälzer Wein.

Hand aufs Herz: Wie ist Ihr Verhältnis zu Daniel Hartwich? Im Fernsehen erinnern Sie beide mich an Gerhard Delling und Günther Netzer.
Sie müssen eins bedenken: Daniel Hartwich ist unser Hallensprecher. Der hat wirklich keine Ahnung vom Tanzen. In dem Moment, wo er meint, irgendwas Fachliches rauszuhauen, ist das schon in die Hose gegangen. Da muss ich einschreiten. Das hat Netzer auch mit Delling gemacht. Das ist ein wunderbares Spiel.

Dürfen Sie sich Ihre Sakkos aussuchen?
Ich habe seit 14 Jahren eine Kostümbildnerin, die auch Günther Jauch betreut. Wir suchen übers Jahr immer wieder Sakkos aus, bei denen wir sagen, das passt doch mal wieder in die Show. Unsere Show ist Gala, Glamour. Entsprechend muss man angezogen sein. Jeder sollte so aussehen, wie es zu seinem Typ passt. Susanne und ich machen das Hand in Hand.

Welchen Promi würden Sie gerne mal bei Let’s Dance sehen?
Hach, das ist immer so eine Frage. Es gibt Prominente: Ja, wäre ganz toll. Hatten wir schon, hat aber nicht funktioniert. Die Mischung, die RTL am Ende zusammenstellt, hat bisher in jedem Jahr funktioniert. Wir hatten im 17. Jahr Rekordwerte bei den Einschaltquoten. Vor dieser Staffel konnte ich mit der Hälfte der Namen der Prominenten nix anfangen. Trotzdem lieben die Zuschauer nach zwei, drei Folgen diese Menschen, weil sie sie kennenlernen. So kann auch jeder Promi was aus der Sendung mitnehmen.

Aber dann gibt es Fälle wie Uli Potofski, bei dem das Urteil klar ist.
Aber Uli war großartig. Er hat doch unterhalten. Und er wusste, was man mit so einer Unterhaltungssendung anfängt. Da gab es andere Kandidaten, die nichts konnten und beleidigt waren, wenn ich sie am Ende so bewertet habe. Aber man kann’s nicht jedem recht machen. Das will ich aber auch nicht.

Wo sehen Sie die Show in ein paar Jahren?
Wir haben immer wieder ein paar Neuerungen. Wir drehen an kleinen Stellschrauben. Und es gibt immer wieder neue Prominente, ab und zu mal einen neuen Profitänzer. Aber man hat auch Konstanten wie Daniel Hartwich und die Jury.

Haben Sie den Eindruck, dass Let’s Dance die Leute zum Tanzen animiert?
Sagen wir mal so: Es ist in Deutschland Tradition, dass das Tanzen zu Gesellschaft gehört. Man ist immer schon in die Tanzschule gegangen. Wer mal Tanzen war, ist durch die Tanzshow auch vermehrt wieder Tanzen gegangen.

Termin

Let’s Dance – Die Live-Tour 2024 ist am 5. November ab 20 Uhr zu Gast in der Mannheimer SAP-Arena. Karten gibt es im Internet, zum Beispiel unter www.saparena.de.

Dancing Star der 17. Staffel: Gabriel Kelly und Profitänzerin Malika Dzumaev.
Dancing Star der 17. Staffel: Gabriel Kelly und Profitänzerin Malika Dzumaev.
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